Dinosaurier 3D – Im Reich der Giganten

Jedes Fossil erzählt eine Geschichte. Was der Zahn eines Fossils uns alles erzählen kann, das beweisen uns anschaulich als eines Dinosaurierzahns Interpreten Barry Cook und Neil Nightingale nach einem Drehbuch von John Collee mit einem Zeithupfer 70 Millionen Jahre zurück ins Reich der Dinosaurier. Kino als ein spannender Ausflug in ein quicklebendiges, naturhistorisches Museum. Wobei 3D hier die Reise noch schöner macht.

Die Geschichte, die der Dinosaurierzahn aus der kleinen Rahmenhandlung im Heute erzählt, könnte eine fossile Geschichte sein, eine Geschichte von einer Gültigkeit über 70 Millionen Jahre, auch wenn die Dinosaurier längst ausgestorben sind: es ist die Geschichte vom kleinen Buben, vom kleinen Pachyrhinosaurus Patchi, der der benachteiligte, verletzliche Junge mit einem Loch im Ohr ist und unter einem Übervater Kolosso, dem Herdenführer, und einem sich durchsetzenden, älteren Bruder Bruto leidet und der auch mal gefragt wird, ob er eigentlich ein Mädchen sein, der aber pfiffig ist, sich zu helfen weiß und schließlich zum Helden und dann sogar zum Herdenführer wird und nebenbei mit seiner Angebeteten Juniper den Familienzyklus mit einem Nest voller Eier beenden darf. Diese Geschichte ist, das beweisen uns diese Dinosaurier, ewig und zeitlos und immer wieder schön, besonders wenn die Filmemacher mehr Interesse an der historischen Rekonstruktion zeigen, wie bunt und vielfältig die Dinosaurierwelt doch gewesen sein muss.

Das Vergnügen, was sich uns durch die 3D-Brille darbietet, ist ein Blick in eine längst vergangene Zeit, in Landschaften, wie die Filmemacher sie in der Wildnis Alaskas original gefilmt und dann mit den äußerst sorgfältig, liebevoll und möglichst von fossilen Funden hochrechnend mit dem Computer animierten Dinosaurier bevölkert haben, sie in ihren jahreszeitlichen Wanderungen verfolgend („Im Sommer nach Norden, im Winter nach Süden, jedes Jahr die gleiche Nummer; das kommt daher, wenn man ein Gehirn von der Größe einer Walnuss hat“).

Unsere Hauptherde sind die Pachyrhinosaurier. Sie sind Vegetarier, Babynahrung: Spinatmüsli; Delikatesse für Erwachsene: Carpaccio aus Salbeirauch und geriebenem Moos oder deftig: zwei große Beerensträucher. Ihre schlimmsten Gegner sind die fleischfressenden Gorgosaurier; die sehen aus wie gerupfte Emus, jedoch größer und massiver und statt mit Flügeln mit Rumpfstücken von zweifingrigen Händen versehen.

Unser unterhaltsamer Reiseführer durch dieses lebendige Naturmuseum ist der Alexomis-Vogel Alex, schwarz mit einigen roten Federn und auf Deutsch gesprochen von Otto Walkes mit einer unverschämt jugendlich-frischen und pfiffig zu nennenden Stimme, in der der Otto-Schalk durchblitzt, aber auch die Kommentare, die zwischenzeitlich wieder klar machen, dass es sich lediglich um eine Geschichte handelt, sind köstlich und wirken spontan.

Weitere Figuren, mal bunter, mal weniger, mal größer, mal kleiner: Troodon, der Wunden reißende Zahn, Ankylosaurus, Pflanzenfresser, Itsperonikus, westliche Klaue, Fleischfresser, Alptrodon, Erster Zeh, (Zahn?) Allesfresser, Pterosaurier, die geflügelte Echse, der Gorgosaurus mit 60 Zähnen und sehr gefräßig, der Edmontosaurier aus Edmont, riesig, aber mit einem Gehirn so klein wie eine Erbse. Diese und weitere Saurier werden mitten im Film kurz vorgestellt wie in einem Lehrbuch.

Kleine oder größere, schöne Effekte: das Nordlicht in der Polarnacht (größer), oder das Pfeifen im Ohrloch von Patchi (kleiner, aber oho!).
Die Herde muss bei ihrer Wanderung über den Witwenmacherpass ziehen.
Die Erzählung ist Erzählung. Die kann es mit sich bringen, dass der ältere Bruder den Hechtsprung von Patchi ins Wasser nochmal sehen will. So wird der Film kurz zurückgedreht und die Szene kommt nochmal. Und es war tatsächlich ein Hechtsprung. Oder sollten wir nochmal zurückdrehen?

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