Slow Food Story

Stefano Sardo, der Autor und Regisseur dieser anregenden Dokumentation, bietet in kurzweiligen 75 Minuten einen Abriss der Entstehung des Netzwerkes „Slow Food“ von den kleinsten Anfängen im Städtchen Bra im Piemont in Norditalien bis zum weltweiten Netzwerk mit Footage aus einem breitem Spektrum von Quellen und mit Carlin, Carlo Petrini, dem führenden und treibenden Kopf als Leitfigur.

Das Material hat Sardo aus mannigfaltigen Quellen, von Zeitungen, Fotos, News, TV, privaten Super8-Filmen, Videos, neu angefertigte Interviews und eigens für den Film hergestellte, ganz einfache, lustige Animationen.

Carlin, wie er liebevoll genannt wird, ist keine leicht zu fassende Person, man kann sozusagen nur indirekt über ihn berichten, seine Auftritte, seine Reden, seine Energie, seine Ruhelosigkeit, seinen Humor. Ohne seinen kleinwüchsigen Freund Azio Citi, den er von Jugend auf kennt und die, wie die Italiener es gerne tun, oft zum „scherzare“ aufgelegt sind und auch Streiche erfinden, wäre die Bewegung wohl so nicht gelaufen, vor allem: so ganz unverbissen. Carlin ist ständig voller Ideen und muss sie gleich umsetzen. Nie etabliert er sich in einer. Das fing ganz klein an in den 70ern im Rahmen der Jugendbewegungen und des linkspolitischen Engagements der wachen italienischen Jugend.

Sardo fängt den Film mit einem Auftritt vor Publikum an, wo Carlin ständig über die Unterhose von Armani spricht, was die doch koste, und was er dafür an feiner Nahrung zu sich nehmen könne.

Inzwischen ist Carlin eine weltprominente Größe von Wichtigkeit geworden, wie Azio feststellt. Ohne dieses Ziel vergiftet zu verfolgen. Immer das Naheliegende und das Nächste tun. Das war schon in frühen Jahren so, gebrauchte Kleidung nicht wegwerfen, sondern sammeln und recyclen, was die Umwelt damals nur schwer verstanden hat.

Die Gründung der Zeitschrift „Il Manifesto“, die den Ausschluss aus der KP nach sich zog. Die Gründung einer Radiostation, die prompt von der Obrigkeit konfisziert wurde, so dass die jeden Tag hingegangen sind, um einen vorgeblichen Forzometer zu kontrollieren. Auch Dario Fo unterstützte die Radiomenschen.

Dann das Festival „Singen für Eier“. Das Festival brachte die Idee auf, die Teilnehmer wollen ja auch verpflegt werden. Bewusstsein für das regionale Nahrungsangebot. Und Carlins Erfahrung, dass politische Macht nicht interessant sei für ihn, er war eine Weile lang Stadtradt in Bra.

Aber es ging weiter mit den Initiativen, die später in die Gründung des Netzwerkes mündeten, „Freunde des Barolo“, ein Restaurant mit 800 Weinen. Rückschlag: Skandal mit gepanschten italienischen Weinen, Methanol-Skandal. Auftritt beim „tenro 90“ in Sanremo, er und Azio haben darstellerische und sängerische Qualitäten.

Die Ablehnung der Uniformität von Fast Food, stell dir vor, mitten im Rom an der spanischen Treppe. Dagegen „arcigola-slow food“. 1. Weinkongress in Piemont. 1989 in Paris das internationale Manifest unterzeichnet. Der Restaurantführer „Osterie d’Italia“ seit 1991. Oder „Salone del Gusto“ 1989. Und immer humorvolle öffentliche Auftritte bei solchen Veranstaltungen.

Der Tod von Giovanni, dem Dritten im Bunde, ließ Carlin, wie er meinte, humaner werden und sich wieder für Neues öffnen, Richtung Ökogastronomie, auch Engagement in Afrika usw. Gründung einer Universität.

Konferenzen, Ausweitung des Netzwerkes bis fast um die ganze Welt, „good Food March 2012“. Über 150 Länder sind inzwischen im Netzwerk zusammengeschlossen.

Eine der humorvollen Bemerkungen von Carlin: wir sitzen alle in einem Zug in Richtung Abgrund, aber wir sind im Speisewagen.

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