Ein gefällig gemachtes, leicht zu konsumierendes Erinnerungsalbum an die Reise des ältesten Jazzorchesters der Welt, Durchschnittsalter 76, welches seit über 30 Jahren jeden Abend im Peace Hotel in Shanghai zum Tanz aufspielt, zum North Sea Jazz Festival Rotterdam.

Dieser süffige Bilderbogen von Uli Gaulke ist arrangiert um die immer wieder durchscheinende Story, dass nämlich das Orchester eine Einladung zum Jazzfestival in Holland bekommen hat und sich darauf innert eines Monats vorbereiten muss und wie sie hinfahren und dort Standing Ovations erleben – und Schweiß während des Auftrittes, obwohl sie doch abgehärtete Profis sind, wie ein Kollege, der nicht mitgefahren ist, in einem halben Lachanfall feststellt. All dies ist eingebettet in zahlreiche Impressionen aus Shanghai, den Hochhäusern, den Straßen, den Verkehrsmitteln und vielen Aufnahmen vom Üben, immer in Anzug und Krawatte, kurzen Interviews, kurzen nachgestellten Szenen oder einzelne Musiker mit ihren Instrumenten auf ein Hausdach gestellt und spielend. Postkartenfotogen.

In den Interview- oder Gesprächsfetzen wird etwas von der Geschichte der Einzelnen und auch ihrer privaten Situation skizziert. Vor allem die Zeit der Kulturrevolution 1953 bis 1976 (dunkle Erinnerungen; die haben viel durchgemacht; inzwischen haben sich die Lebensbedingungen gebessert), in der klassische Musik und Jazz absolut verboten waren; wie sie heimlich übten, der Saxophonist mit einem Lappen zum Dämpfen der Lautstärke oder wie sie sich Kassetten besorgten und diese kopierten. Und wie sich eines Tages 1976 plötzlich die Straßen leerten, weil Beethoven am Radio kam; das muss eine ungeheure Sensation gewesen sein.

Die alten Herren unterhalten sich auch über Frauen, wie die in Holland sich in Schaufenstern anböten und wie das mit dem Baden sei. Ihre Devise für das Konzert ist, nicht zu viel üben und Perfektion ist sowieso nichts für den Jazz. Ein bisschen versucht auch der Filmemacher diese Stimmung in seinen Film zu übernehmen.

Es wird viel gelacht und gescherzt zwischen den alten Herren; erst recht wie sie eine junge Sängerin suchen. Die Musik, die sie machen, ihre Ballroom-Musik, die sie selbst als „eine alte Schallplatte“ bezeichnen, kann nach ihrem Eigenverständnis nicht im Vergleich mit anderem Jazz gesehen werden, sondern vor allem vor dem Hintergrund ihrer Geschichte. Dass sie, die Chinesen nämlich, im Gegensatz zu den „Langnasen“, wie sie die Westler nennen, nicht diese Tradition haben und dass sie sich mühsam daran gewöhnen mussten und immer wieder hineinhören in diese Musik; dass sie vor dem Hintergrund der traditionellen chinesischen Musik aufgewachsen seien.

Ein Film sicher geeignet für den Seniorenclub. Fit durch Jazz im Alter. Wobei der lange Flug bei einem Teilnehmer ein geschwollenes Bein und einen kurzen Krankenhausaufenthalt zur Folge hat, Befürchtung einer Thrombose und Infusionen.

Völkerverständigung auf Ansichtskartenidyllenniveau (in Holland fehlen die Windmühlen nicht) mit einer ansprechenden, kleinen Geschichte. Der große Autobahnkreisel in Shanghai war kürzlich schon in einem deutschen Film zu sehen, Hannes Stöhr hat ihn in „Global Player – Wo wir sind isch vorn“ allerdings mit Suspense wahrgenommen.

Neugierige Fragen eines alten Herren: „Wie verdienen die Holländer ihr Geld?“, „Sind die eventuell noch schlauer als die Chinesen, die holländischen Langnasen?“

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