Mit „Endstation der Sehnsüchte“ ist Sung Hyung Cho ein Dokumentarfilm über Deutsche gelungen, die sich in Südkorea ganz deutsch niedergelassen haben, an den man sich durchaus positiv erinnern kann.
Hier soll sie nun, nach dem Willen und der Hoffnung der Produzenten ein Echo, eine weibliche Replik liefern zu Sönke Wortmanns „Deutschland. Ein Sommermärchen“ und zwar als eine Dokumentation über die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft, ihre Vorbereitungen und ihre Spiele bei der Frauen-WM in Deutschland 2011. Es ist bekanntlich kein Sommermärchen geworden.
Diese Mannschaft war zwei Mal zuvor bereits Weltmeister. Aber Frauen- mit Männerfußball zu vergleichen wäre unfair. Dafür fällt einem als Vergleich der Film von Brigitte Weich aus Österreich über den nordkoreanischen Frauenfußball von 2009 ein. Das war eine fesselnde Langzeitdokumentation. Über Jahre hinweg hatte die Regisseurin die nordkoreanischen Fußballerinnen immer wieder besucht, ließ sich faszinieren von diesen kompakten Kraftbündeln von Personen, die auch im Film sehr persönlich rübergekommen sind.
Jetzt haben wir also eine Kurzzeitdokumentation einer südkoreanischen Regisseurin, die in Deutschland lebt, über den deutschen Frauenfußball vor uns. Schwer zu sagen, warum dieser Film weniger zündet. Es mag die Aufgabenstellung gewesen sein, die ja auch im Film anklingt, dass Frauenfußball populär gemacht werden soll (den Nordkoreanerinnen ging es ums internationale Image, der Regisseurin sicher auch darum ein Stück Nordkorea zu entdecken). Dass es sich hier also um einen Imagefilm handeln soll, kommt schon sehr deutlich als eine Bemühung rüber.
Eine der vielleicht originellsten Szenen: Zwei Zuschauer in einer Kneipe während des Eröffnungsspiels. Ein Gast lässt sich mit jedem positiven Spielzug und vor allem mit jedem Tor mehr und mehr begeistern, zu deuten als generelle Fußball- und Deutschlandbegeisterung, während der andere Gast der Skeptiker ist und bei jedem positiven Punkt noch eine Ausrede findet, warum der eigentlich nicht so viel wert sei, es heiße schließlich Mannschaft und nicht Frauschaft (so wäre sein Tenor zu interpretieren). Diese Szene dürfte das nach wie vor geteilte Interesse am Frauenfußball spiegeln.
Während die nordkoreanischen Fußballerinen Energiebündel waren wie Gummibälle, denen in Aktion zuzuschauen einen richtiggehend elektrisierte, so ist bei den deutschen Nationalspielerinnen die Typenähnlichkeit viel eher die zu großen, schlanken Fußballern, und von der Spielweise her sind es männliche Trainer, die sie lehren. Es gibt den Mental Coach, den Coach fürs Teambuilding und es gibt natürlich auch eine Bundestrainerin, die aber vom Typus her genauso gut Tupper-Ware-Parties veranstalten könnte.
Viele der Fußballerinnen haben noch einen Beruf nebenher, sind in der Armee oder interessieren sich für eine Ausbildung im Hinblick auf die Zeit nach der Karriere, die professionell zu nennen ist allein im Sinne der Deckung der Lebenskosten.
Speziell bei den Team-Building-Übungen erinnert die Gruppe öfter an einen gut aufgestellten, amüsierten Hühnerhaufen, denn an ein Team, was stur den Blick auf das gemeinsame Ziel gerichtet hat.
Vielleicht ist es aber auch neben der größer werdenden Öffentlichkeit (75’000 Zuschauer) der anschwellende Funktionärsapparat, der das Team in dieser WM verunsichert hat. Interessant die Bemerkung eines Teammitgliedes, dass das Ausscheiden im Viertelfinale gegen die Japaner die Frauen mehr zusammengeschweißt hat als die vorangehenden Siegerteams.
Zwei weitere Wermutstropfen oder Kleckse in diesem Film, der andererseits gerade durch die fußballerische Unvoreingenommenheit der Regisseurin die vorherigen Feststellungen erst möglich gemacht hat, ist zum einen, dass ein Bundespräsident, der bald darauf mit Schimpf und Schande aus dem Amt gejagt worden ist, diese WM eröffnet hat. Das wäre vielleicht noch das kleinere Malheur, das andere, was dazu beiträgt, so einen Film im Kino nicht allzu leicht genießbar zu machen, das sind die überall platzierten Werbeetiketten, -Aufkleber, -Banner, die fast jede Bildfläche versauen, sei es auf den Banden am Stadion, auf den Trainingsanzügen und T-Shirts, auf dem Mannschaftsbus; das vermittelt den Eindruck einer Werbeveranstaltung für Produkte. Das müssen Filmemacherin und Publikum schlucken bei so einer Auftragsarbeit.