Pain & Gain

In diesem Film von Michael Bay, zu dem Stephen McFeely das Drehbuch aufgrund von Magazin-Artikeln von Pete Collins geschrieben hat, ergeht es dem amerikanischen Traum nicht gerade gut.

Was ist er überhaupt, der amerikanische Traum? Hier im Film ist es das reiche Leben mit Villen am Meer, Swimming-Pool, Yachten, Blondinen. Errungen nach der Methode: make America a better place, become a Doer! Dummerweise ist dieser amerikanische Traum nicht für jedermann erfüllbar.

Andererseits hat der Amerikaner doch die Freiheit, seinen Traum zu erfüllen. So denkt jedenfalls Mark Wahlberg als Daniel Lugo. Er hält sich allein schon als muskelpepackter Mann für den Inbegriff des amerikanischen Traummannes und meint so zurecht, ihm stehe die Erfüllung dieses Traumes auch zu. Zu diesem Traum gehört nämlich auch die Fitness. Und dieses Seite des Traumes erfüllt er immerhin, hilft auch anderen als Mitarbeiter eines Fitnesszentrums, eines Gyms, diesen zu erreichen. Was ihn als Fittnesstrainer direkt mit unangenehmen Nebenerscheinungen des Ideals konfrontiert und in engsten Kontakt bringt; da könnte sich die Kamera von „Feuchtgebiete“ noch was abschneiden.

Unter seinen helfenden Händen hat er einen Kunden, Tony Shalhoub als eindrücklicher Victor Kershaw, der sich den amerikanischen Traum erfüllt hat. Da steckt allerdings auch viel Gegenteil von Traum dahinter, Flucht vor den Nazis nach Lateinamerika, dann Flucht aus Lateinamerika wegen der vielen Entführungen von Reichen nach Florida, nach Miami.

Das liegt gar nicht so weit weg von einem anderen Traum, dem sozialistischen nämlich, der auf Kuba praktiziert wird. In den bunten, fröhlichen, intensiven Farben, in denen Kubaromantiker ihre Filme drehen, wird nun hier das Scheitern des amerikanischen Traumes, seine schmerzhafte Negativanalyse plakativ, graffitihaft mit großem Pinselstrich auf die Leinwand gesprüht.

So dass es über lange Strecken richtig schmerzt, wie Daniel, der auch Paul und Adrian zur Mittäterschaft überreden kann, Victor Kershaws Entführung plant und realisiert, um an die Millionen zu kommen. Schmerzhaft, diesen armseligen Figuren zuzuschauen, die sich für so groß halten und es mit ihren Muskeln auch sind, wobei Paul dazu noch religiös ist und ein guter Mensch werden wollte nach einem Knastaufenthalt; ihnen zuzusehen wie sie in ihrer Dummheit den amerikanischen Traum aushöhlen und zerstören. Wie offenbar die Selbstdestruktion zu diesem Traum gehört, so gehört andererseits die Oberhand von Recht und Ordnung zu diesem Traum, zur vermeintlichen Rettung oder Aufrechterhaltung des Traumes. Sonst dürfte es wohl kaum eine wahre Geschichte genannt werden. Ausgerechnet die Männer, die physisch dem Traumbild des amerikanischen Mannes am nächsten kommen, die naiv Bizeps und Bauchmuskeln trainieren, schönes Bild am Anfang, wie Daniel an der Wand des Gyms sich in die Luft hinaus nach hinten beugt und wieder mit den eigenen Muskeln in die Höhe schraubt, zerstören diesen Traum, sind nichts weiter als miese, kleine Scumbags.

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