Escape Plan

Als souveräner Actionregisseur händelt Mikael Hafström die Verfilmung des Drehbuches von Miles Chapman und Jason Keller und bietet den beiden unterm Altern leidenden Actionsstars Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger einen hübschen Sandkasten um alte Spiele und Situationen in einer neuartigen Story zu erinnern, wobei letztlich, auch wenn das nur peripher vorkommt, es doch nur um den Erhalt der Familie geht. So gehört es sich auch. Nichts Ungehöriges passiert sonst, außer, was sich für Action gebührt, außer dass es die Bösen gibt, die vor nichts zurückschrecken und die Guten, die am Ende siegen werden.

Stallone ist hier Ray Breslin und der aktive Part einer Firma, die sich auf Ausbruchstests für Knasts spezialisiert hat. Ray lässt sich einsperren und überwindet als unüberwindlich geltende Sicherheitssysteme; die Gefängnisbetreiber werden so auf Lücken im System aufmerksam gemacht. Das wird an einem einführenden Beispiel gezeigt, wie Ray eine von seinen Mitarbeitern von außen gestiftete Aufregung zum Ausbruch nutzt, realistisch oder nicht ist ja wohl nicht die Frage.

In dieser ersten Phase des Filmes bleibt, da sie erklärend ist, genügend Zeit zu fragen, wieso soll ich mich jetzt für diesen Ray interessieren und diesen Film schauen und was haben die Gesichtschirurgen an Finessen am Gesicht von Sylvester Stallone verändert, so dass es irgendwie maskenhaft jugendlich rüberkommt. Später können wir diese Überlegungen auch bei Arnold Schwarzenegger anstellen, bis dann die Phase der heißen Action im vollkommen illegalen (Hinweis auf die illegal Renditions der Amerikaner) hermetisch wie Alcazar gegen die Außenwelt abgesicherten Knast beginnt, der sich auch außerhalb jeglichen Rechtssystems befindet.

So viel kann verraten werden: Ray ist in eine Falle gelockt worden und Emil Rottmeyer, so heißt die Filmrolle von Schwarzenegger, ist involviert. Schwarzenegger wirkt in dieser Rolle viel effeminierter, darf auch einmal einen weinerlichen Ausbruch auf Deutsch spielen inklusive Vater-Unser und auch sonst hängt er die väterlich-mütterlich-sentimentale Seite raus wie nie. Um so erheiternder wirkt, wenn er in der entscheidenden Phase mit ungeheueren Grimassen, so viel wie halt noch geht, den Rumballerer gibt. Seine Beweglichkeit ist durch den biologischen Alterungsprozess deutlich mehr beeinträchtigt als die von Stallone, aber Mikael Hafström und sein Kameramann lösen das geschickt auf, Peinlichkeiten eliminierend.
Das Thema darf hier sicher angesprochen werden, sind doch Action-Rollen etwas für Leute, die voll im Saft stehen, Leute in den jüngeren Jahren. Wobei die Rolle von Stallone eine merkwürdige Mischung aus Rambo und raffiniertem Systemdenker ist, der Schwachstellen kombinieren kann. Der Hinweis auf die illegal Renditions und auf Geheimknasts bleibt aber vor lauter Lust an der Action politisch zahnlos.

Einen ebenbürtigen Teil an der visuellen Action hat die Musik, die fast andauernd mindestens vom bevorstehenden Weltuntergang kündet, ein Konzert für sich.

Fette Zigaretten-Marken-Werbung in den Eingangssequenzen – unangenehm.

Es gibt auch Frauen in diesem Film. Über sie gibt es nicht viel zu sagen, sie könnten alle aus einem Werbeprospekt eines Gesichtschirurgen entstammen – und sollen so gewisse nicht-individuelle Instinkte des angepeilten, überwiegend männlichen Publikums ansprechen.

Aus welchen Gründen sollte man diesen Film schauen? Es gibt keine triftige Gründe, die dafür sprechen. Aus welchen Gründen sollte man diesen Film meiden? Es gibt auch keine zwingenden Gründe, von einem Besuch abzuraten; wer den Film anschaut, kann etwas zu Verbesserung der Altersversorgung von Stallone und Schwarzenegger beitragen.

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