Obwohl der Film in Paris spielt und nur ein einziger Fado-Song drin vorkommt und zwar erst im hinteren Teil des Filmes, ist dieser durchdrungen von diesem matt-weichen Charme Portugals und der portugiesischen Sprache, die sich so unaufdringlich ans Ohr anschmiegt. Denn die Hauptakteure dieses Filmes des Portugal-Franzosen Ruben Alves, Hugen Gélin hat am Buch mitgeschrieben, sind Portugiesen.
Es ist das Ehepaar Maria und José Ribeiro. Die wohnen schon über dreißig Jahre in Paris und ernähren sich redlich. Es sind keine Revolutionäre, es sind selbstverständlich dienende und höchst zuverlässige Personen. Maria als Concierge in einem feinen Stadthaus und José als Polier in einer Baufirma.
Beide werden von ihren Chefs nach allen Regeln der Kunst ausgenutzt, José vom Bauunternehmer Francis Cailaux, Maria von der Hausbesitzerin Mme Reicher. Maria hilft immer mit, den Innenhof so mit Blumen zu bestücken, dass Madame Reichert regelmäßig den Wettbewerb für die schönste Bepflanzung gewinnt. Und José wird gerade jetzt unentbehrlich für seinen Unternehmer, der am Rande der Pleite steht, und ein Einkaufszentrum plant; Bedingung für das Geschäft ist von den Kunden, dass José als Vorarbeiter dabei ist.
Das Schicksal wird jetzt allerdings eintreten für eine kleine, so gut wie gewaltlose Tulpenrevolution (die portugiesische war damals die Nelkenrevolution), hier ist der Begriff ein kleiner Scherz.
Denn José hatte einen Bruder in Portugal, der ein großes Landgut mit vielen Hektar Reben besaß und betrieben hat. Aber die beiden Brüder waren verkracht, hatten jahrelang keinen Kontakt mehr. Nun platzt also in die Pariser Ausnutzungsidylle ein Notarschreiben, dass der Bruder gestorben sei und José sein Erbe werde. Bedingung, er müsse das Gut weiter betreiben, was bedeutet, dass er sich aus der Abhängigkeit des Ausgenutztwerdens befreien müsste und das gleiche gälte für seine Frau.
So topsecret wie das brave Ehepaar diese Neuigkeit für sich behält, so topsecret macht sie schnell die Runde. Es sind zwei erwachsene Kinder in der Familie. Ein Sohn und eine Tochter. Die Tochter ist gerade verliebt in den Sohn des Arbeitgebers von José. Durch das Gerücht aufgeschreckt, setzen jetzt die Chefs alles daran, ihre ausgebeuteten Angestellten zu behalten.
Madame Reichert hatte mit den übrigen Wohnungsbesitzern gerade errechnet, wie viele Zehntausend Euro sie dank Maria spare und der Unternehmer bangt um seinen rettenden Auftrag. Diese merkwürdige, masochistische Loyalität zu ausnutzenden Dienstherren, die löst nun einen Kampf im Inneren der braven, zuverlässigen Portugiesen aus, verkompliziert durch die Beziehungen und Verwicklungen der Kinder. Sollen die Portugiesen die Revolution wagen, gerade jetzt, wo ihre Herrschaften, denen sie so lange gedient hatten, denen sie konsequent treu ergeben waren und von denen sie sich genau so konsequent haben ausnutzen lassen, sollen, dürfen sie die Revolution wagen, jetzt wo ihre Herrschaften sie doch so dringend brauchen?
Ein sanfter portugiesischer Revolutionsfilm voll bodenständiger Herzlichkeit und einem Humor, der sich nicht anbiedert, umrahmt von einigen herrlichen Nebenfiguren, die beiden verwöhnten Kinder von Madame Betrand oder der chinesische Bonsailiebhaber; aber auch die Sprachlosigkeit in den Familien, wie keiner entscheidende Dinge sich zu sagen traut, wird schön eingebracht – und zwar knallhart sowohl in der ausgebeuteten Unterschicht als auch in der ausbeutenden Oberschicht.
Und der Fado, der klingt noch lange nach dem Kinobesuch nach.