Houston

Bei diesem Film muss ich rätseln, denn die Methode des Filmemachers Bastian Günther scheint mir das Vergeheimnissen zu sein. Auch kameratechnisch wird diese Vermutung erhärtet durch andauernd halbverborgene Kamerapositionen.

Ein Puzzlefilm, ein Rhebus-Film. Lieber zeigt Günther im Bildausschnitt zu wenig als zu viel, minimiert die Dialoge auf die kürzestmögliche Variante „Gehören Sie zur Konferenz?“ – „Ich bin Gast hier“.

Es fängt mit einer Autofahrt auf einer Teststrecke an. Zu sehen ist die Hauptfigur dieses Filmes, dieses bildästhetisch ausgeklügelt zusammengesetzten, geschmäcklerischen Portraits eines Mannes in mittleren Jahren und in gehobener Karriereposition als Headhunter, der aber nicht richtig glücklich und sowieso für diesen Posten keine ideale, viel zu kleinkrämerisch wirkende Besetzung ist. Ulrich Tukur spielt diesen Clemens Trunschka, ein Name, der schon jede Idee von Eleganz und Weltläufigkeit erschüttert. Er dreht mit einem Testfahrer auf einer Autoteststrecke seine Runden. Den Fahrer, der einen Off-Kommentar abgibt, sieht man nicht. Die Frage stellte sich, ist das nun Methode oder war das aus Gründen der Praktikabilität der Aufnahme?

Da sich solche bilderzählerischen Defekte ständig wiederholen, muss von Methode ausgegangen werden. Zu welchem Behufe aber? Was will der Filmemacher mit dieser skizzenhaften Erzählmethode erreichen, denn es scheint durchaus einen narrativen Faden zu geben?

Der Geschichtsfaden beginnt mit einem Auftrag für ihn als Headhunter. Er soll von einer großen Mineralölfirma in Houston, die auch Houston heißt wie der Filmtitel, der mir im Nachhinein doch recht großprecherisch vorkommt, in Relation zu dem was der Film erzählt, den CEO Steve Ringer für seinen deutschen Auftraggeber gewinnen.

Es folgt eine Phase des Filmes, in der Trunschka mit den Methoden eines Kleindetektivs versucht, sich diesem CEO zu näheren, um ganz diskret zu erkunden, ob er überhaupt für einen Postenwechsel zu haben sei, denn er ist Chef eines Unternehmens, das Milliardenumsätze tätigt. In dieser Phase der Annäherung scheint der Filmemacher uns darlegen zu wollen, wie sehr sich so ein CEO abschottet. Er liefert verschiedene Beispiele dafür.

Die andere Frage, die sich stellt, ob die Figuren aus diesen Kreisen realistisch dargestellt sind im Film. Was aber für jemanden, der darin nicht verkehrt, schwer zu beurteilen ist. Jedenfalls schafft Trunschka es nicht, an den CEO heranzukommen, der gerade in Deutschland weilt. So verlangen seine Auftraggeber von ihm, dass er nach Houston fliegt.

Inzwischen hat uns der Filmemacher mit einigen, wenigen, (oder einigen wenig) signifikanten Szenen auch über das Privatleben von Trunschka aufgeklärt, dass kaum Gefühl zwischen ihm und seiner Frau herrscht (Beispiel: er schläft auf dem Beifahrersitz im Auto; seine Frau kommt und schlägt ihn auf die Wangen, sie behandelt ihn wie einen Gegenstand, vollkommen unrealistisch und wie sie ihn nicht wecken kann, deckt sie ihn mit einem Mantel zu, gefühl- und lieblos) und dass es mit dem Sohn ein Problem gebe, dass er noch einen Wisch unterschreiben müsse.

In Texas verlagert sich die Geschichte allmählich vom CEO-Ziel auf eine merkwürdige Beziehung mit einem geschiedenen, schwatzhaften Hoteltester.

Auffällig an dieser Nicht-Geschichte, die mir wie ein Portrait-Versuch erscheint, ist die Bildgestaltung, die andauernd mit Spiegelungen, Verdoppelungen, Verschlierungen arbeitet und über die gelegentlich eine meditative Zitharmusik gelegt wird. Manchmal sieht Trunschka in seinem Hotel einen Wolfshund, den er auch streichelt. Reine Einbildung. Der Bildversuch scheint auf Kafka-Welten zu zielen. Ein Mann, der sich in der Welt verirrt. Der sich verläuft in seiner Karriere, die nicht maßgeschneidert ist für ihn. Momentweise kommt mir die Idee, es handle sich hierbei um eine Kameraübung, eine Kameraspielerei. Als Objekt haben sie einen hervorragenden Schauspieler gewinnen können, dem man immer gerne zuschaut, auch wenn der Ausbruch, den er an einer Stelle spielt, den Zusammenbruch, nicht die geringste Plausibilität erhält vor dem Hintergrund der Nicht-Geschichte.

Einen Hinweis, was es mit Trunschka auf sich haben könnte, baut der Filmemacher mehrfach ein: im Auto hört Trunschka eine DVD, auf der Ratschläge für wirtschaftlichen Erfolg, halb sektiererisch, halb religiös, oder gar Scientology zu hören sind.

Die Vergeheimnisserei möchte den Zuschauer zum Kumpel machen, ihn in das Geheimnis einweihen, was uns der Filmemacher letztlich vorenthält.
Vielleicht verhält es sich mit diesem Film wie mit dem Hemd, das einmal aus einem hohen Stockwerk des Hotels flattert, und Trunschka schaut ihm wie in Realtime zu. War einfach schön. Muss ja nicht alles Sinn machen. Es könnte auch der Jetlag gewesen sein.

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