Schach wird in diesem Film von Michael Hoffman, zu dem Ethan und Joel Coen das Buch geschrieben haben, nicht gespielt. Obwohl der Titel auf eine berühmte Eröffnung beim Schachspiel referiert, bei dem der Spieler ein kalkuliertes Bauernopfer bringt.
Das Spiel, das Machtspiel, das Rachespiel, was hier stattfindet, ist eines des Kunstkurators Harry Deane, der von Colin Firth gespielt wird, gegen den ihn kujonierenden Boss Shabandar, gespielt von Alan Rickman. In der Fantasie von Colin Firth ist Shabandar ein grobschlächtiger Engländer, der gerne als Nudist im Büro sitzt und mit breit aufgerissenem Mund und derber Sprache seine Mitarbeiter wie Schweine behandelt. Ein wahrer „shitbag“. Diese Träume im Film zu illustrieren setzt Alan Rickman gewaltige Theatermittel und -stimme ein.
Shanbandar ist ein bedeutender Medienunternehmer, superreich und Kunstsammler dazu. Ein wichtiges Stück in seiner Sammlung ist ein Bild von Monet, „Heuschober in der Morgendämmerung“, das Shabandar vor Jahren für 11 Millionen britische Pfund ersteigert hat. Zu diesem Bild existiert ein Pendant, „Heuschober in der Abenddämmerung“, da sind die Schatten der beiden Heuhaufen deutlich länger. Dieses Bild gilt als verschollen. Mit der vermeintlichen Wiederentdeckung des Bildes will Deane seinen Chef ködern und ihm 20 Millionen Pfund abknöpfen; denn Deane kennt einen Hobbymaler, der ein genialer Bildfälscher ist.
Beim Versuch, den Plot nachzuerzählen, wird sofort klar, dass die Schreiber, die Coen-Brüder also, Vollprofis in ihrem Beruf sind, die das Komödienhandwerk aus dem Effeff kennen und beherrschen. Hier schien ihnen das offenbar allzu leicht; also machten sie es sich doppelt schwer. Einmal mit der Eingangssequenz, die sich dezidiert an Peter Sellers und dem rosaroten Panther orientiert, indem sie in ähnlicher Weise eine animierte ist und auch der Sound dazu als Referenz an die bekannte Melodie. Aber sie machten es sich auch schwer mit der Figurzeichnung des Harry Deane. Der scheint in manchen Dingen so tapsig, so ungeschickt – ihm wurde aber nicht das Gegengewicht, jene Peter Sellers-Eigenschaft, die diesen so großartig das Unglück immer wieder überstehen lässt, zugeschrieben, ein forsches, beherzt-naives Draufgängertum nämlich, nein Deane ist ein Frustrierter, weil er von seinem Chef so wenig Anerkennung genießt, eine humorlose Figur, die noch dazu allzu plump selber den Chef auf das Bild aufmerksam macht.
Deane hat nämlich mit seinem Hobby-Maler-Freund (der dürfte gerade dabei sein, einen Gerhard Richter zu fälschen) ausgeheckt, dass dem Bild eine Vorgeschichte mit dem dritten Reich, was filmisch längst nicht mehr zündet, mit Hermann Göring und einem amerikanischen Befreiungssoldaten angedichtet wird. So können sie erklären, dass dieser echte Monet in einem abgewrackten Wohnwagen irgendwo in Texas gelandet ist. Auch die Idee mit der sexy Frau, die ihn besitzt, ist ungefähr so originell, wie auf einem Autosalon eine Blondine vor ein neues Automodell zu stellen. Alles nur, um den Fisch zu ködern.
Zu schnell fängt leider in diesem Film das Gefühl des Déja-Vus an. Deane und sein Maler reisen nach Texas, um die Blondine aufzutreiben. Die reitet grade ein Rodeo. Aus der amerikanischen Filmtrickkiste, zum Beispiel Affe auf Pferd. Wobei es dramaturgisch voll in Ordnung ist, zuerst den Traum von Deane zu inszenieren, wie er sich vorstellt, wie alles reibungslos beim Chef abläuft, um dann die Realität dagegen zu stellen. Erstmals die texanische Realität. Zu dieser gehört die amerikanische, gespensterbahnhafte Filminventar-Alte, hier Variante: in Windeln. Mit der Blonden und der Alten wird ein Portrait im Wohnwagen gemacht, dahinter der Fake-Monet. Das Bild wird in einer Reportage in einer Pferdezeitschrift von Shabandar platziert.
Jetzt fängt es an sehr plump zu werden. Deane sucht extra seinen Chef auf, wundert sich bescheuert noch über dessen Anzug, weil er ihn aus seiner Wutfantasie als Nudisten im Chefbüro in Erinnerung hat, und macht ihn, schwerfüßiger geht es nicht, auf das Bild aufmerksam. Der Chef wundert sich, seit wann Deane sich für Pferdezeitschriften interessiere. Tut das Bild sogleich als Fälschung ab. Vermutlich hat der Chef seinen Kurator schon in diesem Moment durchschaut. Das macht es nicht spannender. Er pflückt stattdessen die blonde Blüte, die, weil er sich scheinbar darauf einlässt, diese samt Bild nach England zu holen, setzt diese in eine geschäftliche Auseinandersetzung mit Japanern ein, wie wir sie auch nur als Déja-Vu sehen können.
Die Charakterisierung von Dean ist auch in vielen Slapstick-Szenen schwerfällig, wenn sie auch alle gut inszeniert sind. Sein Problem mit einer Sitzgelegenheit beim Chef, mit einem Konservenglas in seiner Wohnung, mit einer von innen genässten Hose, alles nicht sehr originell, alles schon x-fach gesehen, wenn auch gründlich und ich würde sagen mit großer Leinwandpräsenz und -klarheit dargeboten; schließlich die Fassadenkletterei am Savoy-Hotel mit der chinesischen Vase (und die Dame im Zimmer, in das er sich flüchtet, die knalllaut eine dämliche Flatulenz ablässt, ha ha, dann er ohne Hose, ha ha). Da kommt die Idee auf, hier sind Schuljungs am Werk, die schon viele Filme gesehen, aber vom Leben keine Ahnung haben und von der heutigen Welt und was die Menschen darin beschäftigt und die jetzt auf dem Dachboden diesen Film entwickeln.
Spannend finde ich die Besetzung von Shahbandar mit Alan Rickman, der in vielen Moment an den fast 100-jährigen Berthold Beitz erinnert, der immer noch die Geschicke von Krupp lenkt. Aber Colin Firth ist kein Cromme. War ja auch nicht die Absicht. Und wenn Deutsche im amerikanischen Film vorkommen, dann doch lieber als Nazis. Halt, es kommt noch einer vor, der muss mindestens einen jüdischen Namen haben, Stanley Tucci als Martin Zaidenweber, der einen grausamen Dialekt aufbietet, der in Amerika wohl als Deutsch verscherbelt werden soll. Zaidenweber war Kurator in der Kunstsammlung Köln und bei der Sammlung Thyssen-Bornemisza.
Das größte Defizit dieses Filmes dürfte sein, dass sich die Autoren zu sehr bepisst haben vor Vergnügen, wenn sie Versatzstücke aus der Filmgeschichte gefunden haben. Darob scheinen sie vergessen zu haben, dass für das Funktionieren einer Komödie ein genaues Studium der Charaktereigenschaften der Figuren und vor allem der konsequente Einsatz dieser Eigenschaften in die Dynamik der Handlungsentwicklung nötig ist; dass es nicht reicht, es köstlich zu finden, weil einem die Hose nass wird vor Angst vorm Chef. Denn so einer ist nun garantiert nicht der Typ für einen Streich, wie derjenige, den Deane hier ausheckt. Sellers war nie eine frustrierte Figur, oder wenn, dann hat er mit Lust gegen den Frust gehalten. Das fehlt hier. Dieser bunten Suppe aus Slapstick- und Comedy-Versatzstücken fehlt die Würze eines antreibenden, umtriebigen Charakters. Colin Firth ist nun bei Gott kein Peter Sellers. Aber das ist nicht sein Fehler.