Scott Cooper, der mit Brad Ingelsby, das Drehbuch geschrieben hat und die Regie führt, erzählt uns hier eine einwandfrei amerikanische Männergeschichte auf emotional und bildnerisch hohem Niveau.
Die Geschichte der beiden Brüder Russell und Rodney Baze. Der eine ist der ehrbare, brave, der andere der Irakveteran, der sich und sein Leben nicht in Griff bekommt.
Die Geschichte spielt in einer malerisch verkommenen Eisenhüttenstadt. Vater Baze und Russel arbeiten am Hochofen. Vater ist bereits anfangs des Filmes krank und stirbt bald. Während Rodney sich nicht zum Arbeiten überwinden kann, sich Geld leiht und es prompt verspielt. Dadurch kommt er in Teufels Küche. In die bekannte Bredouille, die amerikanisch-filmbekannte Bredouille: Spiel, illegale Ringkämpfe, Drogen und ein ganz böser Bösewicht mit seltsamem Ohrgehänge, Harlan de Groat, der 5 Autostunden entfernt in jenen Hügeln von New Jersey residiert, wo durch die Abgeschiedenheit nur Inzucht geübt werde.
In der ersten Szene wird in traumhaft schönen Bildern eines Autokinos die Gewalttätigkeit und Grobheit von Harlan gezeigt, wie er mit der Nutte in seinem Auto grob wird und auch Nachbarn, die sich einmischen wollen, eins vor den Latz knallt. Grobian. Grober Kerl. Gegen den zeichnen sich die beiden Brüder durch Sinnlichkeit, Sensibilität aus. Wobei dem Kämpfer allerdings bei den getürkten Schaukämpfen allzu gerne die Zündschnur durchgeht und er nicht verliert, wenn er verlieren sollte. Das bringt ihn ins Visier von Harlan.
Er wird die Reise zu Harlan nicht überleben. Vorher hatte er sich allerdings rührend um Russell gekümmert, wie der wegen eine Alkoholfahrt mit Personenschaden im Knast gelandet ist. Während der Irak-Bruder also sich nach New Jersey aufmacht, schneidet der Filmemacher eine Jagdszene auf einen Hirsch mit dem braven Bruder und seinem Onkel, Sam Shepard als Gerald ‚Red‘ Baze.
Wenn Shepard mit von der Partie ist, ist garantiert, dass amerikanisches Männer- und Gangstertum hochliterarisch abgehandelt wird. Oder vielleicht nicht ganz hochliterarisch, aber hochcineastisch. Wobei einem die Icons doch immer merkwürdig bekannt vorkommen, die Twists, die nur allzu gerne auf das Thema Selbstjustiz hinauslaufen. So auch hier. Denn nach dem Tod von Rodney hat Russell eine Rechnung mit Harlan offen. Verkomplizierend, aber die Lösung auch raffinierend, sozusagen als neuer Zwischenton zur plumpen Selbstjustiz, hat die Frau von Russell während er im Knast einsaß, sich den Cop geangelt, der nicht so erotisch und prototypisch amerikanisch filmheldisch wirkt wie Russell, der aber zuverlässig ist. Also soll erst der Mechanismus des Vollzuges des Gesetzes sich um den verschwundenen Bruder kümmern. Der wird auch gefunden nach einer gefährlichen, fast explosiven Annäherung von Russell an Harlan.
Andererseits, was wäre ein amerikanischer Film, bei dem die Justiz die Gerechtigkeit wieder herstellte, das wäre doch todlangweilig. So haben sich denn die Autoren Scott Cooper und Brad Ingelsby auf einen Kompromiss geeinigt. Das Gesetz darf einschreiten. Aber am Schluss entscheidet sich der Film doch anders. Das wirkt wie eine ironische Pointe. Mehr davon wäre bei so einem Film durchaus drin gelegen. Das Männerbild, was hier entworfen wird, scheint mir doch sehr pathetisch.
Shepard ist der Onkel.
Die Ureinwohner von New Jersey. Die Arschlöcher von Ramapo.
Cineastisches Männerbild on a highly sophisticated Level. Aber doch recht fern vom europäischen Stahlwerkromantizismus.
Uramerikanische Filmwelt, die sich doch sehr um sich selber dreht. Die für Außenstehende wenig Message hat, die den Geist zwar das Können, die Emotion, die Sinnlichkeit, die Bilder genießen lässt, aber sonst wenig in Bewegung setzt. Es scheint in einem Entwicklungsstillstand zu verharren, dieses Männerbild. Das einzige Problem, was sich besonders in Europa im Kino überhaupt nicht mehr gut verkauft, das ist die Selbstjustiz. Und da geht dieser Film so einen halben Schritt auf Europa zu, wenn man so will.
Ja, und dann muss der Bösewicht, der Obergrobian den tapferen, braven Amerikaner, der aber nicht aufgibt, obwohl er doch so bieder scheint, als toughen Kid loben.