Die Eiskönigin – völlig unverfroren

Zauberhaft sind die Eisgebilde, die Königin Elsa mit einer kleinen Geste ihrer Hand hervorrufen kann, wundervolle Kristallgebilde, ganze Eisbrücken und ein Eispalast wachsen vor ihr empor, wie sie auf der Flucht vor den Menschen ist, denen sie mit ihren magischen Fähigkeiten nur Unglück und ewigen Winter bringt, bereits gebracht hat, denn dass ihre Schwester, Prinzessin Anna, am Krönungstag bekannt gegeben hat, dass sie sich spontan mit Hans verloben möchte, das ließ die böse Kraft in Elisa unkontrolliert ausbrechen, ihr ganzes Königreich Arendelle in harten Winter tauchen.

Anna glaubt, sie könne den Zauber von Schwester Elsa bezwingen. Sie macht sich auf den Weg, bald begleitet von einem blonden Naturburschen von Norweger, Kristoff und seinem Rentier Sven; dazu kommt noch der von Elsa gebastelte Schneemann, dem man auch mal den Kopf abhauen kann und auf dessen Rübe = Nase der Elch scharf ist. Olaf heißt dieser drollige Schneemann und erfüllt die Funktion des Hofnarren, des Lustigen, des Clowns, des kleinen Kecken, der den Humor nie verliert. Ein Pendant zu dieser Figur sind die Trolle, die grauen Steinmännchen, die sich einrollen können und sich kugeln und dann aussehen wie moosbewachsene Steine, sie stellen aber einen bedrohlich oder schützend eingreifen könnenden Chor dar. Die Komik der Hofschranzen wird gebündelt in der Figur, die schon reine Karikatur ist, des Duke of Weselton mit seiner Klapphalbglatze. Und zwischendrin in aller Flucht entsteht ein Schneemonster wie King Kong und es wird eine nette King-Kong-Reminiszenz an schneebedecktem Felsabhang mit Monster und Anna und Kristoff eingebaut. Oder um der Ödnis eines Winterfilmes etwas entgegenzusetzen, wird Schneemanns Sommertraum dazwischen geschnitten, zauberhaft strahlende Bilder von Blumenwiesen und Sonne; doch der Schneemann ist sich der Gefahr, dass er schmelzen könnte, gar nicht bewusst.

Der Film fängt an mit einer Referenz auf die Arbeiterkunst: Arbeiter, die aus einem Eissee zu entsprechenden Gesängen und in entsprechendem Rhythmus Eisblöcke sägen und wegtransportieren. Arbeiterkontrast zum Fantasiefilm.

Die Märchenmaschine Hollywood ist am Werk: oben kommt eine Prise Christian Andersen (die Schneekönigin) rein, dann wird das mit vielen Zutaten durch den Disney-Animations-Automaten („völlig unverfroren“ Drehbuch: Jennifer Lee, Chris Buck, Shane Morris nach Hans-Christian Andersen in der Regie von Chris Buck und Jennifer Lee) gepresst und unten kommt eine zeitlose Geschichte in zeitlosem Disney-Zuckerguss konfliktentschärft erzählt und entsprechend musikalisch untermalt heraus.

Die Prinzessinnen sind reinste Püppchen. Als Folklorezutat gibt es skandinavische Inspirationen, einen kleinen Laden mit Sauna im nördlichen Schneewald (Oakens Trading & Sauna), in den Anna, vollkommen durchnässt (die einzige Stelle, wo menschliche Empathie aufkommt) und frierend eintritt und wo sie Kristoff für ihren Snowtrip zum Eisschloss kennenlernt, wobei sie zu dem Zeitpunkt noch glaubt, Hans sei ihre große Liebe. So was kann innert einer Spielfilmlänge sich auch mal ändern. Jedenfalls muss ein „Act“ aus reiner Liebe passieren, ein Kuss zwischen zwei sich wirklich Liebenden, um die außer Kontrolle geratene Magie von Königin Elsa wieder zu bändigen und dem Land Arendelle sein gefrorenes Leben zurückzugeben.

Um diese Geschichte, wie Böses in der Welt erst bewusst wird (schon beim Spielen der Königskinder) und wie bei den Heranwachsenden versucht wird, es ruhig zu stellen, es von der Welt fern zu halten, wie es bei der Krönung von Elsa zum Tragen kommt (dummerweise verlangt der Zeremonienmeister, dass sie die Insignien der Macht mit bloßen Händen halte, was sofort die Umwandlung in Eis bewirkt und die Katastrophe auslöst) und wie dann die Dramatik darauf hin arbeitet, die Unglückseigenschaft wieder zu neutralisieren oder sie gar im Sinne der Lust der Menschen (Eislauf auf künstlicher Eisbahn) nutzbar zu machen, um diese Geschichte zu erzählen ist nun 3D grad gar nicht nötig, resp. ändert daran nicht das geringste, auch nicht, dass es sich hier teilweise um ein Musical handelt, denn es gibt viele Songs und die sind zumindest in der amerikanischen Originalfassung ganz gut anzuhören. Wenn schon 3D, dann hätte bei den wundervollen Eisgebilden noch mehr Zauber drin liegen müssen.

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