Nicole Holofcener, die Autorin und Regisseurin dieser Komödie über Einzeleltern, die ihr Kind ins Studium verlieren und Kompensation suchen, hat Humor und ein Händchen sondergleichen für spielerisch-spielende Inszenierung, so dass die Geschichte so wirkt, als erzähle sie sprudelnd direkt aus dem Leben.
Das Leichte ist das Schwere und das beherrscht Nicole Holofcener. Ob man das Thema nun mag oder nicht. Jeder sieht sowieso immer nur seine Probleme. Die Schwangere sieht überall Schwangere. Hier sind es getrennt lebende Elternteile, deren Kinder gerade flügge geworden und dabei sind, sich in ferne Städte ins Studium zu verabschieden.
Die allein zurückgebliebenen Eltern können sich nun entweder auf Hobbies konzentrieren wie Stricken oder Weben (letzteres ätsch, war nur ein Witz von Albert, James Gandolfini, in einer anrührenden letzten Rolle, der übrigens von seiner Ex als Wabbel-Bauch bezeichnet wird und keine Kalorienbücher mag). Albert ändert sein Verhalten im Schlafzimmer kein bisschen, obwohl seine Ex die Nachttischchen mitgenommen hat: jetzt liegt einfach alles auf dem Boden. Und von Zahnbürsten, die seine Freunde sind, mag er sich sowieso nicht trennen.
Oder diese etwas einsameren, älteren Herrschaften, die garantiert kein Frischfleisch mehr sind, machen sich wieder auf Partnersuche. So jedenfalls hält es unsere umwerfend charmante Hauptdarstellerin Eva, Julia Louis-Dreyfus, die immer erst skeptisch nachdenkt, bevor sie redet, ganz im Gegenteil zu einer ihrer Kundinnen (sie ist Masseuse), die pausenlos quatscht; nach diesem Nachdenken trifft sie aber den Nagel auf den Kopf oder sagt dem Albert, den sie eben erst auf einer Party kennen gelernt hat, sie sehe seinen Penis.
Genau so direkt hat sie auf der Party gesprochen, dass hier überhaupt keine interessanten Männer seien. Einer davon war Albert. Auch eine Lyrikerin hat sie dort kennengelernt, die gerne ihre Karte nimmt und zu einer ihrer Kundinnen wird. Alle diese Leute, genau so wie ihre beste Freundin Sarah, haben flügge gewordene Kinder, die gerade dabei sind, das Elternhaus zu verlassen, auch Evas Tochter.
Im Zentrum steht nicht das hübsche Frischfleisch der Töchter, die ausfliegen, im Zentrum bleiben die zurückgebliebenen Mittelalter, die für „Shit“ wie Verliebtheit sich zu alt fühlen. Nur mag sich damit Nicole Holofcener nicht zufrieden geben. Denn der Liebesstachel juckt und löckt. Auch wenn Barthaare und Frauenhaare dazwischen kommen, wenn die physische Annäherung kompliziert geworden ist. Anstelle der Jugend hat das Alter den Humor gewonnen und kann so prekäre Situationen leicht entschärfen, zu denen es in so einem Drehbuch unweigerlich kommen muss.
Die Regiekunst von Nicole Holofcener dürfte die sein, die Menschen immer locker und leicht erscheinen zu lassen, glaubwürdig wie selten in einer Komödie. Sie spielen nicht diesen ätzend schweren Realismus, sie spielen einen spielerischen Realismus, gekonnte Natürlichkeit könnte man es nennen, so dass man dieser Komödie und diesen Komödianten, die den Komödianten so gar nicht raushängen lassen, einfach gerne zuschaut. Kino von ganz eigenem Charme, auch wenn der neue Geliebte Hände wie Paddel hat. Die Beschreibung macht nämlich den Gegenstand. Und macht ihn wirklich, aber auch erträglich. Alltagspoesie. Beim ersten Sonntagsbrunch hat der ungeschickte Albert für Eva nur Bagels aufgetischt, nicht wenige; ihre begeisterte Antwort darauf: ich liebe Brot. Das ist herzerfrischend. Charme der ersten Gespräche auf dem Rasen vor dem Haus: Eva fängt an Unkraut auszuzupfen; darauf fängt Albert auch an; aber er rupft das Rasengras aus. Und da es sich um einen Film aus der Sparte Familienfilm und zudem aus Amerika handelt, wird sich bei Thanksgiving, dem unerlässlichen Familienfest, bis auf die lebensentscheidenden Details ungefähr alles klären.