Zum Geburtstag

Hier trägt der französische Rationalismus in einer aparten, deutsch-französischen Mischproduktion einen schier archaischen Liebeskonflikt als nicht lösbar aber zum Zuschauen zwingend vor.

In der spröd-emotionalen Erzählart des DDR-Kinos schildert Denis Dercourt, der Autor und Regisseur dieses Filmes, die Ausgangslage in den 80ern im Osten Deutschlands. Einzig die Farbgebung trägt einen Touch französischen Impressionismus‘ bei. Sommer, Sonne, See; nichts kann die Idylle trüben. Die Jugend liegt am Strand. Ein Paar taucht auf. Es sind Anna und Georg. Am Strand sitzt einsam der verliebte Paul. Er hat einen Liebesbrief an sich von Anna gefälscht. Er drückt den Georg in die Hand, während Anna gerade nicht da ist. Georg ist bereit, Anna abzugeben, wenn Paul ihm eine andere verschafft. Paul zeigt spontan auf ein Paar Punks. Georg geht hin, unterhält sich kurz, entnimmt dem Rekorder die Kassette mit (verbotener) Rockmusik. Er entfernt sich, die schwarzhaarige Frau hinter ihm her. Paul kann jetzt die freigewordene Anna küssen. Der Pakt, den sich Georg für diesen Frauenverzicht ausbedungen hat, war der, dass er, sollte er je zurückkommen, Anna wieder so erhält wie sie jetzt ist. Sie ist blühend hübsch.

Die Wege der beiden Freunde trennen sich, kreuzen sich Jahre später im Westen Deutschlands. Paul ist mit Anna verheiratet und hat eine erwachsene Tochter, die ihrer Mutter aus der DDR-Zeit an Schönheit nicht nachsteht. Paul arbeitet auf einer Bank. Er ist in spekulative Rohstoffgeschäfte involviert und verdient so gut, dass er sich ein herrschaftliches Gebäude als „Jagdschlösschen“ kaufen kann.

Eines Tages wird ihm Georg als neuer Chef vorgesetzt. Georg ist mit dem Punkmädel von damals verheiratet. Der Pakt ist nicht vergessen. Das Drama kann sich in kammerspielmäßig ruhigem Ton entwickeln. Seine Ingredienzien sind ein Erpresserfoto, das Paul mit seiner Assistentin in verfänglicher Situation zeigt und das sein vertrautester Mitarbeiter Daniel partout nicht als Fälschung entlarven kann; eine Jagdgesellschaft; ein Anschlag auf eine Kupfermine in Burkina Faso; die hübsche Tochter Emilie von Paul, die Begabung in Gitarre und Gesang zeigt und für die Georg, der früher Musikproduzent war, von Interesse ist; die Geburtstagsparty für Emilie bringt alle Beteiligten des Konfliktes zusammen, spitzt das Drama radikal zu und löst es schließlich abrupt und überraschend auf.

Briefe spielen eine Rolle wie im guten alten Bühnendrama. Durch den Verzicht auf realistische Charakteristika bei den Figuren tritt deutlich das Modellhafte an dem Fall zutage. Wie ein Doktor Faust vor seiner Wandtafel referiert Denis Dercourt seinen Fall, der zwar in Form eines spannend gebauten Vortrages daherkommt, aber in seiner Gesamtheit eher ein Abstraktum bleibt, ein gepflegtes Arthouse-Produkt, Arthouse-Confiserie mit klassischer Salonmusikbegleitung – des Regisseurs erstes Studium war Bratsche, die er hier kenntnisreich einsetzt, um seinem Vortrag über einen modellhaften Ur-Liebes-Konflikt eine Feierlichkeit zu verleihen; in welcher besonders die deutschen Schauspielerinnen mehr Charme und Sinnlichkeit entwickeln als in ihren deutschen Filmen, bis auf Sophie Rois als Yvonne, die die Negativeinstellung des DDR-Punks nahtlos in ihr westdeutsches Erwachsenenleben hinüberrettet.

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