Diese melodramatische Familiencomedy von Holger Haase, der nach einem Buch von Jens-Frederik Ott und Florian Fitz inszenierte, könnte man auch einen Komparationsfilm nennen. Denn eröffnet wird mit einer Werbung für das Weißwaschmittel „Wendy“, traumhafte Voralpenlandschaft bei traumhaftem Wetter mit traumhaft weißer Wäsche an den Leinen flatternd, dazwischen ein traumhaft weiß gekleidetes Mädchen und eine traumhaft weiß gekleidete junge Frau, die schier schweben zwischen all der Traumhaftigkeit. Mit diesem Weiß muss jede Hausfrau sich vergleichen – und sowieso jedes Glück mit solchem Waschmittelglück, denn Florian Fitz, der hier als Conrad einer der Hauptdarsteller ist, schaut sich den Spot im Fernsehen an und meint, so eine traumhafte Familie hätte er auch gerne.
Conrad ist der Sohn von Henry Hübchen als Carl und von Leslie Malton als Helene. Die Eltern leben getrennt. Der Vater ist ein mürrisch einsam Verbitterter. Die Mutter hat eben erfahren, dass sie nur noch ein halbes Jahr zu leben hat, auch ein Tumorfilm also, in dem die tödliche Krankheit aber nur peripher eine Rolle spielt. Denn das Zentrum ist eindeutig die Beziehung von Conrad zu Carl.
Die dramaturgische Konstruktion ist so gearbeitet, dass Vater und Sohn contre Coeur einige Tage zusammen in Vaters Haus verbringen müssen, dazu noch der mädchenhaft hübsche Junge von Conrad, engelhafte 13 Jahre alt. Die Dramaturgie hat den Werbespot von Beginn des Filmes nicht vergessen und wird nun in diversen Szenen zeigen, wie sich Vater und Sohn näher kommen, dem Waschmittelglück annäheren. Dazu ist wichtig, dass Papa in den leeren Pool fällt, weil der Enkel den ihn zu deckenden Bretterverschlag geöffnet und nicht wieder verschlossen hat. Insofern spielt der Enkel eine entscheidende Rolle.
Vom Poolfall an lebt Hübchen mit Halskrause und Stock seine anfangs des Filmes noch voll intakte Misanthropie filmhübsch aus. Das Familienglück am Ende differiert allerdings erheblich vom Waschmittelglück am Anfang, in der Realität setzt es auf dem Weg zum Glück blaue Flecken und Schrammen.
Hübchen und Fitz, das ist die große Qualität in diesem Film, sind Schauspieler mit Leib und Seele, sie erspielen sich sogar, wie sie das herstellen ist mir rätselhaft, solch eine Ähnlichkeit, dass sie durchaus leibhaftig Vater und Sohn sein könnten. Hier befruchtet die alte Generation die Junge und stachelt sie an.
Aber Fitz hat, da ist er noch nicht ganz von seiner Jesus-Rolle seines vorherigen Filmes losgekommen, eine Botschaft: kaputte Familienverhältnisse sind reparierbar so wie schmutzige Wäsche mit dem entsprechenden Waschmittel gereinigt werden kann. Das scheint mir gleichzeitig das Problem: dass die ganzen Situationen (wobei es allerdings nicht an bekannt komischen mangelt, wenn das Hündchen, während die Herrin telefoniert, aus dem Fenster springt – und man hört einen Aufprall auf Autoblech; Schnitt) doch vor allem auf das Versöhnungsziel hinaus konstruiert sind, dass das sozusagen ein „ad hoc“ Film ist, der deshalb gemacht wurde – quasi zum transzendenten Beweis der Waschmittelbotschaft von zu Beginn des Filmes. Insofern fehlt eine schlüssige, spannungserzeugende Handlung.
Sicher, Fitz will mit Frau und Kind nach Goa in den Urlaub fliegen. Er verpasst den Flieger. Er will auch ein Haus bauen, aber da tut sich gar nichts außer ein paar landschaftsschönen Aufnahmen auf Betonsockel.
Die Psychologie der Annäherung der Figuren aneinander scheint einer Küchenpsychologie zu verdanken, aus der eigenen Lebenserfahrung genommen, ohne stringente, gar bohrende Analyse. Ein lockeres Geplaudere über Beziehungen von zwei Hausfrauen zwischen zwei Waschgängen.
Eine Lektion in Versöhnung, wobei sich Fitz gerne in perzeptiven Momenten ablichten lässt. Kino eher als Deckmalerei denn als Transparenzgemälde. Ein Kino, was nicht hinter die Fassade schauen will, sondern sich am schönen Schein von Waschmittelwerbung orientiert, aber immerhin sieht, dass die Realität komplizierter ist.
Liebevoll gezeichnete Einkaufsszene von Vater und Sohn im Supermarkt, Vater sitzt mit Halskrause auf einem Art Senioreneinkaufswagen mit Sitz vorne drauf, wirft mit einer verächtlichen Haltung Chips und was auch immer er greifen kann, hinter sich in den Korb und der Sohn, der das Gefährt schiebt, kickt die Dinge wider zurück; Zusammenspiel als Nullsummenspiel, als schöner Leerlauf. Das macht den Film sympathisch, diese kleine Sicht auf den Alltag.