Zwei überraschende Entdeckungen hält dieser Film für uns bereit.
Zum einen findet der New Yorker Hobby-Höhlenforscher Christopher Nicola, der bei den städtischen Verkehrsbetrieben arbeitet, in der Ukraine in einem ausgedehnten Höhlensystem Spuren menschlichen Lebens, die nicht aus der Steinzeit, sondern aus dem letzten Jahrhundert stammen dürften und bei den weiteren Recherchen stößt er darauf, dass hier Menschen einen Weltrekord im Höhlenleben absolviert haben.
Diese überraschenden Informationen machen wett, dass es sich um einen weiteren Holocaust-Erinnerungs-Film handelt in einer schier unerschöpflichen Gedenkindustrie, deren Produkte nicht immer auch cineastische Spitzenprodukte sind.
Janet Tobias, die Autorin und Regisseurin dieser Dokumentation, die auch nachgestellte Spielszenen enthält, versteht es, zu vereinnahmen. Denn bei ihr dominiert die Freude am leichten Erzählen einer neu zu entdeckenden Geschichte mit ungewöhnlichen Schicksalen vor der häufig anzutreffenden bleischweren Schuldgefühlhaftigkeit unter deprimierender Verwendung von Bleifarben und längst abgegriffenem Nazikostümfundus.
Janet Tobias umschifft die gefährlichsten Klippen von Naziaufarbeitungsfilmen mit traumwandlerischer Sicherheit. Dafür garantiert schon ihr Ausgangspunkt: der New Yorker Höhlenforscher, der sich für Höhlen und nicht für Nazis interessiert. Das bestimmt die Haltung des Filmes, gibt ihm einen wunderbar unvoreingenommenen Anstrich. Auch dadurch, dass das Hauptinteresse dem Überleben unter solchen Bedingungen gilt. Damit ein allgemein menschliches Thema, Klaustrophobie, ansprechend und nicht sich auf die oft monierte Exklusivität des Nazithemas setzend.
Weit über ein Jahr lebten Frauen und Kinder in dieser Höhle, ohne je das Tageslicht zu erblicken. Auch mit den nachgestellten Szenen geht die Regisseurin leicht um, lässt sie eher zu dialogarmen Impressionen werden denn zu krampfhaft nachgestellten Spielszenen mit peinlich nacherfundenen Dialogen, wie bei „In Darkness“ beispielsweise, der das Überleben von Juden in den Abwasserkanälen von Warschau zu beschreiben versuchte.
Auch sind die nachgestellten Szenen licht und leicht, nicht mit diesem grau-grün-blau-Stich, den man nicht mehr sehen kann. Die Musik läuft noch am meisten Gefahr mit der Aufbietung großen Orchesters zur Untermalung, das ist ein kleines too much zu viel, wenn das Orchester auch nicht seine volle Bedeutungs- und Bedröppelungsbreitseite losfahren darf.
Zwischen die nachgestellten Szenen wird geschickt Archiv-Footage zwischengeschnitten. Nicht zu vergessen die Überlebenden der jüdischen Familien Wechsler und Stermer, die die Dokumentaristin aufgetrieben hat, die als Kinder dieses Höhlenerlebnis hatten. Die Männer und die Jungs, die mussten immer wieder rausgehen um Nahrungsmittel zu beschaffen. Die Frauen dagegen sind ununterbrochen in der Höhle geblieben.
In einer vielleicht etwas fernsehtaktmässigen Mischung aus nachgestellten, Szenen, dem Archivmaterial und den Interviewpassagen der Überlebenden erzählt die Regisseurin nun, wie beim Durchblättern eines Fotoalbums, wie es dazu kam und welche Ereignisse das Leben dort gefährlich gemacht haben, wie die Flüchtenden es sich aber offenbar erträglich eingerichtet haben. Dass sie mit dem Höhlenforscher und den Überlebenden, zum Teil über 90 Jahre alt, aber noch fit wie ein, hm, ein Höhlenmensch vielleicht, dann noch zu einer Wiedersehensreise in die Ukraine aufbrechen, das verweist den Film für mich dann doch eher in Richtung Fernsehrührshow.