The Congress

Der Anfang dieses Mischfilms aus Animation und Real-Fiction von Ari Folman nach einer Geschichte von Stanislaw Lem ist betörend, leicht beklemmend und nicht ungefährlich. Die hier im Film schätzungsweise 50jährige Schauspielerin Robin Wright spielt Robin Wright, eine Schauspielerin, die nicht mehr leicht zu vermitteln ist, unter anderem deshalb, weil sie nicht jede bescheuerte Rolle annehmen will.

Robin lebt mit ihren zwei Kids am Rande eines Flughafens direkt hinter dem Gitterzaun in einer Wohnwagenbehausung und einem ausgebauten alten Hangar. Sohn Aaron ist Fan von Drachen, die er im Wind steigen lässt, so komplizierte, kubusförmige Doppeldecker. Auch ist er Fan der Gebrüder Wright, die also auch Wright heißen, und ihrer ersten Flugzeuge, respektive der Modelle davon.

Das Gefährlich an diesen leichten Fluggeräten ist hier lokal bedingt, wenn man sie steigen lässt, können sie leicht in die Anflugbahn der großen Flugzeuge geraten. Deshalb liegt Familie Wright öfter im Clinch mit der Flughafenwache.

Robins Agent, Harvey Keitel in einer überzeugenden Altersrolle ruft sie zu sich, will ihr ein letztes Angebot machen. Dieses riecht nach einem Pakt mit dem Teufel. Sie soll sich scannen lassen, ihr Gesicht, ihren Körper, ihre Bewegungen, ihre Regungen, ihr Lachen, ihre Traurigkeit. Dafür bekommt sie einen Riesenberg Geld. Damit verbunden ist allerdings die Auflage, die nächsten 20 Jahre jeglichen Schauspielerauftritt zu unterlassen.

Was wird sie in diesen 20 Jahren machen? Und wie sieht die Welt nachher aus? Und vor allem, was werden die Studios mit dem Recht an ihrem Bild, an ihrem gescannten Leben unternehmen? In welchen Filmen werden sie diese digitale Schauspielerin einsetzen? Da sollte sie sich besser keinen Illusionen hingeben.

Man sieht den Agenten, den Produzenten und die Schauspielerin in einer Szene vor einem Bildschirm sitzen und eine solche Szene mit gescannten Schauspielern anschauen. Da ist nichts Berauschendes dabei. Was wird Robin aber in der Zwischenzeit machen. Stanislaw Lem hat seine futuristischen SciFi-Geschichten in den 60ern geschrieben hat. Ari Folman scheint unter Werktreue zu verstehen, zwar nicht das penible Übersetzen, Satz für Satz, da modernisiert er durchaus, aber mir scheint, er versteht unter Werktreue, den Geist des Werkes genau zu erfassen. Was er auch liebevoll tut. Was allerdings auch zur Folge hat, dass nun, wie Robin als animierte Figur in die animierte Welt verschickt wird, die Geschichte mir plötzlich altmodisch, altbacken vorkommt, so schön sie auch gemacht ist.

Die restricted animated Zone Abraham City. Die wirkt nicht futuristisch. Der Vorgang, wie ein Beamte am Einlass dieser Zone das Nummernschild, was einem Strichcode entspricht, scannt und dann sofort alle Informationen über Robin hat, ist für uns prinzipiell alltäglich. Der Porsche, den sie fährt, der ist ja auch von 2013.

In diesem Abraham-City passieren nun Dinge, die die Erwartung, dass wir etwas über den Identitätsverlust, die Identitätsaufgabe von Robin durch den teuflischen Kontrakt, erfahren, leider enttäuscht. Es gibt eine Roboter Rebellion. Scan-Robin hat einen großen Auftritt, bei dem sie geehrt wird und hervorgehoben werden soll, es handle sich um den futurologischen Kongress, dem so gar nichts Futurologisches anhaftet, sie wird als die Straßenkämpferin apostrophiert; sie verpatzt den Auftritt, wird aus dem Kongresshotel hinauskomplimentiert.

Nach 20 Jahren kommt die Erkenntnis: Be your Dream. Sie sei Symbol der Miramont-Nagasaki-Revolution geworden. Es gibt einen Anschlag wie 9/11 auf das Kongresshotel. Es gibt animierte Figuren, die reanimiert werden müssen und ab dem Moment wie mit einer Seifenblase um den Kopf herumlaufen. Sie trifft Dylan, den Animator, der von ihr begeistert ist. Dann geht es darum, sie einzufrieren vielleicht für 70 Jahre, in der Hoffnung, die halluzigene Vergiftung, die sich sie zugezogen haben, können dann geheilt werden.

Es folgen viele halluzigene Szenen mit Hippiemustern aus den 60ern, 70ern. Das wirkt nicht modern sondern wie von anno dunnemals. Eine Art Jugendstil-Rankenwelt. Vom Usher-Syndrom ist die Rede. Und irgendwann setzt sie sich in einen Korb, wie von einem Heißluftballon, fährt mit diesem wie mit einer Seilbahn hoch zu einem Zeppelin. Sie ist inzwischen eine alte Frau. Kommt in einer Welt an, die vielleicht eine Art Jetzt-Wiedererfindung sein soll. Denn alle Realität wird im Kopf gebildet. Und der Traum ist sowieso „forever young“, ein Song, der eingespielt wird. Es wird von einem komplizierten Modell gesprochen, wie die Welt sie als Gescannte über chemische Reaktionen in den Menschen eine Zukunft gestalte, sorry, da komme ich nicht mehr mit, welche Art Bewusstseinszustand hier definiert werden soll. Es gebe die beiden Seiten der Wahrheit, erfahren wir von Dr. Barker. Dem Geist des Werkes zu Treue verpflichtet (?), wird mir nicht klar, was Ari Folman uns mit diesem Film erzählen will.

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