Das Pikanteste an diesem Film dürfte sein Grundidee sein: vier potentielle Selbstmörder kommen sich ausgerechnet am Sylvesterabend auf dem Dach des Fleet-Tower in London ins Gehege. Diese Idee ist skurril. Warum? Weil der Selbstmord etwas Endgültiges ist und es ist schon komisch, wenn sich mehrere solche Endgültigkeitsentscheide im Modus der Endlichkeit im Wege stehen und sich an deren Durchführung hindern.
Mit dieser skurrilen Grundidee-Szene fängt der Film an, werden die Figuren eingeführt. Der erste ist Pierce Brosnan als Martin Sharp. Er hat sich gut vorbereitet auf seinen letzten Sprung, ist mit einer Leiter unterwegs um die Selbstmordverhinderungsanlage aus Gittern und Stracheldraht zu überbrücken. Er steht schon einen Schritt vor seinem letzten, hoch über London, will noch eine letzte Zigarre rauchen, die fällt ihm dummerweise runter und da taucht auf dem Dach schon Maureen, Toni Collette, auf und vereitelt das Vorhaben. In kurzen Abständen folgen noch Imogen Poots als Jess Crichton und Aaron Paul als J.J., der vorgeblich eine Pizza abliefern will.
Es handelt sich um eine erste Garnitur von Schauspielern, die auf diesem Hochhausdach in London versammelt sind und die erstklassig die weiteren Entwicklungen vom Absehen vom Vorhaben über das Hinuntersteigen und sich Verabschieden und durch den heftigen Regen wieder Zusammenfinden und dann sogar den Pakt schließen (Schonfrist bis zum Valentinstag) uns niveauvoll vorführen werden.
Die Geschichte wird insofern eskalieren, als die Medien hinter diesen Pakt kommen und Sharp ein bekannter Frühstücksmoderator gewesen ist, während Jess die Tochter des Bildungsministers ist und ziemlich heruntergekommen wirkt. Selbstmordverhinderungsstory mit Promibonus oder -malus.
Im Vergleich zum Vorhaben Selbstmord wirken die sich entwickelnden Alternativ-Aktivitäten allerdings recht spießig, der Entschluss beispielsweise, statt sich von den Medien aussaugen zu lassen, denen die Geschichte, leicht verändert und verschönert zu verkaufen: ein nackter Engel wie Matt Damon sei ihnen erschienen – da es sich um eine Erfindung handelt, bleibt dem Zuschauer dieser Cameo-Auftritt dankenswerter Weise erspart.
Um dem Presserummel zu entfliehen, bucht die Gruppe einen Flug nach Teneriffa. Dort wird alles urlaubsspießig, aber eine Klatschkolumnistin schafft es, sich J.J. für eine Nacht zu angeln. Auch das kriegt die Gruppe in Griff.
Die Überraschungen nach dem pikanten Anfang halten sich im Rahmen, im Rahmen sehr gepflegten Spiels allerdings. Regisseur Pascal Chaumeil, der das Drehbuch von Jack Thorne nach dem Roman von Nick Hornby vor sich hatte, schließt quasi mit dem Publikum gleich bei der Eingangsszene einen Pakt, nämlich den, dass man sich hier gepflegt britisch unterhalten wolle und sicher die Tragik, die hinter einem Selbstmordversuch stehen kann, nicht als ernsthaftes tiefgründig Thema aufdröseln wolle. Das hat allerdings den Nachtteil, dass die aus dem nicht verlorenen Leben gewonnene Freiheit auch nur in überschaubarem Rahmen zur Ausweitung des eigenen, kleinen Glückes gewonnen wird, dass vielleicht die Einsamkeit, die zum Suizidwunsch geführt haben mag, etwas weniger einsam gestaltet wurde; insofern der menschenfreundliche Input oder die Moral: das Leben muss nicht unbedingt so einsam sein, wie man es in manchen Momenten der Verzweiflung sieht. Einsamkeit kann offenbar ein Impuls-Zustand sein – das ist jetzt allerdings Metainterpretation. Wörtlich allerdings beschreibt Sharp es als ein Problem von Demütigungen, die er erlitten habe.