Mit einem mächtigen, kontrastreich bebilderten Oratorium fängt der Film an. Christliches Oratorium versus Gefängnisrevolten- und Gefängnisausbruchsbilder aus Bangokok, wo die Hangovers beim letzten Film zuletzt waren und Mr. Chow noch im Gefängnis einsitzt.
Irgendwie muss sich Todd Phillips, der mit Craig Mazin auch das Drehbuch geschrieben hat, bei seinem Appetizer in der Schublade geirrt haben oder sie wussten noch nicht recht, wo sie die Hangover-Mannschaft für ein 3. Sequel hinplatzieren sollen, wo und wie sie verrücktes Über-die-Stränge-Schlagen für sie ersinnen sollten.
Geistesblitz, dann hatten die Autoren eine Idee, das ist sicher ein verrücktes Bild, wenn unser Alan mit seinem PKW und einem Anhänger, bei dem oben eine Giraffe rausschaut, über den Motorway donnert. Vor allem wenn eine Brücke naht und der Giraffe dadurch der Kopf abgeschlagen und über die Brücke geschleudert wird und auf der Windschutzscheibe eines PKWs landet. Dahinter ergibt sich konsequenterweise eine Karambolage, die es in die News schafft. Und selbstverständlich in den Trailer, in dem auch zu lesen ist: von Chaos und Fehlentscheidungen; kann nur das Drehbuch gemeint sein.
Also lassen wir die Action geistesdröge aus abgestandenstem Fundus fahren, lassen alles erst mal in amerikanischer Familienbetulichkeit in Alans Depression zusammensacken. Denn mit Alan, das ist wirklich ein Problem. Er ist 42 und immer noch zuhause. Und kriegt nicht mal mit, dass sein Vater einen Herzinfarkt erleidet, weil er sich hinter seinen Kopfhörern verschanzt. Auf der Beerdigung lassen wir ihn als Countertenor ein Ave Maria singen, auch das ist trailertauglich und ergibt zusätzlich die Gelegenheit, seine Kumpels zu versammeln.
Aber irgendwie kommt die Filmexposition nicht so richtig aus den Startlöchern. Vielleicht weil das Brainstorming um die Geschichte immer noch nicht recht weiß, wohin. Oh, noch ein Einfall, wie wäre es mit einem Überfall von Ganoven in Schweinsmasken (auch trailertauglich), das hat doch sicher dieses Jahr noch keiner gemacht.
Da ließe sich doch sicher elegant über geistige Winkelzüge ein Zusammenhang mit dem Gefängnisausbruch in Bangkok zurechtbiegen. Also dass der Marschall hinter 21 Millionen von Chow her ist. Dass er meint, Chow sei bei den nicht mehr ganz so jungen Jungs. Und dass er weiß, dass die wegen Alan, dem Besserung angedeihen soll, über eine Autobahn irgendwo im Wilden Westen fahren. Denn hier in der Einöde würden Schweinsmasken für das Kidnapping doch sicher einen himmlischen Effekt abgeben, irgend etwas Attraktives für den Trailer müssen wir uns aus den Fingern saugen.
Da Chow aber nicht bei den Jungs ist, müssen die ihn also auftreiben und ihn samt dem Geld dem Marschall abliefern. Aha. Gut. Das setzt viel Geschrei und wenig Originalität in Gang. Beim Karaokesingen finden sie Chow. Der behauptet zu wissen, wo das Geld ist, in einer seiner Villen in Tijuana.
Weitere geistige Klimmzüge der Autoren entwickeln nun den Einbruch der Jungs in die eigenartig gesicherte Villa. 1. Betäuben der beiden bösartigen Wachhunde mittels Zahnarztspritze, denn wozu sonst ist Stu Zahnarzt. 2. müssen sich zwei der Männer die Hundeketten um den Hals binden, denn die haben Sender und lassen das Hundetürchen in der Wand öffnen, wodurch die beiden Hundemänner auf allen Vieren in die Villa zu kriechen haben. Jetzt müssen sie weiter auf allen Vieren an zwei Schaltkreise rankommen und gleichzeitig ein bestimmtes Kabel durchschneiden, fantastisch, woher die das Wissen haben, aber leider ist einer farbblind, was die eh schon mühsame Aktion noch mühsamer macht.
Weil das so öd ist, nutzen die beiden Kumpels, die vor der Villa warten, die Zeit für eine witzlose Werbung für die Textil-Marke Diesel.
Bald aber zeigt sich, das Chow alle reingelegt hat, und dies die Villa des Marschalls ist. Somit muss nun Chow gejagt werden. Der wird in Las Vegas geortet, weil sich dort nämlich am Caesars Palace eine Leintuchabseilaktion, die bei Dick- und Doof noch lustig gewesen sein mag, einbauen lässt. Immerhin, wie vorher der dicke Alan die dicke und dick chargierende Leihhausbesitzerin liebevoll anmacht und die herzzerreißende Szene mit dem roten Lolli (auch die trailertauglich), da geht einem das Herz kurz auf und man denkt bei diesem Film an einen teigigen 35-Cent Berliner mit einem Stück süßer Konfitüre darin, und überhaupt gewinnt ab hier der Film den netten Charme einer 70er-Jahre-Gaunerkomödie, von 70er-Jahre-Abenteuerkino. Wo auch für die Oma was dabei ist.
Immerhin gibt es gegen Ende noch eine schöne Ansicht von einem erhöhten Punkt auf Las Vegas, für das der Film ansonsten wenig Werbewirkung zeigen dürfte.