Habe die Ehre (TV BR)

Nach einem Buch von Stefan Fuchs und David Gromer und in dessen Regie testen die bayerischen Showprofis Chrissy Eixenberger, Wolfgang Krebs und Bernhard „Fleischi“ Fleischmann das Bielefelder Nordlicht Ingolf Lück auf seine Bayerntauglichkeit vor einem Studiopublikum, was ein von Quotenangst geprägtes Warm-up hinter sich haben muss und wohl angehalten war, während der Sendung die Getränke unberührt vor sich auf dem Tisch stehen zu lassen, was als Atmosphärenkiller rüberkommt.

Ingolf Lück dürfte mit seiner nach Jahrzehnten des Showprofitums immer noch glaubwürdigen Bescheidenheit und natürlichen Humorigkeit ein Glücksfall als Gast für die Pilotausgabe einer solchen Sendung sein (und man gönnt ihm die PR, die er damit für sein Soloprogramm machen darf), was angenehm ablenkt von den strukturellen Schwächen der Sendung. Bayerntum wird reduziert auf die Kenntnis von 6 wichtigen Fußballvereinen, das „Nachplabban“ einer drögen, norddeutschen Tatortszene nach vorgeschriebenem, bayerischem Text, der Herkunfts-Identifizierung von Personen nach bayerisch oder nicht-bayerisch anhand der Lache, des Improvisierens eines Textes mit vorgegebenen bayerischen Ausdrücken (Krampfen, Katzln etc.) und schließlich dem Gaudi-Fensterln, was doch dies und jenes Wissen abfragt; nun, eigentlich gar nicht so wenig; wenn auch auf zu breit gewalzte TV-Gaudi frisiert.

Den einminütigen Bewerbungsmonolog, den der zu testende Nicht-Bayer, der Gast der Sendung, eingangs halten muss, der hätte ruhig substanzieller gearbeitet sein können. Er wäre ein Superpflock, an dem das Seil für eine richtige, inhaltliche Spannung angehängt werden könnte. Dann könnte auch auf Animateure vor Aufzeichnungsbeginn verzichtet werden. Und es ergäbe sich aus dem Monolog ein Leitfaden, anhand dessen man sich dem Kern des Bayerischen gehaltvoll und spannend nähern könnte ohne auf der billigen, showergiebigen Oberfläche zu verharren. So allerdings gibt man sich zufrieden mit einer Aneinanderreihung von Testfragen und zwischendrin Statements aus der Karriere von Ingolf Lück, alles präsentiert mit professioneller, nicht allzu origineller Showroutine; der öffentliche Rundfunk sollte sich mit so wenig und Äußerlichem nicht zufrieden geben.

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