First Position

Ein Kessel Weltbuntes rund um den „Youth America Grand Prix“ in New York, dem weltwichtigsten Tänzer-Nachwuchswettbewerb, einer möglicherweise karriereentscheidenden Berufseinstiegs- oder Stipendienchance für junge Tänzer.

Eine Kraut- und Rübendoku über ein spannendes Thema, was aber selbst nicht die Disziplin und Systematik des von ihr beobachteten Objektes aufbringt. Muss ja nicht sein. Darf sich dann aber auch nicht über reduziertes Interesse wundern. Es geht um die weltweite Suche und Auslese künftiger Tanzstars. Um den „Youth America Grand Prix“ in New York, in dem eine extreme Auswahl aus 5’000 Tänzern, die sich in weltweiten Vorentscheidungen qualifiziert haben, im Finale sich bewerben um Medaillen, um Engagements an den ersten Ballettcompagnien der Welt oder um ein Stipendium bei einer der berühmtesten Ballettschulen der Welt. Wer hier nach vorne kommt, hat eine Zukunft als Tänzer schon ziemlich sicher.

Was macht nun Bess Kargman, die Regisseurin mit diesem Thema? Sie hat sich an mehreren Orten auf der Welt und aus den verschiedenen Altersklassen Ballettkinder und -jugendliche ausgesucht, die eine gewisse Chance versprachen, ins Finale zu kommen. Hat die immer mal wieder besucht, war bei regionalen Vorentscheidungen dabei und natürlich beim Finale in New York, von wo sie überaus ausführlich die Verleihung und auch den Publikumsapplaus zeigt.

Alles ist ein bisschen willkürlich oder man könnte sagen sehr spontan; wer sich fürs Ballett interessiert, erhält gewiss lohnende Einblicke und Informationen, es wird ja auch nicht beschönigt, wer sich für ein Kino á la Frederick Wiseman wie in „La Danse“ von 2009   interessiert, dürfte bei dieser doch recht beliebigen Melange enttäuscht werden.

Gleich anfangs zeigt uns ein Junge einige der Trainingsgeräte, die auch schmerzhaft sein können, den Fusstrecker zum Beispiel.

Michaela ist schwarzer Hautfarbe mit einem Pigmentfehler, kommt aus Sierra Leone, hat dort den grauenhaften Krieg erlebt, hat Vater und Mutter verloren, musste mit ansehen, wie ihrer Lehrerin Hände und Beine abgehauen worden sind; sie hatte das Glück, von einem Ehepaar in Amerika adoptiert zu werden. Sie dürfte die faszinierendste Protagonistin dieses Filmes sein; unglaublich die Persönlichkeit, die Präsenz und auch das Können, was sie mit ihren 15 Jahren schon drauf hat und wie selbst ein New Yorker Publikum auf Anhieb elektrisiert.

Rebecca ist 17,  Amerikanerin, sie will Profi werden, kommt aus bürgerlichem Milieu, ihre Eltern haben viel Geld in ihre Ausbildung investiert.

Überhaupt ist zu erfahren, dass die Kosten einer Tanzausbildung in die Tausende und Zehntausende gehen kann. Allein ein Paar Spitzentanzschuhe kostet 80 Euro und kann an einem einzigen Tag harten Trainings verschließen werden.

Auch der elfjährige Aaron, dessen Vater bei der amerikanischen Armee ist und immer an anderen Orten der Welt wohnt, hat das Zeugs zum Profi.

Oder Miko, deren jüngerer Bruder allerdings wenig Interesse und keine professionelle Einstellung hat. Einmal zeigt die Regisseurin blutende und verwundete Füße.

Michaela ist kurz vor dem Finale nah an einem Bänderriss. Sebastian aus Kolumbien hofft als Tänzer den einfachen Verhältnissen seines Heimatlandes zu entkommen. Michaela hat sogar schon ein Ziel für nach der Karriere. Dann will sie in Sierra Leone eine Ballettschule gründen.

Aus dem Finale selber zeigt die Filmemacherin sowohl die Protagonisten ihres Filmes als auch Stürze und grobe Fehler sowie sensationelle Auftritte anderer Teilnehmer. Gelegentlich filmt sie bei ihren Protagonisten zuhause, da wird auch mal über die Ernährung geredet. Darüber, dass Tänzer viel essen müssen, denn der Tanz braucht viel Energie. Oder darüber, dass Miko zum Beispiel zuhause unterrichtet werden soll, damit sie mehr Zeit fürs Ballet hat. Sie vermisst schon die Schulfreunde und hat nur ihren Hund, den kleinen Bruder und die Mutter, die fast einen Nervenzusammenbruch kriegt, wie der Bub sein Desinteresse am Tanz zeigt, und Mama droht, jetzt müsse er in der Schule sehr gut werden, um an eine Eliteuni zu kommen.

Der Kolumbianer erfüllt mit dem Tanz den Wunsch seiner Mutter, die sich selber als eine frustrierte Tänzerin sieht und sich eine Tochter wünschte, die Tänzerin wird. Jetzt wird es halt der Sohn.
 

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