Street Dance Kids – Gemeinsam sind wir Stars

Tanzfilm britisch-pragmatisch eingesetzt für ein sorgfältig, vielleicht etwas zu schematisch gearbeitetes Votum für Teamwork und staatsbürgerliches Engagement.
Die skeptische Erwartungshaltung, ach schon wieder ein Kids-Tanzfilm, welche Sensationen und Superlative werden diesmal reingestopft, dadurch angenehm konterkariert. Es geht beim abschließenden Talentwettbewerb nicht um den Sieger, es geht nicht um den Einzelnen als Star.

Unsere Gruppe nennt sich „All Stars“, alle sind Stars, so wie der Titel des Filmes von Ben Gregor, zu dem Paul Gerstenberg das Buch geschrieben hat, auf Englisch auch heißt. Dem Film ist das Motto vorangestellt, wenn etwas schief läuft in der Stadt, dann müssen wir etwas verändern.

Hier läuft schief, dass das Jugendzentrum „die Garage“ abgerissen werden soll, um Parkplätzen zu weichen. Darüber ist die immer positiv gestimmte Leiterin Tina, Ashley Jensen, gar nicht erfreut. Die Kids wollen mit den Einnahmen eines Talentwettbewerbes das Geld zusammenbringen, um diesen Vorgang zu verhindern.

Jaden ist der einzig tänzerisch Begabte. Der Ehrgeiz seiner Eltern gilt der schulischen Ausbildung, sie wollen ihn an eine feine Privatschule schicken. Die Aufnahmeprüfung ergibt eine traumhafte Szene. Er sitzt vor dem Prüfungsblatt, wo er Fragen in vorgegebenen Quadraten ankreuzen soll. Der Blick auf eines dieser Quadrate lässt ihn versinken in ein Loch hinein, in eine Unterwelt in der ein einzigartig stilisierter Derwischtanz mit maskenhaften Rittern stattfindet. Elemente davon werden selbstverständlich später in die Show aufgenommen.

Alle anderen Kids sind tänzerisch unbegabt. Ethan, der bei seiner Mutter lebt, verkauft in der Schule Schokolade, die ihm sein Vater aus dem Zollamt beschafft, und wird deswegen vor den Schulleiter zitiert. Später wird er mit dem Vater einen kurzen Dialog über das Thema „einsamer Wolf“ führen und ihm zu verstehen geben, dass er ihm keine Lego-Klötze mehr schenken brauche – solche werden den Abspann grinsend überfluten.

Bei seiner Buddelkastenfreundin „Stöpsel“ will er nicht wahrnehmen, dass sie dabei ist, zu weiblicher Schönheit zu erblühen. Dann ist da noch der Junge, bei dem gerne Deo-Alarm ausbricht und der einen Rap nach „Fischers Fritz“ versucht – mit trockenster Allüre oder der Dicke, so einer gehört auch in so eine Gruppe. Was den Tanz betrifft, so heißt es bei diesen Kids nicht wie bei Achternbusch: Du hast keine Chance, also nutze sie; bei ihnen heißt es, nutzt die Talente, die ihr habt. Das ist etwas Kampfsport, der sich wunderbar in eine Tanzshow einbauen lässt.

Als weiteres Element kommt hinzu, dass die Kids immer wieder zu sehen sind, wie sie in einem Ballsaal Gesellschaftstanz praktizieren. Selbstverständlich fehlt auch die ältere Gruppe nicht, die Cybernetics, die die Jüngeren drangsalieren. Aber auch das mehr schematisch eingeführt, weil es zum Umfeld gehört.

Der Beschluss, dass die Garage bis zum 20. geräumt werden muss, setzt vielfältige Aktivitäten in Gang, abenteuerliche, politisch nicht ganz korrekte und selbstverständlich Auseinandersetzungen mit den Elternhäusern und auch in der Gruppe. Da es sich hier um einen eher didaktisch zubereiteten Film handelt, der aber von der Präsentation her die Freude am Spiel und am Unverbissenen den Vortritt lässt, ist auch die deutsche Routinesynchronisation passabel.

Ein cooles Understatement, was kommentarlos gebracht wird, wie die Kids zum ersten Mal große Schallplatten sehen, bis einer weiß, dass das Vinyl ist – wie Müll? Nein, eigener Stil. OLD GARAGE SHOW. Oder: 6 Menschen retten die Galaxie durch Tanzen. Wobei selbst Elemente des Mummenschanzes nicht fehlen.

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