Ein Film wie mit einer musterhaften Schrift in einem Schulschreibheft mit einem Schriftzug wie aus indischen Schriftzeichen, die alle weich und gewunden sind, nie eine Kante, nie eine Ecke, wie ein einziges Endloszeichen. So fügt Gauri Shinde, der Autor und Regisseur, die Bilder zu einem schmeichelnden Bindfaden einer Geschichte zusammen, einer ganz einfachen Geschichte, die ihre oberflächliche Verbindlichkeit aus der ausführlichen Beschreibung der für die Geschichte nötigen Vorgänge bezieht.
Der Titel gibt das Thema vor. In Indien wird zwar offiziell Hindi gesprochen, aber das indische Englisch, das Vinglish, wie die Inder es parodistisch nennen, nimmt einen immer größeren Raum ein. Wer diese Sprache nicht beherrscht, wird zum gesellschaftlichen Außenseiter. Wer das nicht bleiben will, das ist die Moral von der über zweistündigen Geschichte, der muss Englisch lernen.
Was aber macht nun eine gegen das mittlere Lebensalter vorrückende indische Frau und Mutter, die mit einem Geschäftsmann verheiratet ist, einen Buben und ein Mädchen hat, die Englisch können oder es am Lernen sind, im Gegensatz zu ihr, die für die Familie Geld verdient, indem sie Laddu, eine Süßigkeitenspezialität, herstellt und verkauft; die aber bei jeder sich bietenden Gelegenheit von ihren Kindern blöd angemacht wird, dass sie kein Englisch könne?
Ihre Schwester lebt in New York und will heiraten. Für die Hochzeit soll die indische Verwandtschaft selbstverständlich anreisen. Die Umstände wollen es, dass Familie Gdbole entscheidet, dass die Mutter, Shashi, die kein Englisch kann, allein vorausreist und einige Zeit bei ihrer Schwester in New York verbringt.
Ein paar Sätze für die Passkontrolle hat sie gelernt. Aber sie verhält sich schüchtern, stellt ihr Unwissen und die entsprechende Hilflosigkeit aus. Im Flugzeug versucht ein Sitznachbar ihr einen englischen Film zu übersetzen, was die übrigen Passagiere aufregt.
In New York fängt sie heimlich an, einen Englischkurs zu besuchen. Sie fängt an, ihre Selbständigkeit zu entdecken. Sie macht eine Entwicklung durch. Sie lockt sogar einen französischen Verehrer, Laurent, an.
Wie ihre Familie zu früh nachreist, gilt es, den Englischkurs nicht auffliegen zu lassen, andererseits die Hochzeit nicht zu gefährden, denn just am Hochzeitstag wäre der Abschlusstest der köstlichen Englischklasse. Hier gibt es auf Sicht einige Komplikationen, die aber weich und sanft gelöst werden.
Die Darstellerin der Hauptrolle der Shashi spielt Sridevi Kapoor, ein Midlife-Star, die in ihren Bewegungen viel von einer indischen Tänzerin hat, was besonders deutlich rüberkommt, wenn sie perfekt beherrschte Tanzbewegungen vorführt; so ist aber auch ihre berechtigte Szenendominanz wie die einer Primadonna, durch und durch kontrolliert, jedes Gefühl fast tanzmimisch ausgestellt und gesetzt, dadurch gelegentlich etwas sperrig wirkend, was aber der Süßlichkeit der Erzählung, die immer wieder von Gesangsnummern mit dem Refrain English-Vinglish unterbrochen wird, sogar ganz gut tut.
Die Gefahr dieses Erzählens an der bildlichen Oberfläche ist die des Abgleitens in Weich-Schwammiges; so kann etwas Draht nur hilfreich sein. Um Shisha herum bildet sich die Erzählung wie ein Kristall heraus. Eine Grundaussage solch indischen Startums scheint mir: schön zu sein, große Augen machen, schön, perfekt gekleidet, perfekt in der Bewegung, es darf keine Irritationen geben, es darf nichts Unvorhergesehenes passieren, keine Improvisation; Film wie eine strenge Choreographie; diesem Gesetz ordnet sich auch die Erzählung unter, die genau überlegt, was sie zur Illustration des thematischen Problems der Sprache alles anführen soll, welche Scherze auch, welche Ansätze zu Intoleranz, wobei gut nebenher das Thema Toleranz auch auf Schwulität ausgeweitet werden kann, denn den Teacher in New York hat gerade sein Freund sitzen lassen, was zu einer aufgeregten Diskussion über den Topos führt, selbstverständlich wird die Hauptdarstellerin, die selber unter dem Sprachdefizit leidet, das Toleranzargument so verteidigen, dass klar ist, Widerspruch wird nicht geduldet.
Ein Witz in der U-Bahn, wie Shashi von ihrem Verehrer Laurent begleitet wird und er sich lustig macht über eine fette, weiß gekleidete und mit weißer Perücke ausstaffierte Dame, sie würde aussehen wie ein Knoblauch.
In einem kurzen Kinobesuch-Ausschnitt aus „Damals in Paris“, einem Film von 1954, ist Liz Talyor zu sehen; da wird der Unterschied zwischen indischer und Hollywoodfilmstarperformance drastisch deutlich. Ein Thema, was hier sicher ausgiebig vertieft werden könnte zur Eruierung eminenter Differenzen zwischen Bollywood und Hollywood – und warum uns Hollywood denn doch immer noch näher liegt.