Stimmungsbilder inspiriert nach einem Roman von Alfred de Musset; als Grundlage für diesen Versuch einer Annäherung an Alphonse de Musset dient der Regisseurin Sylvie Verheyde sein autobiographischer Roman „Bekenntnis eine jungen Zeitgenossen“, vor allem die Stimmung darin scheint die Filmemacherin zum Schwelgen in nostalgischen Bildern, farblich leicht verblasst wie in alten Fotoalben, verführt zu haben und erzählt insofern dass die Autorin vernarrt ist in Mussets Welt und deren Atmosphäre schwebend unausgesprochener Liebe und deren Tändeleien ohne dem unvoreingenommenen Zuschauer einen plausiblen Zugang verschaffen zu können, obwohl von der Hauptfigur Octave viel Musset-Text als Voice-Over eingesprochen wird. Sylvie Verheyde erzählt stattdessen, dass sie alte Betten, alte Bettwäsche, alte Interieurs, alte Klamotten, alte Unterwäsche mit jungen Menschen darin faszinieren.
Der Dichter Octave leidet an der Krankheit des Jahrhunderts. Er träumt von der großen Liebe. Er ist verliebt in Brigitte. Es ist schwärmerische Liebe, mindestens eine Stunde lang in diesem Film, eine unerklärte Liebe, eine nicht realisierte Liebe. Das hebt sie angenehm ab von der im heutigen Kino vorwiegend ohne jede Erotik dargestellte sexuellen Liebe, zack zack, dass noch bevor eine Erregung möglich ist, die Partner im Bett landen und sich im Sextraining abstrampeln.
Diese Liebe aber, die Sylvie Verheyde sich hier vorgenommen hat, die ist jedoch ein Stillstand. Eine Szene ist wie die andere, wenn nicht ganz ausnahmsweise mal eine Vase zerdeppert wird oder Geschirr. Octave wird gespielt von Pete Doherty, einem Sänger, der hier mehr hätte singen sollen als nur im Abspann den Song vom Little Bird im Cage, und dass Love das Brot, der Wein und die Seele sei. Brigitte wird gespielt von der deutlich auf älter hergerichteten Charlotte Gainsbourg, die somit den Altersunterschied auch als Liebesverhinderung vorgeben kann.
Brigitte und Octave sind also oft im Bild, gerne die eine Figur frontal und die andere maximal im Profil. Octave spricht Musset-Monolog-Sätze in voice-over. Es ist die Darstellung einer Befindlichkeit, einer Spannung der Ausgeglichenheit, die keine Dynamik in Gang setzen kann, diese geradezu verhindert. Denn diese Menschen leben in feinem Milieu, sie müssen nicht arbeiten, sie haben gar nichts zu tun, außer für die Liebe da zu sein. Die sie doch nicht erfüllen können. Im Wartestand vor der Liebe.
Nach etwa einer Stunde geht es dann doch darum, sich allmählich aus den vielen Klamotten zu schälen und sich körperlich näher zu kommen. Was merkwürdigerweise ohne besondere Erotik vor sich geht. Es wird noch die Gegenposition gegen die schwärmerische Liebe angeführt. Für sie ist als Darsteller August Diehl als Unsympath Desgenai engagiert worden, der die Männerwelt des Fleisches, des Kapitals in einem Englisch vertritt, was wie die Faust aufs Auge zum Schmelz von Dogherty passt.
Sich verzehren in Liebe mit dem immer gleichen, nicht uninteressanten Gesichtsausdruck, dem rundlichen Gesicht, wobei die Rundungen kaum mehr Kinderspeck sein dürften, aber so wirken sie bei Dogherty. Eine nicht besonders sympathische Figur, die nur darauf aus scheint, ihr eigenes Unglück zu zelebrieren oder die Feigheit vor der Liebe.
Nachdem die körperliche Liebe dann doch passiert ist, zieht das Paar für eine Weile nach Paris. Da taucht ein Verwandter von Brigitte auf. Octave wird eifersüchtig. Die Regisseurin scheint es zu genießen, in dieser leicht morbiden Bilderwelt sich suhlen zu können, etwas anhalten zu wollen, was sie nicht anhalten lässt. Unter gänzlichem Verzicht auf ein dramaturgisches Gerüst.
Ein Geschäft gibt es allerdings. Der Vater von Octave stirbt, das gibt ihm nicht nur ein Erbe, das die Paris-Reise erlaubt, es macht ihn offenbar auch frei für die körperliche Liebe. Dann treibt die Eifersucht Octave zur Idee einer plötzlichen Abreise aus Paris. Aber just in diesem Moment wieder ein merkwürdiger Stillstand, wie Brigitte stante pede mitgehen will, da macht er keine Anstalten. Dann will sie Briefe verbrennen, sucht leicht verdattert den Schlüssel für ihren Schreibtisch. Jetzt ist es an der Zeit, die Entwicklung von Octave zu verdeutlichen: er schaut selbstquälerisch in den Spiegel und stellt fest, dass er doch noch ein Kind sei, was dachte ein Mann zu sein.
Die Dramaturgie kann sich nicht für einen Protagonisten entscheiden, darum wabert der Film vornehmlich im Unentschiedenen. Sie will das Phänomen der Liebesverzehrung eines jungen Werthers bebildern? Daraus wird hier Octaves perpetuierter Missmut.