Keine Spannung eingebaut. Kann die sich der Zuschauer per App irgendwo runterladen? Humor nirgends zu erkennen. Aber: dass der Darsteller jede Szene besonders gut spielen wollte. Eine Drecksau, ein Arschloch, ein Ekel, einen Dreckskerl darzustellen, das ist das Spielziel, das sich hier dem Schauspieler James McAvoy in der Rolle des Zivilbullen Bruce Robertson stellt, der hofft, im Laufe des Filmes zum Inspektor befördert zu werden.

Eine schwierige Aufgabe für einen Schauspieler oder undankbar insofern, als zumindest die Regie von Jon S. Baird, der nach einem Roman von Irvine Welsh das Drehbuch geschrieben hat, der Typ nichts Sympathisches zu bieten hat, keinen Angelpunkt für Empathie. Es gibt vielleicht eine Erklärung für seinen kaputten Charakter, für sein konsequent widerwärtiges Benehmen: er hat einen Bandwurm und deswegen ist er, zumindest in seiner Imagination, bei einem filmreifen Doktor in Behandlung. Auch diese Bilder werden knallig, comic- oder graffitihaft auf die Leinwand gepfeffert. Keine Chance für Differenzierung.

Das sind auf wenige Eigenschaften krud reduzierte Charaktere: der Kollege, dem Schwulität nachgesagt wird, der Spießer mit den dicken Brillengläsern und der krassen Frau, der Kollege, der Koks schnieft, der unglückliche Kollege, dessen Frau Bruce bumst. Bruce kann nur fies sein. Er kann nur intrigieren, denunzieren, Leute zu miesen Taten veranlassen, sie bloss stellen; ein widerwärtiger Charakter, an dem kein gutes Haar zu finden ist.

In hohem Tempo und nur knapp ausgemalt fügt Baird filmisch eine Untat an die andere. Das wird eine Elendslitanei. Der Schauspieler kann keine Sympathie gewinnen. Das dürfte das größte Problem dieses Filmes sein und das dürfte James McAvoy spüren; denn irgendwie glaubt man seiner Figur nie ganz; irgendwie scheint er auf wackligem Rollenbegründungsterrain zu agieren, scheint immer auch die Message mitliefern zu wollen, aber ich, der Darsteller McAvoy, ich bin ein guter Mensch und nicht so wie dieser Bird.

Denn von Buch und Handlung her ist er nicht mal ein negativer Held. 90 Minuten Ekel auf der Leinwand. Nicht ganz klar, was der Filmemacher damit bezweckt. Schottischer Ekel noch dazu. Dabei wirkt er in seiner Darstellung immer auch kalt-technisch beherrscht, eben mit Untertext: ich spiele das ja nur. Vielleicht ist es das, was macht, dass man so nicht andocken kann an ihn, seine Untaten nicht nachvollziehen kann; er scheint abhängig von Medikamenten, Carbonate; er muss immer wieder einen Nasenspray benutzen. Das alles noch expressiv ausgestellt. Das macht das Groteske an dieser Darstellung, dass der Schauspieler sozusagen in jeder Szene versucht, dieses Ekel mit darstellerischen Bestnoten zu präsentieren. Das macht die Sache so leer. Wie stelle ich einen Menschen dar, der gar nichts Positives hat. Will ich im Kino so einen Menschen, der einem in der freien Natur kaum je begegnet, sehen?

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