Mittsommernachtstango

Bei diesem Film, der kaum fürs Fernsehen gut genug ist, wundert mich nur eines, wie ist es der Regisseurin und Autorin Viviane Blumenschein gelungen, gleich mehrere Filmförderer von ihrem Projekt zu überzeugen. Das wäre sicher ein spannender Film, vermutlich eine Groteske sondergleichen, wenn man denn genau hinschaute.

Wobei die Idee des Reizes nicht entbehrt, selbst wenn sie nicht neu ist. Erstens muss man Aki Kaurismäki gewinnen, der ist ein Name des Weltkinos. Man muss ihn dazu bringen, vor der Kamera allen Ernstes zu behaupten, der Tango habe seine Wurzeln in Finnland. Dann reist man nach Argentinien. Lässt die Kamera mitlaufen bei einer Tangomusikgruppe. Man lasse sie drauf los plappern.

Wie überhaupt bei Frau Blumenschein sich die Aufgabe von Dokumentation offenbar darin erschöpft, die Leute zu diesem und jenem ihre Statements abgeben zu lassen, Geschwätz und Meinungen und dazwischen ein paar hübsche Luftaufnahmen von Seen in Finnland, Städteimpressionen von Buenos Aires, finnische Sauna und Essen und mit einem roten Auto im Polarkreis unterwegs eine Verunsicherung über die Weiterfahrt mäßig inszenieren mit einem Erdnussverkäufer, der mit seinem Gefährt daher kommt, und den Rest besorgt eh der Tango, sein Rhythmus.

Denn Tango ist Kult. Und wer einen Film über Tango macht, der wird gleich mit dem Hauch und dem Rauch des Kultes eingenebelt, der strahlt offenbar den Kult aus. Tatsächlich, man könnte seine Zeit schlechter verbringen als hiermit. Mit dem Planen von Militäreinsätzen in fremden Ländern beispielsweise. Das tut weder Frau Blumenschein noch ihre argentinischen oder finnischen Musiker. Sie bleiben beim Tango oder finnischen Variationen davon. Das ist doch immerhin etwas. Und wer sich den Film anschaut, der tut in der Zeit auch nichts Schlimmeres.

„Ja“ auf finnisch hört sich an wie „Cul“, verlässt in Argentinien die Sphäre der Anständigkeit und bringt die Lateinamerikaner jedes Mal zum Grinsen. Und dass einer der Musiker, nachdem er aus dem Wasser steigt, auf Deutsch „Scheiß gut“ sagt, lässt darauf schließen, dass das Team gut Deutsch durchsetzt war und also deutsches Fördergeld inklusive.

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