So spontan die Regisseurin Carolin Genreith aus „Der mit dem Wolf tanzt“ „die mit dem Bauch tanzen“ assoziiert hat, vermutlich des Klanges wegen, garantiert ohne gründliche Recherche oder gar Absicht der Referenz auf den berühmten Film, genau so spontan dürfte ihr die Idee gekommen sein, die Bauchtranzgruppe in einem Dorf in der Eifel zu portraitieren, in der ihre Mutter mitmacht. Das charakterisiert schon ganz gut die spontane Haltung.
Die Dokumentaristin selber ist sei über acht Jahren aus dem Dorf ihrer Jugend ausgewandert nach Berlin. Ihre Haltung zu der Gruppe vor allem älterer Frauen, die sich mittwochs zum Bauchtanz treffen und die einmal im Jahr eine Parisreise unternehmen, um dort ein Wochenende lang in Bars und auf Plätzen aus Freude zu tanzen, ist anfangs skeptisch bis zwiespältig. Das zeigt eines der ersten Bilder. Eine Kuhherde irgendwo in der Eifel, braungeflecktes Vieh, das glotzt nach vorn, alle in einer Richtung. Da ist eine Steinmauer. Über die kommen plötzlich die Frauen in ihren Bauchtanzkostümen in einer Reihe angetanzt. Ein groteskes Bild. Ein köstliches Bild.
Aber die Filmemacherin ist eigensinnig, so wie sich auch ihre Mutter herausstellen wird. Sie bleibt dran an ihrem Objekt. Ihre Neugier wird der Leitfaden ihres Berichtes. Drei Frauen beschreibt sie näher. Selbstverständlich ihre Mutter (und auch sich selbst, als dreißigjährige, beziehungslose Frau ohne geregelten Alltag), die davon erzählt, wie sie sich von ihrem Mann gelöst hat, wie sie nach reiflicher Überlegung ausgezogen ist und sich einen feschen, großen, jüngeren Mann mit Pferdeschwanz geangelt hat. Der scheint ganz happy, denn sie macht auch die Wäsche für ihn und schenkt ihm zum Martinitag einen Baum mit bunten Kreppbändern, was ihn schon verblüfft, so etwas hat er noch nie erhalten.
Marita ist die Leiterin der Gruppe, groß gewachsen, künstlich blonder Lockenkopf, seit ewig mit dem gleichen Mann verheiratet. Eine Frau, die nichts aus ihrer Heimat weg bringen könnte, die sogar zu ihrem Studium in Köln von zuhause aus gefahren ist. Sie arbeitet mit Behinderten. Das macht ihr Spaß. In ihrer Familie, die Tochter und die zwei Söhne sind jetzt erwachsen, gabs immer Struktur übers Jahr von Fasching und dem Wegfahren mit dem Wohnwagen an Pfingsten bis zu den Festen des Dorfes.
Ferner die Malerin, die forsche Bilder auf die Leinwand bringt, die allein ist und nicht so richtig darüber reden will, aber die auch Mühe hätte sich ein anderes Leben vorzustellen, denn sie kann machen, was sie will. Mit ihr erleben wir die Vernissage einer Ausstellung mit Bildern von ihr in einem Schloss, was hier ein öffentliches Gebäude ist.
Dann die Fahrt nach Paris, da war es unserer Filmemacherin anfänglich gar nicht so wohl im TGV, wie die Frauen mit leicht forcierter Fröhlichkeit ihre Brotzeit auspacken und mit Sekt sich zuprosten und dann die Stimmung in Paris.
Ein Film, der fürs Fernsehen gemacht worden ist, insofern von sich aus keine Kinoambition, an der er gemessen werden müsste, vorweist; der aber sicher besonders für Frauengruppen eine anregende Unterhaltung sein dürfte und Diskussionen über das Leben in der Stadt, oder so luxuriös, wie es dem Städter scheint, auf dem Lande, und sowieso über die Befindlichkeiten von Frauen im Zusammenhang mit dem Älterwerden und natürlich dem Bauchtanz ermuntern könnte. Weil es sich hier um einen sehr persönlichen, sympathischen Bericht aus dem Dorf handelt, dessen Qualitäten nicht zuletzt darauf beruhen, dass die Dokumentaristin diesen persönlichen Zugang zu den Menschen hat und offenbar die Filmemacherin überhaupt nicht hat raushängen lassen.