Die geschmeidige Regie von Eran Riklis und die unaufdringlich wache Kamera von Dan Laustsen tauchen die stark symbolistische Geschichte von Nader Rizq gefühlvoll in ein mildes, nahöstliches Licht.

Die Geschichte spielt 1982 zur Zeit des Libanonkriegs. Sie fängt mit einem Bild des zerstörten Beirut an, taucht schnell ein in die hektische Aktivität in einem palästinensischen Flüchtlingslager und dessen Umgebung. Kids, die Kaugummi für eine Lira zu verkaufen suchen, Kids, die unter Lebensgefahr aus dem Lager ausbrechen, Kids, die paramilitärische Schulungen machen müssen.

Einer dieser Kids, die das alles machen, ist Fahed, ein bildhübscher Junge, ein Besetzungsglücksfall für das Fach Buben an der Schwelle zur Pubertät, wo sie alles, was Männer sind schon stark ahnen; deutlichster Ausdruck dafür, wenn er sich später im Film eine Sonnenbrille aufsetzt, da gibt er schon ganz ein Männerbild ab. Aber er ist es noch nicht. Er ist noch ein jugendlicher Träumer.

Fahed will den kleinen Olivenbaum, den sein Vater gepflanzt und gehegt hatte, zurück in das palästinensische Dorf seiner Herkunft bringen, das jetzt auf israelischem Boden liegt. Er hat noch einen Schlüssel für die Haustür. Ein Ding der Unmöglichkeit. Das wäre es für einen erwachsenen Mann. Aber der Ephebe denkt nicht rational. Er hat schon viel kapiert von dieser Welt, er kann mit zerstampften Kräutern eine Schusswunde schmerzlindernd und heilend behandeln. Er weiß in welcher Richtung sein Dorf liegt, obwohl er es nur aus Erzählungen kennt.

Der Abschuss eine israelischen Piloten wird ihm den Weg nach Israel ebnen. Es ist ganz seine Initiative. Er weiß, wo der Pilot gefangen gehalten wird. Er befreit ihn und macht sich mit ihm auf eine Odyssee, die ihre schönsten Moment abseits des Politischen und mehr im Romantisch-Symbolischen hat, in einem längst stillgelegten Vergnügungspark, in dem es wundersamerweise noch Strom gibt, wo man Autoscooter fahren kann, wo man sich in Zerrspiegeln beobachten kann und wo auch ein Schießtand noch funktionsfähig ist. Das wäre die Chance, die beiden ungleichen Roadpartner sich näher bringen zu lassen, Erzfeinde zu Freunden werden zu lassen.

Die Symbolik, der erwachsene Israeli, der ist gar nicht aggressiv und auch nicht antiislamisch; bei den Palästinensern aber liegt die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft bei der Jugend, die mit einem kleinen Olivenbaum zu ihren Wurzeln zurückkehren will. Damit kommen wir zu dem, was den Film, vom Gesichtspunkt der Spannung her, trotz aller wunderbarer Stimmung und allem Gefühl und den Bildern, schwierig machen dürfte. Es ist das Buch von Nader Rizq, der vielleicht zu absichtsvoll die Hinweise, was welche Bedeutung habe, zurecht gebogen hat; es muss alles rein, was den Konflikt so scheußlich macht. Das Minenfeld. Der elektrisch geladene Stacheldrahtzaun. Der Autoreifen, den die Kids über eine Kreuzung rollen lassen, um zu testen, ob Heckenschützen auf der Lauer liegen.

Die ganze Nahostproblematik muss reingepackt werden. Wie es Freund Achmed von Fahed doch erwischt. Wie Fahed und der Israeli erst mit einer Taxe Richtung Grenze fahren wollen. Wie der Taxifahrer seinen Preis in die Tausenden von Dollars treibt. Wie der israelische Pilot sich verkleiden muss. Wie die Taxe an einer Tankstelle getarnt wird. Wie die beiden Insassen zu Fuß einen Kontrollpunkt umgehen. Wie sie am Wasser mit Taschenlampen gesucht werden und einer der Verfolger, es ist nachts, nachdem der Schäferhund angeschlagen hat, ins Wasser schießt. Wie auch der Junge selbstverständlich mit der Pistole hantiert. Das wird ein Almanach der Dinge, die im Nahen Osten selbstverständlich sind, die bei uns alle unvorstellbar wären.

Der Untertext der Geschichte scheint mir eher der hilflose Ausruf, wie verheerend die Dinge in Nahost sind, und dass doch alles Menschen seien. Das dramaturgische Problem, hinsichtlich Spielspannung scheint mir noch verschärft zu werden durch die Besetzung des Antagonisten, mindestens anfänglich Antagonisten, dann Ko-Protagonisten Yoni mit Stephen Dorff, der ein How-to-do-Schauspieler zu sein scheint, und nicht einer, der sich aufweichen lässt, der auf Situationen eingehen kann; ein Solospieler, so dass sich, was vom Drehbuch her schon schwierig ist, da primär symbolistisch intendiert, kaum eine über die Leinwand hinaus überzeugende persönliche Beziehung zwischen den beiden Darstellern entwickeln kann, schon gar nicht eine Veränderung des einen oder anderen. Jeder verfolgt seine Ziele und am Schluss lässt sich Yoni noch auf eine Extratour in das Dorf mit Fahed ein. Mehr Pflichtübung denn Kür als krönender Abschluss, dass sich in ihm was getan habe. Er wirkt oft wenig sympathisch. Ja, Pflichtübung. Aber das wird durch die zeitweilige wunderschöne, filmisch road-moviehafte Kriegs-, Ruinen- Wüsten- Nahostromantik deutlich abgemildert. Die Story allerdings erhält durch diese Dominanz des Symbolischen wieder und wieder Plausiblitätsprobleme.

Symbolik: Wenn Fahed in Israel israelischen Kids beim Fußballtraining durch einen Zaun zuschaut. Wink mit dem Zaun.
Objektgeschmeidige Kamera.
Und auch der Falkland-Krieg und ein Anschlag Abu Nidals auf eine Botschaft in London müssen per News in den Film eingeschleust werden.
Faheds Hund heißt Churchill.

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