Der blaue Tiger

Eine umwelt- und naturfreundliche tschechische Kinderträumerei, teilanimiert, denn die kleine Johanna, die man getrost die Hauptfigur des Filmes nennen darf, sieht auf dem Rücken ihrer Lehrerin sich bewegende Tattoos, auf dem Hut, an der Wand der aufgelassen Schwimmhalle, ihre Phantasie ist so heiß und beschützend, schon richtig mütterlich, dass sie es schafft, ein geplantes, großkotziges Bauvorhaben, das ihre kleine, geschützte Welt eines vernachlässigten botanischen Gartens mit der Erfindung eines blauen Tigers vor dem zerstörerischen, stadtplanerischen Zugriff des ewig smilenden, blitzblank weißgekleideten Bürgermeisters zu retten, ja ihn noch anderer Untaten zu überführen.

Diese Geschichte wird von Petr Oukropec und Bohdan Slàma nach einem Drehbuch von Tereza Horváthová und Petr Oukropec in lebensfreundlichem Lichte erzählt, in bewusst altmodisch gehaltenen Settings mit Autos, die bei uns schon Oldtimer wären und einem Verkehrspolizisten, der stark an denjenigen von Helge Schneiders neuem Film „00 Schneider im Wendekreis der Eidechse“ erinnert. Mehr Gemeinsamkeit ist nicht.

Auf der Seite von Johanna steht ihre Mutter, die gerne Backpfeife raucht und der tüftlerische Gärtner Blume, dessen Reich dieser kleine botanische Garten ist und Kinderparadies dazu; sein Sohn Matthias ein Wundergeschöpf von Filmknaben mit wuscheligem Lockenkopf. Allerdings ist die Lehrerin gegen Flausen und einige siebenmal kluge Mitschüler und Mitschülerinnen sind für Spinnereien nicht zu haben; der Vater der einen Mitschülerin ist die ausführende Hand des Bürgermeisters, der wird später Jagd auf den blauen Tiger machen und als allererstes den Stofftiger seiner Tochter anschießen.

Vom Moment der Vision vom blauen Tiger an herrscht Alarmstimmung in der Stadt. Die Planer fürchten um ihre toll-modernen Pläne; und plötzlich verschwinden immer mehr Hunde. Das wird dem blauen Tiger zugeschrieben. Die Geschichte wird wie verwunschen erzählt, man steht wie vor einem Dschungel und muss sie selber darin sehen.

Dann fängt sie an zu gedeihen wie eines Tages das Treibhaus im Botanischen Garten zum Entzücken von Blume und dem Professor, was es da alles an seltenen Pflanzen gibt. Der böse Tiger an der ganzen Sache, der wirklich einiges von dieser erträumten Wunderwelt zerstört, das ist hier mal wieder die deutsche Synchronisation.

Der Film ist ein schönes Symbol für die Macht nicht nur der Fantasie des Menschen, sondern auch der zerstörerischen Kraft von Realpolitik, aber auch der Macht der Natur, die sich mehr zu wehren weiß, als der realpolitische Mensch sich einzugestehen bereit ist. Der Urwald braucht 800 Jahre um sich zu regenerieren, das lernen wir allerdings in einem anderen Film, in „Das Geheimnis der Bäume“.

Eine ewig alte Parabel, erfrischend neu aufgelegt.

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