Ein Konzertfilm mit durchaus aktuellem Hintergrund. Die Bebilderung speist sich aus aktuellen Unruhen wie der arabischen Rebellion, Tunesien, Ägypten, Syrien, aber auch Istanbul, Bilder von Aufruhr und Straßenkämpfern; ein berittener Reiter, ein Reiter der Apokalypse, die der Mensch selbst schafft; er trägt eine Gasmaske, Giftgas in Syrien; das ist Interpretation.
Es geht um ein Konzert der Band Metallica. Ein eigens für diesen Film produziertes Konzert mit raffinierter Bühne und einer kleinen Randgeschichte. Obwohl der Leadsänger an einer Stelle sagt, diesen ganzen Firlefanz, den brauchen die nicht. So scheint mir denn auch im Abspann die ruhige Probe der vier Musiker auf leerer Bühne im leeren Stadion, wo sie auf Barhockern sitzen, bis auf den Drummer natürlich, und wie sie so ganz ruhig auf die Melodie und nur auf diese konzentriert klimpern, eindrücklicher noch als die Riesenshow, die mit Publikum den Hauptteil des Filmes ausmacht. So imposant diese auch ist.
Der demonstrativste Act im Konzert selbst ist vielleicht der Aufbau eines stadionhohen Kolosses von Gerechtigkeitsstatue, deren Waage gefährlich ins Schaukeln kommt, bis der ganze Koloss auseinanderbricht.
Die kleine Rahmengeschichte ist die eines Jungen, der während dem Konzert eine Tasche für die Band besorgen soll. Und der in die apokalyptischen Landschaften von Bürgeraufstand, leerer Stadt, verwüsteter City, brennenden Autos, Mob mit Prügeln und vermummt und Polizei mit Schäferhunden und Schilden gelangt und ständig vom Reiter verfolgt wird.
Das System der Überblendungen von Musik zu Spielhandlungen wird mit der Zeit etwas durchschaubar, zu brav fast für die Dimension von Unmenschlichkeit, die die Band anprangert oder spürbar machen will, denn die Frage dahinter ist die, die sie später auch stellen, ob wir leben oder tot sind.
Der Durchschnittskonzertbesucher jedenfalls dürfte nach dem Konzert glücklich sein, wieder sicheren, zivilisierten, bürgerlichen Boden unter den Füßen zu haben.
Es gibt schwebende Särge, einen Mann, der brennt und in Flammen über die Bühne rennt, es kommt schier zum Zusammenbruch des Konzertes, alles inszeniert, mit Sanitätern und der Leadsänger kündigt an, es gebe nur zwei Verletzte und die würden sich wieder erholen. Gut, das hat es im Theater hierzulande schon lange gegeben. Solche Gags berauschen nicht durch Überraschungskraft.
Aber es ist auch ein Massenphänomen so ein Konzert, die Menge, die immer mitmachen, mitsingen soll, die Feuerzeuge schwenken soll, die Männer, die die Oberkörper entblößen und in gemeinsame Ekstase verfallen; oder das Publikum das die Fäuste strecken soll.
Die Garage unter dem Stadtion ist leer, wie der Junge mit seinem Kastenwagen rausfährt, nicht ein Auto geparkt, während doch das Stadion voll ist. Das zeigt, es geht hier um Fiktion und nicht um Realität. Aber eine Fiktion, in der auch der elektrische Stuhl, weiße Kreuze, die vom Bühnenboden auftauchen, eine Rolle spielen, in denen die Bühne explodiert wie ein Minenfeld.
Schöner Hinweis auf die Religionsaffinität der Veranstaltung sind die Kirchenglocken, die auf dem Bühnenboden, der in großflächigen Segmenten Bildprojektionsfläche ist, erscheinen. Oder Leinwände hängen plötzlich meterhoch im Stadion und zeigen Kriegsbilder. Der grüne Junge mit dem roten Kanister, mit dessen Inhalt er sich später selbst entzünden wird; so brach die Revolution in Tunesien aus, die inzwischen und zwar endlos in Syrien gelandet ist.
Are your alive, die Frage ist berechtigt.