Global Player – Wo wir sind isch vorne

Dass die Schwaben nicht nur in Autos oder Strickmaschinen Tüftler sind, sondern auch in Kinodingen, das beweist Hannes Stöhr mit diesem, seinem Film. Und dass die Schwaben einen Zahn zulegen können, wenn es denn sein muss, das zeigt er ganz neckisch schon in einer der ersten Impressionen aus Shanghai. Er blickt auf eine gigantische Autobahnkreiselbrücke und lässt über den Zeitraffer den Verkehr akzelerieren. Wie global die Schwaben sind, beweisen die Titel. Jeder deutsche Name, ob Schauspieler oder ob Mitarbeiter hinter der Kamera, erscheint auch in chinesischer Schrift.

Das Kinoprodukt selbst ist eine Mischung aus Anteilen, Anleihen aus Komödienstadel auf Schwäbisch, aus Wirtschaftskrimi und schwäbischer Industriellen-Clan-Geschichte mit einem heftigen Einschlag deutscher Geschichte und dem Augenmerk auf einem speziellen Fall der Folgen der Globalisierung.

Es geht um die Textilmaschinenfabrik „Bogenschütz & Söhne“, die im schwäbischen Hechingen beheimatet ist und ihre begehrten Textilmaschinen in alle Welt exportiert. Der Firma geht es nicht gut. Der schwerhörige Patriarch Paul, grandios gespielt von Walter Schultheiß, lässt sein Auge nicht von der Firma. Er hat jedoch nicht mitgekriegt, dass die Geschäfte schlecht laufen, dass die chinesischen Partner schamlos die raffiniert ausgetüftelten Strickmaschinen kopieren und in anderen asiatischen Ländern anbieten.

Sohn Michael, in manchen Moment wirkt der ruhig-besonnene Darsteller fast wie Mr. Bean, ist jetzt am Ruder. Er will den wahren Zustand der Firma nicht offenlegen, um an weitere Kredite zu kommen. Sein Haus ist schon verpfändet. Kurzarbeit herrscht. Er fährt unverdrossen seinen gelben Porsche, um den Schein zu wahren. Die Lage wird immer prekärer. Eine windige Figur von Bankdirektor verweigert ihm jeden weiteren Kredit. Die chinesischen Partner zeigen Interesse nicht nur am Kauf der Burg Hohenzollern, sondern und vor allem an der Fabrik.

Bis das Problem dieses Wirtschaftskrimis gelöst ist, lernen wir weitere Familienmitglieder kennen, die Tochter aus Köln, die bald wieder schwäbisch spricht und dort ein Yoga-Zentrum betreibt, die Tochter aus Berlin, die, ein Besetzungsschönheitsfehler, nicht ein Wort schwäbisch rausbringt – oder es nie konnte? Sie lebt dort mit einem Dirigenten und es gibt gute Gründe, warum der Patriarch diesen Ehemann nie kennen lernen durfte. Und es gibt noch einen untauglichen, einen verlorenen Sohn, der in Thailand sein Glück sucht und in dieser Situation abgebrannt nach Hause kommt.

Bis der Patriarch von all dem Wind bekommt und sich auf seine Art Rettungsaktion mit der traumhaften Betreuerin aus Polen, Agnieschka, der man so wunderbar auf den Po hauen kann, auf Deutschlandtour zu seinen Töchtern begibt und ihm die Kriegszeit wieder um die Ohren rauscht, bis die Schwaben schließlich tüftlerisch wie sie sind, eine Lösung zur Rettung der Firma finden, haben wir ganz nebenbei noch eine gut nachvollziehbar Erläuterung – ausgerechnet durch das schwarze Schaf der Familie – über die Folgen des inflationären Gelddruckens der Amerikaner auf das Geschäftsverhalten der Chinesen und damit des Einflusses auf die Geschäfte in Hechingen klargeistig wie aus einem frischen Quell erhalten.

Die Musik, die dreht manchmal auf, als handle es sich bei diesem Film um einen Maybach. Was so natürlich trotz aller Raffinesse nicht ganz stimmt. Eher eine Mischung aus Porsche, Mercedes und vielleicht VW-Käfer und einem tüftlerisch-schwäbischen Bike. Man ist ja global.

Quizfrage zum Schluss, woher kommt der Begriff „Maultasche“ und wie übersetzt man „plausibel“ ins Chinesische?

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