Rush – Alles für den Sieg

Eine deftige, kinematographisch-verehrende Votivgabe an Niki Lauda. Ron Howard der Autor des Buches, nimmt sich mit einem kleinen Rückblick auf die Formel 3 von 1970 in London die besonders dramatische Formel 1 des Jahres 76 als zeitlichen Rahmen für einen schillerndes Biopic-Ausschnitt aus dem Leben des berühmten Rennfahrers Niki Lauda vor. Unter spezieller Berücksichtigung der Rivalität und der verschiedenen Haltung zum Siegen und Meisterwerden im Vergleich zum Konkurrenten James Hunt, den Christ Hemsworth als einen frischen, lebenslustigen überhaupt nicht verbissenen Rennfahrer spielt; der auch viel riskanter ran geht als Lauda, der maximal 20 Prozent Risiko im Rennen akzeptieren kann. Und als Epilog dieser spannenden Phase fügt der Drehbuchautor, der in Peter Morgan einen kongenialen Regisseur gefunden hat, noch eine Szene in Bologna an, wo die beiden Asse sich wieder treffen. Niki Lauda bereits mehrfacher Weltmeister und schon die Herausforderung des Fliegens suchend, während dem lebensprallen Unehrgeizling Hunt die eine Weltmeisterschaft, nämlich die im Film, die er gewonnen hat, vollauf genügt. Er muss sich nicht ständig neu beweisen, dass er der beste ist, was Lauda deutlich missbilligt, denn er selbst hält sich für den besten. Wenn man sich das lang genug sagt, so wird es eines Tages wohl auch stimmen. Für diese Lockerheit beneidet Lauda Hunt andererseits.

Hier werden zuerst die Anfänge der beiden verschiedenen Temperamente gezeigt. Der Engländer, spleening, der von zuhause aus Geld hat, der es sich leistet, auf Werbung für Tabak oder Alkohol zu verzichten (wobei er privat dem Alkohol nicht abgeneigt ist), der ein seltsames Ritual des Erbrechens vor jedem Rennen durchführt, der unangefochten in der Formel drei ist und den Newcomer aus Wien mitleidig belächelt.

Andererseits Niki Lauda, der aus einem Haus von Geschäftsleuten kommt, seit Generationen immer nur rechnen und berechnen. Alles im Griff haben. Und pünktlich zu Bett, nicht saufen, nicht rumhuren. Entsprechend spröde wird seine Frau ausfallen, Marlene Klaus, als wie im Rennzirkus fremdelnde Schönheit von Alexandra Maria Lara dargestellt. Wie sich die beiden kennen lernen ist als lustige Reminiszenz in den Film eingefügt. Lauda, der in Italien bei einer Party nicht zugelassen wird, muss zur Bahn trampen. Eine Frau nimmt ihn mit. Sie kennt ihn noch nicht. Es ist Marlene, eine Ex-Freundin von Udo Jürgens. Dann stoppen zwei Italiener, die ihn erkennen und Marlene ist ganz überrascht. Er hat sich, da sein Vater nichts mehr von ihm wissen wollte, mit Kredit ins Rennfahrergeschäft eingekauft. Konnte so bei einem beinah Pleite gehenden Rennstall anfangen und die Bedingungen diktieren. Vor allem konnte er Einfluss auf die Konstruktion der Rennwagen nehmen, was Sekundenvorteile gebracht hat. Hier hat er Clay Regazzoni kennengelernt, der ihn dann schätzen gelernt und zu Ferrari mitgenommen hat.

Alles Geschichten, die mit kluger Besonnenheit den Höhepunkt des Filmes und der Saison 1976 vorbereiten, das Rennen von 1. August in Zandfort mit dem Horrorunfall, der Minute im brennenden Wagen, Klinik, Hautverpflanzungen; und dieser eiserner Wille und 42 Tage später wieder auf der Rennbahn. Atemberaubend.

Daniel Brühl ist mit der Rolle des Niki Lauda besetzt. Das wirkt in den allerersten Bildern kurz befremdlich. Aber merkwürdig schnell gewöhnt man sich daran. Irgendwie funktioniert es wie im Kindertheater, wenn jemand sagt, der ist ein Räuber, dann ist er für die Kinder ein Räuber und für uns ist Daniel Brühl Niki Lauda. Das funktioniert vielleicht auch ganz gut wegen dem Phlegma von Daniel Brühl, das in der Performance des Niki Lauda als Beherrschung und Beherrschtheit rüber kommt, die Übersicht nie verlieren, Konzentration und Disziplin. Die wenigen klaren Texte tragen ihr übriges dazu bei. Und auch die Performance der Texte in diesem Österreichisch mit den Hebungen an den Satzenden charakterisieren die Figur überzeugend.

Auf den Film legen sich zwei themenbedingte Schatten von außen. 1. Gerät die Formel 1 durch die Anklage gegen Bernie Ecclestone in München offiziell in den Ruch der Korruption. 2. Beweist der IPCC-Klimabericht erneut die Schädlichkeit des CO2-Ausstoßes auf das Klima und weist damit auch auf die Fragwürdigkeit von Benzinmotoren hin, wofür die Formel 1 unmissverständlich Werbung betreibt.

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