Kill Your Darlings – Junge Wilde

Ein Film, der, obwohl er im Dichtermilieu der aufkommenden Beatgeneration 1943/44 in New York spielt, eher unter der Rubrik „Unfälle und Verbrechen“ zu subsumieren wäre.

John Krokidas, der mit Austin Bunn auch das Drehbuch geschrieben hat, konzentriert sich auf die Geschichte um die Ermordung von David Kammerer durch Lucien Carr, der sich von jenem gestalkt (wie man heute sagen würde) fühlte und auf Allen Ginsberg, der die Geschichte, im Sinne einer Verteidigungsschrift für Lucien aufgeschrieben hat. Und obwohl Dichterworte in den Film einfließen (über den Zirkel von Yates) ließe sich die Substanz des Filmes problemlos in einem Kurzfilm erzählen, denn Krokidas hat sich nicht für die komplexe Variante der Erforschung der Konfliktsituation einer Hauptfigur entschieden, deren Ausfaltung über eine Spielfilmlänge tragen würde; er hat den Stoff wie eine Sammlung und Illustration von Schlagzeilen zusammengetragen.

Von der Performance her lässt er die Schauspieler staatstheaterlich agieren und sprechen, großes Theater in Nahaufnahme, gedehnte Vokale lang tönende Konsonanten („this remains with us“, die Schulleitung zum Manuskript) verlängern so die Aufführungszeit.

Daniel Radcliffe ist als Allen Ginsberg die erste Figur, die wir kennen lernen. Er erfährt zuhause, Vater Dichter, Mutter psychisch gestört, dass er an der Columbia University aufgenommen ist. Dieses unbeschriebene Blatt von Student spielt er überzeugend. Aber dass er am Ende des Filmes die Wandlung zum Dichter durchgemacht haben soll, das nimmt man ihm leider dann nicht mehr ab – da wirkt er eher wie ein Rückfall in seiner Zauberlehrlingszeit.

An der Uni lernt er Lucien Carr, Jack Kerouac, William Burroughs kennen. Sie wollen mit einer neuen Vision eine neue Dichtung schaffen. Die Literatur revolutionieren, nicht mehr in festgeschriebener Metrik und in Reimen schreiben. Sie wollen leben, die Wiedergeburt nach Yeates erleben, das Gesetz brechen und die Welt in Feuer setzen, nächtens in das Heiligtum der Bibliothek einbrechen und erotische Literatur hervorkramen, sie wollen trinken und Drogen wie Pervitin konsumieren. Sie wollen mit den Mädels in der Bibliothek anbandeln. Sie stehen mit den Autoritäten der Uni auf Kriegsfuß und auch mit der Polizei (wenn man nächtens ein Boot klaut wie Allen, um mit den Freunden zu rudern). Sie verehren Henry Miller (so lernen wir Lucien kennen) und auch die homoerotischen und homosexuellen Geschichten nehmen Fahrt auf.

Nach einer halben Filmstunde gibt es den ersten innigen Kuss zwischen Lucien, der zwar gerade mit Jack zusammen ist und von David immer noch verfolgt wird, und Allen. Und wie Luc im Gefängnis ist, nimmt Allen zum ersten Mal einen unbekannten Typen, der allerdings eine gewisse Ähnlichkeit mit Luc hat, mit zu sich aufs Zimmer; da geht es dann nach einem filmisch merkwürdig aufgelösten Vorspiel auch kurz nackt zur Sache.

Der Film erinnert mich an Beipackzettel von Kindersüßigkeiten, die mit kleinen Geschichten bebildert sind. So eine Geschichte könnte das sein. Aber immerhin keine Kindergeschichte sondern etwas Info über den frühen Beginn der Beat-Generation noch zur Zeit des ausklingenden Zweiten Weltkrieges.

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