Ein sympathischer Generationenableger der Beat-Generation, taucht plötzlich auf, ohne dass eine entsprechende Bewegung da wäre, ähnlich wie „Oh Boy“ in Berlin, „Oh Girl“ aus New York gewissermaßen, wenn auch mit Unterschieden, schwarz-weiß allerdings auch; eine sich zurücknehmende Kamera, die die Szenen geschehen lässt, ruhig beobachtend. Verbindend der Nonkarrierismus der Protagonisten.
Aber das war’s an Gemeinsamkeiten. Denn Greta Gerwig, die mit dem Regisseur Noah Baumbach zusammen das Drehbuch geschrieben hat, hat als Frances ihre Träume: Tänzerin, Choreographin zu werden. Sie besucht Tanzkurse. Möchte mit auf die Wintertournee. Sie hat mit ihrer Freundin Sophie zusammengewohnt. Jetzt sind sie nicht mehr lesbisch. Sie hoppelt von einer Adresse zur nächsten, denn Sophie zieht ins feine Tribeca mit einer anderen Frau zusammen. Das kann sich Sophie nicht leisten. Auch ihre Eltern können sie nicht unendlich unterstützen. Hin und wieder fällt ein Job ab. Die Adressen wechseln, die neuen Adressen werden wie Zwischentitel eingeblendet, die Freunde auch.
Im Tanz ist sie offenbar nicht gut genug für die Tournee. Sie geht auf Parties. Hängt rum. Bandelt an. Täuscht vor, sie sei Tänzerin. Entschließt sich spontan für eine Parisreise. Das bricht ihr finanziell das Genick. Immer zu wenig Geld. Sie geht aufs Land an eine frühere Schule, arbeitet im Sommercamp als „ask me“- Personal. Hat nur noch ein Postfachadresse. Will mittanzen in einem Kurs. Darf aber nicht, da sie Personal ist. Die Tanzlehrerin in New York hatte ihr zuletzt noch einen Bürojob angeboten. Das war unter der Würde von Greta. Ist auch eine Beleidigung für eine Möchtegern-Künstlerin, an der Tanzschule im Büro arbeiten zu müssen, um Geld zu verdienen statt zu trainieren.
Denn Frances, das scheint mir typisch für diese Beat-Remake-Generation, ist nicht karrieresüchtig, karrierebesessen, hat nicht den nötigen Ehrgeiz, den etablierte Strukturen und Karrierewege fordern. Eine Beatgeneration mit reduziertem Freiheitsgefühl – in den 60ern, 70ern war ganz ein anderes Bewusstsein davon, auch künstlerisch. Hier kommt das viel braver rüber. Gediegener, angepasster.
Obwohl Frances mit ihren Blümchenröckchen, Kniehosen und Kniestrümpfen einen recht verspielten Eindruck, den des gerade den Klamotten entwachsenen Mädchens macht. Die Diskussionen unter ihren Altersgenossen drehen sich ums Ficken, das Geld, ausnahmsweise ums Heiraten, darum mit dem Freund nach Japan zu gehen, es wird auch Proust erwähnt, ohne näheres Eingehen auf den Inhalt. Dadurch entsteht der Eindruck einer Beat-Generation mit einer leisen Würze Depression oder Pessimismus, es ist kein vorbehaltloser Aufbruch in eine neue Zeit. Es scheint mir eher das Herantasten an die Beat-Generation der Eltern-Generation.
Es sind alles Künstler. Lev ist Bildhauer. Sophie will Verlegerin werden. Es gibt eine Szene, wo Frances mit Sophie noch zusammenwohnt und sie davon träumen, wie die eine ein Buch über die andere machen will. Aber das ist reine Träumerei, das macht die Angelegenheit so sympathisch. Da wird nicht verbissen kalkuliert, da werden nicht zielbewusst Connections aufgebaut.
So kommt mir auch der Film vor, eher wie eine Aneinanderreihung der verschiedenen Begegnungen und Situationen und nicht ehrgeizig auf Spannungsbogen oder auf maximale Ausbeute an Personenerforschung getrimmt. Ein Hauch Laissez-faire. Ein bisschen Kritik an reichen Snobs: die Sponsorin der Schule, die Frances im Sommercamp betreuen und der sie immer wieder Wein nachschenken soll; die macht plump einen Acryl-Maler an.
Frances mag Dinge, die wie Fehler aussehen. Vielleicht ein Indiz dafür, dass diese Beat-Generation deutlich prosaischer und irgendwie dingnaher ist als das Original: Frances wird eine Entwicklung durchmachen, fast lehrbuchhaft ordentlich und der Film wird positiv enden.