Essenz des Lebens; Gila von Weitershausen (TV, BR)

Hier versucht ein Talkmaster aus seiner Interviewpartnerin das herauszuholen, was er vorher angelesen und recherchiert hat.

Er fährt mit ihr auf dem Sozius einer roten Vespa – und beide anständig behelmt – einen vorbereiteten Parcours durch München an Orte ihres früheren Lebens auf der Suche nach der Essenz ihres Lebens.

Die Babywiege für die Zweijährige, die mit „Gila“ und „1946“ beschriftet ist, hatte eine Nachbarin aus ihrem Elternhaus gerettet. „Das ist Ihre Kinderwiege, Ihre Babywiege.“ „Das ist unglaublich, wieso kann ich mich nicht daran erinnern“. Der Interviewer konfrontiert sie mit einem Foto ihrer Mutter und von sich selbst aus ihrer Kindheit im Garten ihres Elternhauses. Die Interviewte ist etwas überrascht, weiß nicht recht was sagen dazu und legt die beiden Bilder wieder sorgfältig in den gelben Umschlag und diesen in die regungslose Wiege. Gemüsegarten der Mutter. „Hier hatten wir lauter Rosen. Dahinter war unsere Spielwiese“. Der Interviewer bietet der Dame einen Apfel von einem Baum aus der Kindheit an.

Der Interviewer fährt mit ihr in die „Gruft“, ihre ehemalige Schwabinger WG-Wohnung aus dem Aufbruch der Sechziger. Sie wundert sich über das kleine Zimmer, in dem sie mit ihrem damaligen Freund und späteren Ehemann Martin gelebt hat. Viel Blabla über die Hochzeit. Fragen an die Interviewte: „Haben Sie schon Vorhänge gehabt? Und Kühlschrank? Und die Klamotten waren wo? … Hier ist viel passiert, Sie sind hier auch mal schwanger geworden?“

Zwei Dinge ärgern die Interviewte am meisten: die administrativ nicht anerkannte Mutterschaft ihres leiblichen Sohnes, der jetzt als der Sohn eines weltberühmten Regisseurs gilt, der aber nicht sein leiblicher Vater ist. Eine verflixt komplexe Geschichte, in der die Nouvelle Vague, Mexiko (Anlass für eine kleine Name-Dropping-Arie), der Code Napoleon, ein von Nonnen betriebenes Krankenhaus in Mexiko und auch ihr Ex-Mann Martin eine Rolle spielen.

Viel Blabla über die Hochzeit des administrativ nie bestätigten Sohnes in New York.

Der Interviewer versucht zur Essenz, zum Kern vorzustossen. Er möchte einen roten Faden im Leben der Interviewpartnerin finden. „Es ist die Schauspielerei, der magische Raum, der zieht sich durch mein Leben und den such ich immer noch und wenn ich in dem mich aufhalte, dann bin ich glücklich, nicht nur, aber…“ Sie möchte aber ausdrücklich nicht auf das Leben zwischen den magischen Räumen reduziert werden.

Der Interviewer heißt Jörg Seewald und stylt sich mit strenger, schwarzer Intellektuellenbrille und entsprechendem Blick; seine Interviewpartnerin ist die Schauspielerin Gila von Weitershausen. Der Interviewer beweist mit seinen Fragen, dass er sich kundig gemacht hat.

Der Gesprächspartnerin reicht es irgendwann: ich brauch ne Rolle, Herr Seewald, tschüss!

Sie wolle endlich wieder spielen, sagt Gila von Weitershausen an einer Stelle. Die Internet Movie Data Base berichtet indes von ganz guter Beschäftigung. Die neuesten Rollen: Frieda Winter in „Vorzimmer zur Hölle II – Plötzlich Boss“, TV-Movie; Ulrike Fischer in „Nur mit euch!“, TV-Movie 2013; Julia Langer in „Alles außer Liebe“, TV-Movie 2012; Dolores ‚Lore‘ Schmidt in „Der Schwarzwaldhof“ 2010 – 2012; Alexa Frey in „Familiengeheimnisse – Liebe, Schuld und Tod“, TV-Movie 2011 – das sind nur die neuesten von 148 Einträgen.

Vielleicht hätte das einen spannenden Knackpunkt für das Interview bilden können, die Frage nach der künstlerischen Erfüllung angesichts der Diskrepanz aus einer teils berühmten Vergangenheit mit Louis Malle und der aktuellen Aktivität in wie es scheint weiter nicht berühmter, industrieller Fernsehware, ob die dem Wunsch „ich will endlich wieder spielen“ gerecht wird und dann noch die Frage nach der Relevanz dieser Fernsehprodukte hinsichtlich des Auftrages des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

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