The Grandmaster

Wong Kar Wais überwältigendes Kampfkunst-Opus fotografisch von Kameramann Philippe Le Sourd in eine Orgie von Licht- und Farbspielen veredelt und durch einen asketischen Faden der Geschichte des Kung Fu in der Zeit von den 30ern bis in die 50er-Jahre des vorigen Jahrhunderts anhand der Liebesgeschichte von Tony Leung Chiu Wai als IP Man und Ziyi Zhang als Gong Er greifbar gemacht, immer wieder angereichert mit Philosophemen über asiatische Kampfkunst vom Prinzip der 64 Hände der nordchinesischen Gong-Dynastie bis zu den 8 Füßen des Vertreters des Südens, IP Man.

Die deutsche Synchronisation orientiert sich diszipliniert an den Prinzipien des Kung Fu: waagrecht oder senkrecht.

Das Feuer braucht frisches Holz, meint der Altmeister Gong und will zum Ende seiner Ära gegen den besten Kämpfer des Südens antreten. Das ist IP Man. Der besiegt ihn. Der Austragungsort ist der „Goldene Pavillon“, ein grandios ausgestattetes Bordell, gut angesehen bei der Society. Hier findet der Kampf statt. Üblicherweise geht dabei einiges zu Bruch. Aber das Prinzip von IP Man ist, dass bei ihm nichts zu Bruch geht. Das wird er äußern, nachdem er den Altmeister besiegt hat und dessen Tochter, Gong Er, ihn zum Kampf herausfordert. Falls bei ihm was zu Bruch gehe, so gebe er sich geschlagen, mit diesen Worten eröffnet er den Kampf.

Über die nächsten Jahrzehnte werden die beiden sich immer wieder begegnen, aber der Krieg, das Schicksal treibt sie auseinander. IP Man verliert alles, muss in Hong Kong versuchen, wieder auf die Beine zu kommen. Betreibt eine Kung Fu Schule. Gong Er betreibt dort eine Praxis mit Naturmedizin.

Kampfkunst, Tanzkampf, Kampftanz, alle diese Elemente gehen bei den Kampfszenen harmonisch ineinander über. Die Füße bewegen sich im Kreis. Der Kampf zwischen IP Man und dem Altmeister Gong besteht aus einer filigran-choreographierten Tanz-Kampf-Szene, das einzige was in Brüche gehen soll, ist ein Stück Kuchen, was der Altmeister in der Hand hält und was IP Man brechen soll. Das wird nicht leicht sein, schon gar nicht physisch, denn der Altmeister kann seine Hand so weich machen, dass das Brot nachgibt. IP Man führt einen sensationellen, schier zirkusreifen Zauber- und Beschwörungskampf auf, bis das Brot am Ende wie von selbst abbricht. Ein magischer Kinomoment.

Das Agenten- und Kollaborateurs-Element vertritt die eher hinterhältige Figur Rasiermesser, der anfangs ein Kuomintang-Agent war und später wieder in Hongkong auftaucht. Dieser Rasiermesser hat den Vater von Gong Er getötet. Jetzt erwartet sie ihn am Bahnhof und fordert ihn heraus, was zu einer weiteren extraordinären Kampfszene führt, vor einem endlos aus dem Bahnhof ausfahrenden Zug, der mehrere Kilometer lang sein muss; aber diese kinokünstliche Länge durchaus als Methode offengelegt. Gong Er ist eine Kämpferin, die mit dem Geräusch brechender Knochen aufgewachsen ist.

Dem Film hintangestellt ist ein Zitat von Bruce Lee, dass ein echter Kampfkünstler nicht für etwas lebt, er lebt einfach. Mögen Hände und Füße am Ende doch machen, was sie wollen.
So macht vielleicht Wong Kar Wai auch einen Film an der Grenze zum Kampfmanierismus.

2 Gedanken zu „The Grandmaster“

  1. Der Vater von Gong Er wird nicht von Rasiermesser getötet, da verwechselt du die Figuren mein bester…

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