The Sapphires

Ein sympathisches Agit-Prop-Movie für die Sache der australischen Aborigines durchsetzt mit antörnenden Soul-Klängen.

Es wird die Geschichte von vier Aborigines-Sängerinnen erzählt, die zur Zeit des Vietnamkrieges für die amerikanischen Soldaten an der Front gesungen haben. Dem Film voran stellen Tony Briggs und Keith Thompson, die Drehbuchautoren, ein paar nüchterne Infos über die Behandlung der Aborigines in Australien durch die Weißen. Dass diese jene zuerst noch zu Fauna und Flora gezählt hätten und dann ein Hinweis auf die grauenhafte Politik, Kinder den Aborigines wegzunehmen und sie zu weißen Familien zu bringen, damit sie den „white way“ kennen lernen und auf diese Art erzogen würden. Man spricht von einer „lost generation“. Ihrem Andenken ist dieser Film von Wayne Blair gewidmet.

Die Geschichte fängt 1958 an mit vier munteren Mädels, die in weißen Röckchen im Reservat „Cummeragunja“ vor Publikum auftreten und Lieder schmettern. 1958 sind von den vier Mädels noch drei im Reservat geblieben. Das vierte war Opfer einer dieser Kindersammelaktionen und lebt nun in Melbourne, spricht einen gehobenen Akzent.

Die drei zuhause gebliebenen Geschwister lesen von einem Song-Contest in ihrer Nähe. Sie machen sich auf den Weg mit einer Gitarre. Vor Ort lernen sie den abgestürzten und alkoholisierten Musiker Dave kennen, der den Wettbewerb musikalisch begleitet und ansagt. Dass die perlenbehangene weiße Lady die unbegabteste Wettbewerbsteilnehmerin zur Siegerin krönt, das ärgert ihn. Das äußert er lautstark. Denn die Mädels aus Cummeragunja, ein Wort, das er nie auf Anhieb aussprechen kann, falls er überhaupt damit zu Ende kommt, die seien eindeutig die Besten gewesen. Dadurch kommen sie ins Gespräch.

Die Mädels haben ein Zeitungsinserat in der Hand, dass Frontsänger/innen für Vietnam gesucht würden. Wie Dave Lovelace von der Gage hört, wird er wacher und aktiver. Gleich hat er sich und die Gruppe zum Casting angemeldet. In Melbourne treiben die 3 Mädels ihre Halbschwester auf, deren Vater Ire sei, und nach einigem Hin und Her schließt diese sich an. Dave ist jetzt plötzlich hellwach, schneller Wandel von der Absturzfigur zum Erfolgsmanager. Er erklärt den Mädels klar, wer die Lead-Sängerin ist, und auch den Unterschied zwischen Country-Music und Soul; dass dieser nämlich das Thema Verlust nicht nachhängend, sondern kämpferisch angehe.

Bis die Mädels in Vietnam eintreffen ist knapp eine Filmstunde vergangen. Ab da sind sie längst eine perfekte Gruppe, die uns nun viele wunderbare Songs in den verschiedensten Vietnam-Dekors und Kostümen bieten. Dazwischen erwartbare Liebes-Geschichten, die gar nicht erst versuchen, durch Originalität aufzufallen. Aber mit Gefühl nicht sparen.

Sollte auf den australischen Film zutreffen, was auch schon mein Eindruck war, dass er ungemein lässig sich auf die Leinwand fläzt, so trifft das hier sicher zu; ganz unskrupulös keine Energien für unnötige Details verschwendend. Von der Ermordung von Martin Luther King erfahren wir in Vietnam am Fernsehen. Ein Film, der weniger darauf achtet, eine auf Erfolg gebürstete Story mit möglichst vielen Zuschauern zu werden, sondern der viel eher von Herzen kommt, dem das Anliegen der Aborigines wichtig ist; und der den Messagegehalt des Filmes mit tollen Songs mehr als wett macht.

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