Mandela – Der lange Weg zur Freiheit

„Mehr als eine Legende“ wird der Titel von der Produktion apostrophiert; Legendenbildung als großes Gefühlsbad mit stark vereinfachten, stark reduzierten biographischen Ingredienzien aus dem Leben Nelson Mandelas und mit einer klaren Message: Gewalt ist kein geeignetes Mittel für Politik.

Andererseits übte gerade die Gewalt im Leben von Mandela eine wichtige Funktion aus. Denn erst nachdem der ANC zur Gewaltanwendung gegen den repressiven Apartheid-Staat aufgerufen hat mit fürchterlichen Massakern als Folge, wurde Mandela ins Gefängnis gesteckt, war jahrelang auf der Gefängnisinsel Robben Island eingesperrt; erst diese Gefangenschaft hat ihm den weltweiten Heldenstatus geschaffen, hat mit die weltweite Anprangerung und Ächtung des Apartheid-Regimes zur Folge gehabt, was wiederum Voraussetzung für ein Nachgeben der weißen Regierung war und freie Wahlen zur Folge hatte.

Wobei eine weitere Voraussetzung dafür das scheinbar privatistische Motto des Filmes ist, nämlich die Initiation Madibas, wie er verkürzt gerne genannt wird, in die Erwachsenenwelt in der Savanne draußen: mit dem Auftrag ein Mann zu werden. Was es heißt ein Mann zu sein, das schildert dieser Film von Justin Chadwick nach einem Drehbuch von William Nicholson eindrücklich anhand der Mandela-Figur, dargestellt von Idris Elba, das lebt er beispielhaft vor: ein gut aussehender Mann, bullig, mit großer physischer Präsenz, der Frauen nicht unbedingt widerstehen kann, was zu einem ernsten Zerwürfnis mit seiner ersten Ehefrau führt. Aber bald schon findet sich Winnie Madizikela an seiner Seite, die während seiner Gefangenschaft nicht weniger allein ist als er; die aber keine Solidarität in dem Sinne mit ihm pflegt, dass sie, wie er im Gefängnis auf Frauen verzichten musste, auf Männer verzichtet hätte; sie führt im Glanze ihres Heldengatten ihr eigenes Leben und nach seiner Freilassung wollte sie weiter der Gewalt das Wort reden; hier zeigt sich wieder eine ganz starke, männliche Tugend von Mandela: die Erkenntnis, dass Gewalt keinen Frieden bringt, Verzeihen zu können, was wiederum nicht nach aller ANC-Mitglieder Gusto gewesen ist. Diese unterschiedliche Haltung politischen Perspektiven gegenüber führte zur Trennung von Winnie.

Der Film ist auch ein Kurzabriss, die 152 Minuten vergehen wie im Fluge, der politischen Entwicklungen in Südafrika zwischen 1942 und 1994, der Weg von der Apartheid zur Demokratie, der Weg des ANC von der Gewaltfreiheit über die Anwendung von Gewalt bis zur erneuten Ablehnung der Gewalt.

Nach seinem kürzlichen Tod sicher eine ansprechende und sinnige Gedenkveranstaltung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert