Stromberg: Der Film

Cineastische Lappalie – aber lustig lebensnahe Bebilderung des Büroalltags und fürs deutsche Fernsehen ungewöhnlich glaubwürdige Charaktere und Dialoge aus Alltagsabwehr- und Alltagserträglichmachjokes.

Wie der stete Tropfen des Büroalltags die Menschen doch zu merkwürdigen Wesen verformt! Das merkwürdigste dieser Wesen ist Bernd Stromberg, der sich als der Papa der Schadensabteilung sieht, „lass das mal den Papa machen“, der seinen Dauerwiderstand gegen die Fesseln des Bürolebens in markigen Sprüchen rausbläst, die durchaus verletzend sein können und an politischer Korrektheit weniger interessiert sind als an der Wahrheit.

Wie erst, wenn solches Biotop einen Film drehen möchte und das noch mit Hilfe nicht nur von Filmförderungen, sondern auch von Crowd-Funding, weil die deutsche Fernsehserie, da sie oft den Nagel auf den Kopf trifft, genügend Fans hat. So wird denn angekündigt, es handle sich um „Stromberg, der Film“, das Drehbuch stammt von Arne Feldhusen, Regie hat Ralf Husmann geführt.

Wobei mir dieser Film, der sich augenscheinlich nicht um die Gesetze filmischen Erzählens und des Entwickelns eines Spannungsbogens kümmert, präziser betitelt wäre mit „Stromberg – das Making Of“. Und zwar das Making of des Ausfluges der Schadensabteilung zum Jubiläumsfest ihrer Firma „Capitol“, nein nicht im hessischen Butzbach, sondern in Butzenberg in der Oberpfalz in Bayern.

Wie ein filmisches Album kommt mir der Film vor, das festhält, wie die Abteilung sich auf den bunten Abend beim Jubiläum vorbereitet, wie Stromberg und sein Konkurrent „Ernie“, die beide wegen Gerüchten über die Auflösung der Abteilung wie die Ratten das sinkende Schiff verlassen und sich in Richtung Hauptsitz absetzen wollen.

Die Anreise im Bus mit dem Fahrer, der schon 12 Stunden gefahren ist und eigentlich nicht fahren dürfte, die dürftige Notdurftpause im freien Gelände, die Bus-Toilette, die nicht funktioniert, wie bei einem richtigen Firmenausflug wird das alles festgehalten.

Die Figuren gewinnen alle an Kontur, es ist eine Wohltat ihnen zuzuschauen, die Serienproduktion muss eine große Hilfe bei der Entwicklung der Charaktere gewesen sein; so rund und glaubwürdig sind sie selten im deutschen Kino, so stimmungsvoll und auch, was die Hakeleien und Neidereien und Rechthabereien betrifft, so nah am Leben. Auch das Ehepaar mit dem adoptierten Kind aus „prekären“ Verhältnissen ist dabei. Der freche Bub malt überall Pimmel an die Wand und an die Scheiben und stört sowieso massiv.

Es ist wirklich wie die Doku zu einem Familienausflug. Das ist ja auch schon eine Kunst, ein Drehbuch quasi verschwinden zu lassen, so zu tun, als hätte das Leben es geschrieben. Welches immer mit deftigen Sprüchen gewürzt wird. „Du bist Arbeit und er ist Mensch“, „Arbeit soll Spaß machen“, „Nicht zuhause gewesen, alter Schlüpferstürmer?“, „Sehr gut Ernie, was dem an Grips fehlt, gleicht er mit Blödheit aus“, „Pronto Toronto“, „Appi Galoppi“.

Manchmal drücken die Figuren etwas zu stark auf die Comedy-Tube, aber dann fällt das wieder nicht auf im weiteren Tohuwabohu, welches sich im Jubiläums-Hotel ergeben wird, Sauna und gleichzeitig noch eine Hochzeit und ein etwas heruntergekommener Alleinunterhalter und nicht reservierte Zimmer. So kräuselt der Film eher die Oberfläche der Vorgänge, anekdotisch, die Abgründe zitierend quasi, nicht sie aufreißend.

Eine coole Team- und Drehatmosphäre springt rüber und dürfte die Crowdfunder und die Fans der Serie über den fehlenden, erzählerischen Kinobogen hinwegtrösten. Denn es ist das Making-Of einer in sich zufriedenen Stimmigkeit von Charakteren und Sprüchen. Stromberg: der Film zur Firmenfeier. Wobei er gegen Ende hin doch noch eine unerwartete Wendung nimmt, nachdem Stromberg sich dem „Rudelbumsen“ der Firmenspitze im exklusiven Nazialtbau verweigert, den Wutbürger in sich entdeckt und eine überraschende Karriere macht, wie es doch wieder nur im Film möglich ist. Das kommt allerdings deutlich als aus leichter Hand erfunden daher. „Fickt die Capitol!“ Und dann wird der Abspann ellenlang.

2 Gedanken zu „Stromberg: Der Film“

  1. Bis zum „Du bist nur das Kloschild, ich bin das richtige Scheißhaus“ fand ich den Film zum kringeln, danach ging es leider nur noch langatmig bergab.
    Ich habe mir sogar den 10 minütigen Abspann angetan, der alle Crowdfunder geduldig auflistet. Sollte dies der Beginn einer neuen Kinofilm Generation sein ??

  2. Es dürfte noch einiges an Crowdfunding-Filmen auf uns zu kommen, lieber Alexander Sandvoss. Das liegt meiner Meinung nach darin begründet, dass das deutsche Kino weitgehend von der Denke staatlicher Förderer und des oft koproduzierenden öffentlichen Rundfunks bestimmt ist, welche (wohl richtigerweise) auf politische Korrektheit bedacht sind und (leider) die Filmemacher oft mutlos und angepasst macht (vorauseilender Gehorsam), während die Denke des Crowdfundings vermutlich eher als mäzenatisch zu charakterisieren wäre, also durch das eigene Urteil der Spender bestimmt ohne Rücksicht auf politische Korrektheit und somit, wie hier bei Stromberg durch die den Büroalltag charakterisierenden und treffend geißelnden Sprüche beispielsweise, wichtige Impulse zu einer Belebung des von der Förderung oft eingenebelten deutschen Kinos beitragen kann. Und Geld haben die Filmemacher sowieso nie genug.

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