Jack Ryan: Shadow Recruit

Bedrohliche Replik zum Trauma 9/11.
Immerhin sind jetzt nicht mehr die Islamisten, Al Quaida, die Bösen, jetzt sind es, mal wieder ob das besser (?), die Russen. Sie wollen die Amerikaner gleich doppelt angreifen. Zum einen wirtschaftlich über einen Kapitalangriff auf die Banken, auf die Wall Street. Zum anderen wird ein mit Explosiva beladener Lieferwagen auf dem Weg durch New Yorks Straßen sein, um in einem Tunnel direkt unter der Wall Street in die Luft gejagt zu werden. Die Folgen wären schrecklich. Mindestens zehn Gebäude der Wall Street (ein elfter September wäre Peanuts dagegen) würden pulverisiert nebst unabsehbaren Kollateralschäden.

Die Gefahr ist also groß ist, größer noch als vor dreizehn Jahren. Und Obama muss die USA schützen. Dass die USA dazu fähig ist, das soll mit diesem Film bewiesen werden. Denn Kriegseinsatz heißt mittlerweile nicht mehr nur Afghanistan, da kann man zwar ein Bein verlieren und ist dann im Feld nicht mehr einsetzbar.

Unser Held Jack Ryan ist so einer. Er wurde von der Produktion, bei der Kenneth Branagh solide Spannungsregie geführt hat und deren Buch von Adam Cozad und David Koepp auf entsprechend hohem Niveau prima geschrieben ist, mit einem Schauspieler besetzt, der ein unnatürlich hübsches Näschen hat, so gar nicht soldatisch oder kämpferisch und dessen Lippen aussehen, als möchten sie demnächst denen einer Brigitte Bardot nacheifern; wobei soviel Sinnlichkeit auch nicht unbedingt was über die Kriegseinsatzfähigkeit eines Soldaten beweist.

Ryan war, das erzählt die Geschichte des Anspanns, 2001 bei den Anschlägen auf die Twin-Towers in New York gerade dabei, Ökonomie zu studieren, er wollte seinen Doktor machen. Der Schock von 9/11 hat sein patriotisches Gewissen aktiviert. Er war überzeugt, dass er seine Heimat am Hindukusch verteidigen müsse. Dort ist er alsbald in einen Crash mit einem Hubschrauber involviert und bezahlt seinen Patriotismus mit einem Bein.

Auf Reha im Walter Reed Spital lernt er mit einem künstlichen Bein umgehen. Wird von Geheimdienstlern beobachtet. Sie haben eine Mission mit ihm vor. Denn moderne Kriege werden längst nicht mehr mit Rüstung und Explosionen und physischer Gewalt geschlagen. Der CIA will Leute ins Wirtschaftsleben einschleusen, die als Schläfer jahrelang dort ganz normal arbeiten, um im entscheidenden Moment, wenn’s brennt, wenn etwa ein Großangriff aus Moskau an der Börse droht, eingreifen zu können.

Ryan ist jetzt gewissermaßen Undercoverbanker. Wenn das alles schön exponiert ist, können wir 10 Jahre vergehen lassen, ihn in der Bank sein Werk verrichten lassen. Bis er eines Tages Unregelmäßigkeiten bei den Orders aus Moskau feststellt. So dass er es für ratsam hält, sich dort selbst ein Bild zu machen. Bald wird er allerdings erleben, dass in Moskau der Krieg mit anderen Mitteln geführt wird, nicht nur mit geheimnisvollen Überweisungen. Nämlich mit den klassischen Actionmitteln. Und da ist es schon erstaunlich, wie geschult und trainiert unser Actionheld, der doch nur kurz bei der Armee war und jetzt ein künstliches Bein hat und sonst offenbar ein normales Bankerleben führt, wie er hier mit physischer Gefahr heldenhaft umzugehen versteht. Und auch wie eingeübt das Team des CIA dort ist, wie sie die scheinbar allwissenden und haushoch überlegenen Russen doch leicht wieder in die Tasche stecken.

Die Action in Moskau ist schön inszeniert. Aber tiefer nachdenken, was das soll und wie das möglich ist, wenn denn Russland so ein Überwachungsstaat ist. Man muss spekulieren: wahrscheinlich ist das nur deshalb möglich und soll damit eine Begründung für sie liefern, weil die NSA immer überall alle Daten abschöpft, das darf sich der Zuschauer denken, sonst würden am Ende noch die Russen gewinnen. Insofern also ein Film, der indirekt die NSA und ihre grenzenlose Datensammelwut letztlich befürwortet und unterstützt. Vor diesem Hintergrund dürfte sich Europäers Neugier auf diesen Film in Grenzen halten.

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