Layla Fourie

Der Frisör bringt die Befreiung, denn ganz spät in diesem Film von Pia Marais, Horst Markgraf hat beim Drehbuch mitgearbeitet, kommt die Protagonistin Layla Fourie (Rayna Campbell) aus einem Frisörsalon, nachdem die Kamera ausgiebig einen Haarwaschvorgang ganz nah vor die Linse genommen hat, und unsere Hauptfigur hat das erste und einzige Mal im Film eine befreite, fast lächelnde Miene, während sie bis dahin ständig mit einem schuldbewussten Blick, Signal für den Gewissenskonflikt, das ist nämlich das Thema des Filmes, agiert hat.

Was heißt hier agieren? Vor allem Auto fahren, Leute besuchen, denen gegenüber sie ein schlechtes Gewissen hat, weil nämlich a) sie den Vater von Eugene Pienaar (August Diehl kompensiert den Mangel an Figurkontur der Rolle mit Gesichtsakrobatik und Kaugummi kauen) totgefahren und auf eine Müllkippe entsorgt hat und b) der Familie von Petrus, der fälschlicherweise als Mordverdächtiger in den Knast muss, ein Schuldgefühl entwickelt. Layla Fourie war bei der Vernehmung plötzlich zugegen; sie hat hier im Norden Südafrikas in einem Spielcasino einen Job als Lügendetektorin und Einstellungshilfe angenommen. Ein reines Horrorkabinett an Figurenkonstellation, die alle keine Geschichte und ergo keine Zukunft und keine Hoffnung haben; die hier von der Regisseurin lediglich versammelt worden sind, einen Gewissenskonflikt zu illustrieren. Wichtig ist noch der Sohn Kane von Layla, damit der als Mitwisser diesen Gewissenskonflikt (Verschweigen oder nicht des tödlichen Unfalls und der Leichenbeseitigung) noch mehr hervorheben kann; denn Kinder und Narren sagen bekanntlich die Wahrheit; andererseits, das lernen wir hier, kann auch das Lügen früh geübt werden.

Das Problematische bei diesem stimmungs- und geschmackvollen Film, der keine Hemmung hat, nahe an Gefühlsvorgänge oder überhaupt an Vorgänge und an die Darsteller ran zu gehen, dessen Kamera nicht eine Sekunde einen Gewissenskonflikt vermuten lässt, dass nämlich die Filmemacherin ein Abstraktum zum Thema gemacht hat: einen Gewissenskonflikt, generiert durch Angst. So etwas im Kino zum Thema zu machen, lässt zumindest von diesem Resultat her vermuten, das bedeutet, ganz stark den Weihrauchkessel der Bedröppeltheit vor der Leinwand schwingen, Kontextvernebelung, damit nicht auffällt, dass die Figuren keinerlei Grundkonflikte, keinerlei Geschichte und Zukunft und Hoffnung haben; dass sie lediglich der Bebilderung eines Abstraktums, vielleicht eines ethischen Wertes zu dienen haben; das wirkt insofern befremdlich – oder kunstvoll, für wers glaubt – als Ethik eben genau da gefordert wird, wo Menschen durch ihren Charakter und ihre Handlungen in Konflikt geraten. Fehlt diese Charakterisierung, so fehlt dem Konflikt der Boden. Er bleibt abstrakt, theoretisch.

Hier allerdings wird zwanghaft ein äußerlicher Konflikt hergestellt, dem jegliche Glaubwürdigkeit abgeht: Layla sucht einen Job, von dem sie sich und ihren Buben ernähren kann. Sie findet diese Lügendetektorgeschichte. Die Filmemacherin definiert klar, was Lüge sei, dass jemand zwei Wahrheiten in sich trage und bei jeder Äußerung zu entscheiden habe, welche gerade gelte.

Layla überfährt bei ihrer Reise ins Casino nachts den Vater von Eugene. Eugene wird am nächsten Tag als einziger Weißer einer ihrer Kandidaten sein für den Job eines Fahrers.

Der fachlich-berufliche Aspekt wird minimal geschildert, nur um die beiden Figuren alsbald und etwas erratisch im Haus von Eugene und seiner Stiefmutter auftauchen zu lassen. Warum die jetzt so oft da sind, wird weiter nicht begründet; wahrscheinlich um Gewissenskonflikte zu bebildern.

Layla muss aufpassen, dass sie nicht auffliegt. Ja, das ist es in etwa. Vielleicht noch: die Wahrheit gibt nicht so schnell auf. Das lernen wir aus diesem Film, der in gewisser Weise fasziniert scheint von Gefühlen, die mit Gewissen zu tun haben, und diese einzukreisen versucht und dabei oft einen mysteriösen Hauch verströmt bis zu Momenten des Horrors.

Einmal wird auch ein toter Hund begraben. Der tote Affe allerdings nicht. Im übrigen vermeidet der Film jede mögliche geographische Klarheit. Denn das Gewissen kann überall aktiv werden. Das akzentuieren freischaffende, bedrohliche Instrumentaleinzeleinsätze auf der Tonspur.

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