Tarzan 3D

Ein harter Action-Comic aus Bayern, der in die Tarzan-Story noch den Energiehunger der Menschheit und ihre skrupellosen Methoden zur deren Gewinnung reinpackt, der in abweisenden, schroffen Bildern spielt und alles in einer Sturzwelle von Orchestermusik ertränkt, die nur eine Leier hat: das hier ist großes Kino (Regie: Reinhard Klooss, der mit Jessica Postigo und Yoni Brenner auch das Buch geschrieben hat).

Die Zeichenfiguren sind nach dem Motion Capture Performance Verfahren gewonnen, es gibt also reale Vorbilder. In der gezeichneten Fassung sehen die menschlichen Gesichter allerdings aus wie direkt ab Gesichtschirurgen-Praxis und die Gorillas könnten von einer Geisterbahn des Oktoberfestes stammen.

Es gibt eine Rahmenhandlung. Die Familie Greystoke, Inhaberin der Energiefirma gleichen Namens, ist mit einem Helikopter im Dschungel unterwegs auf der Suche nach einem Meteor, der vor Urzeiten auf die Erde gestürzt sein soll und von dem ein kleines, handgroßes Stück ausreicht, um die amerikanische Ostküste einen Monat lang mit Energie zu versorgen. Der Sohn heißt Tarzan, ist noch ein Bub und hat ein Kuscheltier wie ein Gorilla.

Der Energieboss findet zwar den Meteor; nach einigen apokalyptischen Bildern – der Film gibt deutlich zu verstehen, dass er den Gigantismus aus den amerikanischen Zeichentrickstudios an Wasserfällen, Klüften, kochender Lava, Unwettern, Wildwassern spielend toppe, – prallt der Helikopter gegen einen Felswand.

Der Junge überlebt. Wie er aufwacht, hat eine Gorillamutter, die günstigerweise kurz vorher ihr eigenes Junge verloren hat, Tarzan adoptiert. Bald wächst er zum jungen Mann heran. Die Zeichner haben es allerdings nicht geschafft, diesen großen Reiz einer natürlichen, fließenden Bewegung in die Figur zu legen; sie kommt mir immer vor, als sei der Torso steif, wie ein Stück Holz; und es wird sich beim Sprechen später, wenn er Jane kennen gelernt hat, zeigen, dass er eine Figur ohne Atem ist, die Bauchmuskeln bleiben beim Sprechen unbewegt, wie tot, ein Eindruck, den die dürftigen Dialog-Texte nicht zu konterkarieren vermögen.

Ein weiteres Problem der Animation scheint mir zu sein, dass die Bewegungen oft zu schnell sind, weggehuscht, als solle der Zuschauer nicht richtig daran teilhaben. Zum Beispiel diese drei komischen Emu-Ur-Vögel, wenn die ihre Szene abgespielt haben, dann werden sie wie achtlos aus dem Bild gezogen. Desgleichen mit dem Funkgerät, was ein Gorilla vom abgestürzten Helikopter findet und zu zertrümmern versucht. Und auch die Llianenschwünge werden nicht voll ausgekostet. Die Bewegungsabläufe wirken wie die von Gummifiguren. Kommt hinzu, dass bei dem vielen Grau und Schwarz der Film noch in 3D verkauft werden soll; hier reine Geschäftemacherei, ohne jeden künstlerischen Mehrwert, die Licht entzieht.

Wobei sowieso nicht klar ist, warum das ein Kinderfilm sein soll.
Ein harter Film, ohne Zauber, ohne Charme, vornehmlich in kalten Farben; wenn Jane und Tarzan zusammen schwimmen, so muss eher von einer grauen, denn von einer blauen Lagune gesprochen werden. Auch die als „geheimnisvoll“ bezeichnete Dschungelwelt kommt nur lieblos hingezeichnet vor, abweisend, frierende Farbtöne.

Tarzan Messerheld, der das Krokodil bezwingt und auch den feindlich gesinnten Obergorilla – und ihn im Moment der Erniedrigung schont.
Er ist ein Held. Mit einem kleinen Felsstück holt Tarzan einen davonfliegenden Heli vom Himmel. Text am Schluss, dass jetzt der Sieg über Clayton gefeiert werde.
Synchronisation: deutsche Promis ohne Pfiff.
Die Förderer, die das Buch nach nicht nachvollziehbaren Kriterien Geld zugesprochen haben: DFFF Deutscher FilmFörderFonds, FFA Filmförderungsanstalt, FFF FilmFernsehFonds Bayern, nordmedia Fonds GmbH und BKM.

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