Ein Freitag in Barcelona – Una Pistola en cada Mano

„Eine Pistole in beiden Händen“, so würde in etwa die wörtliche Übersetzung des Originaltitels lauten, was „ein Freitag in Barcelona“ damit zu tun haben soll, gut, es ist der zeitliche Rahmen für 5 Kurzfilme, die an einem Freitag Abend die verschiedenen Entwürfe von Mannsein, die bis dahin vorgestellt worden sind, zusammenbringt.

Wobei der Originaltitel eine Referenz an John Wayne sein dürfte, der in einem Gespräch gesucht wird, aber unseren Typen von Männern ist der nicht mehr so geläufig. Cesc Gay, der mit Tomás Aragay auch das Buch geschrieben hat, versucht in diesem Film chirurgisch subtil und vorhautnah dem Dilemma „Mann“ auf die Spur zu kommen.

Weil es um den Mann schlechthin geht, haben die Rollen der Männer alle keine Namen, in der IMDb sind sie bloß mit einer Initiale und einem Punkt aufgeführt. Bis auf Juan. Das ist derjenige, dem seine Frau, eine attraktive Blondine, wie überhaupt die Frauen in diesem Film auffällig attraktiver sind als die Männer, um die es geht, eine erektile Dysfunktion zuschreibt. Ausgerechnet dieser heißt Juan, ein moderner Don Juan?

Die Frauen, die haben zumindest Vornamen, Maria, Sara, Mamen, Elena. Aber die schlechteren Schauspieler sind die Männer deshalb nicht; im Gegenteil. In fünf zufälligen, mehr oder weniger zufälligen Begegnungen, stoßen Männer aufeinander, die sich nur flüchtig kennen, die plötzlich spüren, dass etwas sie verbindet, auch das Bedürfnis über gewisse Dinge zu sprechen, Dinge, die das Mannsein gegenüber der Ehefrau oder dem Seitensprung betrifft.

Es sind alles Männer, die ausdrücklich keine John Waynes sind, die nicht mal davon träumen, ein Held zu sein oder Angelegenheiten mit der Pistole zu regeln. Es sind Begegnungen, in denen peripher meist ein Lift eine Rolle spielt. Es sind Begegnungen, die zu längeren, ungeplanten Gesprächen und zu einem Auseinandergehen führen nicht mit dem üblichen „man sieht sich“ oder „bis die Tage“, ein Auseinandergehen, was die Zukunft offen lässt.

Es sind Männer, denen ihre Männlichkeit sicher nicht ihr dringlichstes und lautestes Thema ist. Denen das Mannsein von Natur aus passiert ist, zu dem sie aber ein nicht pointiert ausformuliertes und sich wichtig gebendes Verhältnis haben, das sie auch nicht besonders ausstellen, es sind Männer, die in erster Linie Mensch sind, die schon Glatze haben oder eine Phimose hatten, die sich ohne viel zu denken von ihren Frauen getrennt haben und von der Sehnsucht verzehrt werden, oder die leichtsinnig, obwohl verheiratet, eine Kollegin am Arbeitsplatz anmachen.

Es sind Männer, die nichts dafür können, dass sie Männer sind. Es ist ihr Schicksal, es ist wie ein Schicksalsschlag, dass sie Männer sind und sie sehen wenig Lösungsmöglichkeiten außer gehörnt zu werden oder Seitensprünge zu fabrizieren. Es sind keine Machos, es sind keine werbewirksamen Männer, es sind Männer, die ihrem Mannsein eher ausgeliefert sind, die ihr Mannsein stoisch ausbaden, womöglich, ohne sich etwas anmerken zu lassen.

Es sind Durchschnittsmänner und keine Helden. Es sind die Männer mit dem kleinen Unterschied zum anderen Geschlecht. Es sind Männer, vielleicht beschädigt, die zu Therapien und Mittelchen greifen, die auch mal Kopfweh haben. Dies ist kein Film über Weltmeister, Päpste, Filmstars, Spitzensportler oder Casanovas. Aber vielleicht würde dieses Mannsein bei näherem Hinschauen auch bei diesen festzustellen sein.

Bei der ersten Begegnung vor einem Lift trifft die Phimose auf den Kraushaarkopf, der später als Geldverdienst die Organspende erwägt. Die Phimose (hier Arztsprech: die Krankheit des Patienten für den Patienten genommen; da die Figuren keine Namen haben, müssen sie charakterisiert werden mit Eigenschaften, die aus dem Film erkenntlich werden), trifft die homöopathische Dosis auf den Whisky.

Der Glatzkopf mit Sohn will seiner Ex wieder einen Antrag machen, kommt nicht von Elena los, er träumt von Sex mit ihr, sie davon, dass er einen Herzinfarkt bekommt oder davon, dass sie ihn überfährt.

Der bärtige Argentinier spioniert seiner Frau nach, kommt vor ihrem Haus auf der Bank ins Gespräch mit einem Bekannten im Rollkragenpullover und dem japanischen Hund Ako; der Argentinier versucht, seine Probleme mit Pillen zu lösen und seinem Egoismus auf die Spur zu kommen; der andere will aber kein Berater sein, obwohl er nichts anderes tut; und bezüglich von Laura wird es am Schluss eine überraschende Erkenntnis geben. Aber der Argentinier ist ja kein John Wayne.

Der brave Büroangestellte versucht bei einer Geburtstagsparty im Büro eine Mitarbeiterin anzumachen, obwohl er doch verheiratet ist und einen Sohn hat; die Dame gibt ihm ein deutliches und nicht ganz witzloses Feedback zu seinem Verhalten, was in einer peinlichen Liftfahrt zu viert, die Angemachte, zwei kichernde Kolleginnen und der überführte Anmacher, kulminiert.

Der letzte Film zeigt parallel zwei Paarungen. Einer steigt zu Maria ins Auto und bemerkt den Vanille-Duft, den ihr Mann hier hinterhältig verstreut, während ein anderer ebenso halbintellektueller Mann in einer Vinothek eine aufregende Blondine erkennt und ins Gespräch über deren Gatten kommt, der an erektiler Dysfunktion leidet. Im Auto findet sich ein Buch über Paarbeziehungsverbesserungen und in der Vinothek erhält Mamen von ihrem Bekannten den Rat, sich scheiden zu lassen, wenn diese Dysfunktion nicht behoben werden könne, wenn selbst Viagra nichts nütze. Im Auto wird auch das Thema Eifersucht besprochen. Eine Einladung führt am Schluss alle zusammen und der Zuschauer darf nun, nach all den Insiderinformationen, die er in den knapp 90 Minuten vorher bravourös vorgestellt bekommen hat, eine ganz andere Sicht auf die Fassaden dieser Menschen, dieser „Männer“ werfen.

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