Love Steaks

Für diesen Filme stehen als Drehbuchautoren Jakob Lass, Ines Schiller, Timon Schaeppi und Nico Woche, für die Regie Jakob Lass. Es ist eine Produktion der HFF Potsdam-Babelsberg. Wer als Student einen Film dreht, gibt auch ein Statement ab, was für ein Kino er sich wünscht.

Was diese Filmemacher uns mit diesem Film erzählen, ist einmal, dass sie garantiert kein „Es war einmal“-Erzählkino wollen. Der Film fängt mit einer Szene gegen das Meer an, ein Mann steht davor und brunzt. Den Strahl sieht man. Initialbild eines Filmes. Interpretierbar. Was will uns dieser Film erzählen? Gegen das Meer pissen als Fanfare für einen Film. Sein Wasser zum Meereswasser lassen. Wasser zu Wasser.

Die Studenten wollen aber auch kein Kino, was einen Rahmen setzt. Denn als nächstes zeigen sie uns nicht die Hotelanlage, in der das Folgende spielen wird. Das braucht der Zuschauer nicht zu wissen. Die Studenten gehen gleich mitten in den Betrieb. Der junge, hasenschartige Darsteller Franz Rogowski als Clemens Pollozek wird im Hotel empfangen, ihm wird sein „Zimmer“, was nur ein Durchgangs- und Abstellraum ist, zugewiesen und er wird in die Arbeit als Masseur eingeführt.

Mittels hackeligen Schnitten erzählen uns die Filmemacher auch, dass sie ein hektisches Kino ohne Musse, ohne Zeit für Betrachtungen wollen. Es muss stets was los sein. Hektik in der Küche ohne Rücksicht auf konkrete Vorgänge. Denn in der Küche arbeitet eine Aushilfs- oder Saisonkraft, jedenfalls eine junge blonde, weibliche Person, die zum Kochen null Beziehung zu haben scheint, der Selbstbehauptung wichtiger scheint als ein feines Gericht, die überhaupt eine widerborstige Person ist, Lana Cooper als Lara Schmelzing, die nichts ernst zu nehmen scheint, die richtig leinwandborstig rüber kommt.

Schnell lassen einen die Studenten vermuten, dass sie beabsichtigen, die beiden Figuren sich aneinander reiben zu lassen. Auch wollen sie uns zeigen, dass sie eine Beziehung zwischen zwei Figuren herstellen können, die nichts miteinander gemein haben.

Sie scheint nymphomanisch zu sein, Alkoholikerin dazu, die jeden männlichen Angestellten des Hotels bumsen möchte. Er ist ein verhaltener Typ, ihm nimmt man den Masseur, die Schüchternheit ab. Verwunderlich allerdings, dass er sich auf so viele Spiele mit ihr einlässt, wo er sich doch in den Concierge verliebt hat, was zwar nie sinnlich gezeigt wird, was er aber auf Anraten der Widerborstigen ihm in ihrer Anwesenheit gesteht.

Die Studenten wollen, dass im Film Unplausibles für plausibel genommen wird. Oft treibt das Personal Blödsinn. Überzeugend wirkt der Personalchef, absolut glaubwürdig kommen seine Sätze sowohl von Sprechart als auch vom Inhalt her rüber, wie er die beiden einmal entdeckt, während sie in einem Lagerraum ein Tete-a-tete abhalten: der Fuchs schläft nicht, er döst nur. Sie müssen also aufpassen.

Zur Kinovorstellung dieser jungen Leute gehört offenbar auch, sich von der Erzählung her nicht für eine Hauptperson, deren Konflikte und Charakter zu interessieren, sondern Situationen an einander zu reihen, wie sie sie vielleicht im Urlaub oder in einem Semesterjob erlebt haben. Das kommt wie anekdotisch daher, unabhängig davon, ob es mit einem Grundkonflikt einer der Hauptfiguren zu tun hat oder nicht, aber da ein solcher nicht eingeführt wird, spielt das sowieso keine Rolle.

Nette Anekdote: wie soll ein Masseur mit einer Kundin umgehen, die anfängt, ihn zu begrabschen. Ein ernstes Problem.

Zur Vorstellung dieser jungen Leute von Kino scheint auch zu gehören, manche Szenen musikalisch so richtig aufgedunsen erscheinen zu lassen, inhaltliche Angebrachtheit hin oder her; das Babelsberger Filmorchester schreckt vor nichts zurück.

Unter der Vorstellung von Kino subsumieren diese jungen Leute durchaus auch, dass in so einem Film interessante Einzelszenen vorkommen sollen, einzelne überzeugende Figuren, dass aber nicht all zu viel Zusammenhang, thematischer, außer dem räumlichen und dem beruflichen, da sein soll; dass nicht so ganz klar werden soll, was sie uns nun erzählen wollen. Und ferner, dass sie wohl gehört haben, dass als Ende für einen Film ein glückliches wünschenswert wäre: so dass sie am Schluss die beiden, die zwar viel aneinander rumgehakelt haben und doch so rein gar nichts gemein haben, nach einer Caspar-David-Friedrich-schönen Meeresansicht noch die Klippe runterspringen lassen, als sagten sie uns, jetzt haben wir es geschafft, den Dreh, und sich dann noch küssen müssen mit schönen Spuckefäden im Gegenlicht. Schöne neue Kinowelt.

Clemens fällt oft um, ist er Epileptiker? Warum haben die jungen Filmleute diese Eigenschaft nicht effizienter genutzt? Kino scheint für diese jungen Leute zu sein: Film ist ein Haufen von im Fernseasthma-Rhythmus aneinandergereihter Szenen, die irgendwie keine Geschichte ergeben müssen, die für einen Außenstehenden nachvollziehbar wäre.

Es war einmal ein junger Mann. Der hatte eine Hasenscharte und war Epileptiker. Er war Masseur und hatte einen Job in einem Strandhotel angenommen. Dort hatte er kein richtiges Zimmer, machte seinen Job ordentlich und geriet in die Fänge einer stacheligen, jungen Frau, die seinen Penis in die Hand nehmen wollte und wissen wollte, ob dieser fleischig oder blutig sei. Er aber war schwul. Einmal wollte sie sich von ihm massieren lassen. Da ist er rallig geworden, aber sie wollte nicht. Offenbar hat er sich in sie verliebt, denn wie er glaubte, sie sei gefeuert worden wegen dem Alkoholproblem, das er problematisiert hatte, da hat er gekündigt und ging zu Fuß weg vom Hotel. Sie erfuhr davon und rannte ihm meolodramatisch nach. Dann sprangen sie über die Klippe und küssten sich. – Das ist die Geschichte, die die jungen Leute aus Potsdam uns hier verklickern wollen. Würden Sie deswegen ins Kino gehen?

Preise soll der Film eingeheimst haben. Fragt sich nur von welchen hirninaktiven Gremien.

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