Vaterfreuden

Tragisch an diesem Film ist nicht der Film selber. Tragisch daran ist, dass während hier begabte filmische Jugend, die sich ihre ersten Erfolgssporen längst verdient hat und also gut selbstbewusst und mit Elan sich ihren nicht ganz stromlinienförmigen Film bastelt, der sich um ihr eigenes Thema, die Vaterschaft dreht, dass währenddessen die Politik in Berlin sich an den Renten dieser hoffnungsvollen Generation vergreift.

Kein Wunder kommt diese ältere Generation im Film kaum oder nur halbsenil vor. Es ist dies der Papa der beiden ungleichen Brüder Felix, Matthias Schweighöfer, und Henne, Friedrich Mücke als schauspielerischem Salz in der Suppe.

Die simpelste Erwartung an den Titel „Vaterfreuden“, Windeln, Babybrei und Kinderwagen, wird gleich zielbewusst konterkariert. Sie machen ein richtiges Kinofass auf, sie die Autoren Christian Lyra, Murmel Clausen, Sebastian Wehlings und Andrea Willson und der Regisseur Matthias Schweighöfer mit der Exposition ihres Begriffes von Vaterfreuden: mit Frettchen, was auch als Wischmob missbraucht werden kann, Honig, Sado-Maso-Fesselung und einem zerbissenen Skrotum schaffen sie die Voraussetzung für die Unfruchtbarkeit von Felix. Zum Glück war er Samenspender, logo, dass die Jungs sich ein paar Witzchen zum Thema nicht verkneifen wollen. Es geht jetzt im konventionellen Teil des Filmes darum, dass Felix die Trägerin seiner Spende herausfindet, ihr nachstellt und so, wer weiß, doch noch den Traum realer Vaterschaft erfüllen kann, das perfekte Glück, so wie es für das bisherige Schweighöfer-Universum in der Hülle des lächelnden, begehrenswerten Schwiegersohnes ausgedrückt wurde.

Als Helfer, und gelegentlicher Vermassler in der Sache agiert sein Bruder Henne. Friedrich Mücke tastet sich mit der Rolle behutsam in jene Region von Filmkomik vor, in der aus einer Mücke ein Elefant gemacht wird. Im Gegensatz zu Alexander Fehling, der selbiges neulich bei „Buddy“ versucht hat, gelingt es Mücke im verhaltenen Rahmen so, dass bei Weiterentwicklung noch einiges zu erwarten wäre in dieser Hinsicht.

Die Trägerin der Samenspende ist eine Moderatorin bei Sky, Maren. Mit Produktwerbung geht diese Generation ganz sorglos und vermutlich finanziell sich lohnend um. Auch wenn der BR mitproduziert hat. Maren hat diese Maske, an der alles abperlt und eine Stimme, die nie eine Verletzlichkeit zeigen würde, wie sie erfolgreiche Moderatorinnen auszeichnet. Und ist leider schon liiert. Aber mit einem ziemlichen Waschlappen von Typen. Den Rest kann man sich denken.

Das Thema dieser Generation dreht sich also munter nach einem Drehbuch, das wie aus Krümeln aus Vorbildfilmen zusammenklamüsert scheint, um sich selbst, um ihr Glück. Und Schweighöfer ist klug genug, nicht durchgehend sein Schwiegersohn-Strahlen, das ihm bislang einigen Erfolg beschert hat, aufzusetzen. Was das Ganze aber doch wieder auf das Format einer gehobeneren Buddelkastenübung reduziert, das ist die völlige Absenz einer Welt jenseits dieser Filmambition, die Abwesenheit jeglichen Blickes auf die gesellschaftliche Realität drum herum, die reduziert sich auf X-Games, Samenbank, und fette Spermawitzchen, inklusive Hochzeitskleidstottermonolog, und bald schon wird der Frettchenhumor mit dem Herz-Schmerz-Topos aus Glücks-, Sehnsuchts- und Missverständnisfetzen ersetzt. Ein Weltkino scheint nach so einem Film zu beurteilen, nicht zu existieren. So bleibt die Chose doch sehr deutsch-provinziell.

Drehbuch: kunterbunt wie ein Kuhwiesenteppich. HappyMeal-Kino
Lebensweisheitssprüche wie den von den angewachsenen Ohrläppchen oder warum haben wir eigentlich nie Zeit für das, was uns wichtig ist und dann noch über die Wichtigkeit der Träume.

Zwischen, was hier ist und dem was ein großer Kinotraum ist, da gibt es allerdings noch genügend Spiel- und Entwicklungsraum; am krassesten fehlt leider eine ältere Generation, an der die Kids sich reiben könnten. Aber die ist mit Rentenraffen beschäftigt und die Jungen scheinen mit sich und ihrer Welt zufrieden und sich bestens zu amüsieren.
Insofern machen sie also nichts Dümmeres, wie zum Beispiel in den Krieg ziehen.

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