Geil sind die strammen Reiterhosen der Darsteller, ob Weiblein, ob Männlein, ob Teen, ob Senior. Mit ihren schwarzen Streifen, die die Beine sich in Richtung Schritt verjüngen lassen, das Auge und die Fantasie des Betrachters direkt dorthin lenken und allerlei Bilder am Rande der Gehörigkeit in Gang setzen. Doch diese Versprechen werden nicht eingelöst. Denn die jugendlichen Hauptdarsteller sind zwar groß, wirken wie Erwachsene, aber versaut dürften sie noch nicht sein. Sie scheinen im zarten Alter romantischer Liebe. Ein Kuss ist schon viel und sehr keusch. Gleichwohl können die Mädels rechte Zicken sein und Bibi mit ihren Zauberkräften kann eine vermeintliche Rivalin ihrer Freundin ganz schnell ärmlich und runtergekommen ausschauen lassen und sogar mit Schnauz dazu.

Diese sexy Hosen sind aber auch das einzig Provokante an diesem Film von Detlev Buck nach einem Buch von Bettina Börgerding und Wenka von Mikulicz. Deshalb fällt mir besonders auf, wie brav und nett der Rest ist, so ein bisschen Fidel-Romantik wie bei kirchlichen, hoffnungsvollen Jugendgruppen, wie unter einer Käsehaube eines vergangenen Jahrzehnts.

Die Haltung von Buck zum Kino und zum Leben wirkt ansonsten durchaus vereinnahmend aber es ist nun schon der dritte Pferde-Kinderfilm innert einem Jahr und er kommt mir als der altertümlichste vor (die anderen zwei waren „Ostwind“ und „Das Pferd auf dem Balkon“). Trotz aufgemotzter Ausstattung, trotz Operettenreitergesellschaft beim Rennen, trotz vieler Klampfenmusik und netter, schlagerähnlicher Jugendsongs und Musiknummern.

Es gibt zwar zwei zeitgeschichtlich aktuelle Bezüge. So wie Charly Hübner den Hans Kakmann spielt (dieser Humor, eine Figur Kakmann zu nennen, scheint mir reichlich abgestanden), erinnert an den Ex-Bundespräsidenten-Intimus und -Sprecher Olaf Glaeseker. Ferner kommt eine Zeitungstitelzeile vor „Merkel enttäuscht“, nachdem Kakmann von der Kakmann-Ranch mit einem Operetten-Kaktus davor (dieser lange nicht so originell wie bei Helge Schneider), einem geschmacklos knalligen Bau in unberührter Natur, wegen Doping von Pferden und anderer Machenschaften im Knast gelandet ist. Eine eher ungefähre Referenz auf die heutige Zeit.

Ist die heutige Jugend so, wie hier dargestellt? Sie kommt mir eher vor als sei sie aus einer dieser Daily-Soaps, die im Adeligen-Milieu spielen. Warum wird die Ständegesellschaft wieder so wichtig?

Auf Schloss Falkenstein steht das jährliche Pferderennen bevor (immerhin wird Graf Falko eine Wette ersinnen, die ganz gut zum degeneriertem Adel passt). Bibi und Tina wollen daran teilnehmen. Tina und Alex, der Sohn von Falko, sind ein platonisches Liebespaar. Da taucht die hochadelige Sophie mit ihrem Gelbtick auf Schloss Falkenstein auf. Im Rolls Royce wird sie vorgefahren. Sie platzt in das Verhältnis von Tina und Alex und bringt Alex in Konflikte. Die Komplikationen spitzen sich beim Rennen zu. Dazwischen funkt der neue Nachbar Kakmann. Am Ende haben sowohl Alex als auch Sophie eine Wandlung durchgemacht, Kakmann sitzt hinter Gittern und Frau Merkel ist enttäuscht.

Buck versucht seinen Film fetzig zu machen mit Musik und mit knalligen Farben; er versucht mehr auf Stimmung zu machen, eine Stimmung, eine Jugendstimmung zu erzeugen, denn eine spannende Geschichte zu erzählen. Mehr eine Nummernrevue. Die Figuren herzhaft überzeichnet, herzhaft theaterhaft und aus irgend einer Zeit stammend, nur nicht aus unserer. Das Pferd, um das sich (fast) alles dreht, das heißt Socke, eigentlich Sokrates, hat aber weiße Socken und ist natürlich, wie in jedem Pferdefilm, ein Ausnahmepferd.

Eine sympathische, vielleicht etwas naive Kindlichkeit und nicht allzu skeptische oder durchdringende Weltsicht offenbart sich in diesem Film, gutgläubig mit Freude am Augenfälligen und an einfachen Songs („da ist ein Loch in meinem Herzen“, „I am just an ordinary girl“). Oder pastoraler Optimismus und Hoffnung: geht eine Tür zu, geht eine andere wieder auf. Was Detlev Buck uns mit diesem Film mitteilt, scheint mir eine ohne große Entwicklung etwas in die Jahre gekommene, leicht angestaubte Weltsicht zu sein, die aber Freude am Bunten, am Theatralen, am Operettenkostüm, an der Scharade hat; Vergnügen auf Level Vereinsabend, jedoch ein deutliches Maß professioneller gestaltet. Und dann noch die Liebe der superzickigen, verwöhnten Sophia zum einfachen Pferdebeschlager, Hufschmied und Mofa-Fahrer, Groschenromanze pur.

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