Ein vorzügliches, höchst unterhaltsames Produkt einer Comic-Verfilmung, das virtuos und ohne verbissenen Ernst spielt auf der Klaviatur terroristischer Weltbedrohung, von Roboter-Höchstentwicklung, Genforschung, menschlicher Hybris und Allmachtfantasien und gleichzeitig menschlicher Niedrigkeit und Ausgeliefertheit, existenzieller Schutzlosigkeit und der Sehnsucht nach menschlichem Kontakt, was nicht ohne Humor präsentiert wird.
Die Figur, die das alles zentral verkörpert – und alle Figuren drum herum spiegeln das je in ihrer hervorragenden Konstruktion fantastisch – ist der Schauspieler Robert Downey Jr. als Tony Stark und in seinem Roboter-Panzer-Kostüm der Iron Man. Downey hat als Schauspieler eine direkte, nie hinterlistige, nie mauschelnd-fraternisierende Attitüde zum Spielen, zur Welt wie zu seiner Spiel-Umgebung vielleicht vergleichbar mit Peter Sellers als Inspektor Clouseau, wobei bei dieser Erinnerung auch deutlich wird, wie sehr sich die Welt seit den 60ern verändert hat; obwohl die Comic-Vorlagen für diese Verfilmung bis in diese Zeit zurückreichen.
Tony Stark hat sich in eine Villa, das ist allerdings stark untertrieben, in eine Art aus ufo-förmigen Elementen konstruierten Wohn- und Laborkomplex hoch über dem Meer bei Malibu zurückgezogen mit seiner höhst attraktiven Assistentin Pepper, Gwyneth Paltrow. Dort forscht er an der Weiterentwicklung seiner Kollektion von „Iron Man“-Anzügen. Der letzte Schrei ist ein Anzug, der sich ihm auf Befehl in heranrasenden Einzelteilen um den Körper schnallt. Eine phänomenale Erfindung, deren Reiz sich die Filmemacher, das sind Drew Pearce und Shane Black als Autoren, Shane Black auch als Regisseur, nicht entziehen können und diesen ausgiebig und faszinierend in Situationen verschiedenster Gefährdungsstufe mitten im Actionstrudel bedienen.
Damit Action in Gang kommen kann, braucht es andere Spieler. In die Malibu-Forscher-Idylle platzt nun der Oberterrorist der Welt, der Mandarin, eine skurrile Synthetisierung all der von der Weltpolitik verbiestert aufgebauten Feindbilder von Fidel Castro über Carlos bis zu Osama bin Laden. Ben Kingsley spielt ihn, der offenbar Waffengleichheit mit dem Tüftler, wenn nicht gar Überlegenheit moniert und selbstverständlich gibt es zur Zeit auf der Welt kein reizvolleres Ziel für Terroristen als den amerikanischen Präsidenten.
Als weiterer nicht ganz durchsichtiger Player tritt Aldrich Killian auf den Plan, gespielt von Guy Pearce. Er betreibt das Forschungsinstitut A.I.M (Advanced Idea Mechanics). Und um dem Geschlechterspiel Nahrung zu geben, hat er als Gegengewicht zu Starks Pepper die aufregende Rebecca Hall als Genetikerin Dr. Maya Hansen angestellt.
So viel zur Exposition der Spieler, die in diesem highly technically, highly human Thriller aufeinander losgelassen werden zu wahnwitziger und verrückter Action, die immer wieder die Menschen auch hilflos aussehen lässt, die immer wieder Platz lässt für lakonische Sätze, die sowohl dem Humor als auch der Wahrung der menschlichen Würde dienen. Als weitere, anrührende menschliche Komponente fernab jeglichen Klischees kommt die Beziehung von Stark zu einem Jungen hinzu, der bald mehr wird als nur ein Verehrer.
Eine der Glanznummern im Action-Bereich ist sicher die Rettung der 14 Passagiere aus dem abstürzenden Präsidentenflugzeug nach dem Spiel „Barrel of Monkeys“. Eine Glanznummer, die 3D, in welcher Variante der Film verkauft werden soll, so ziemlich überflüssig erscheinen lässt, ja mir scheint, ohne 3D wäre der Film deutlich leichter rezipierbar. Aber gönnen wir den sagenhaft gewissenhaften und der Sache zugewandten Produzenten den Aufpreis in diesem Kinogemälde, was durchaus auch als ein Symbol für die Atomisierung der Welt in verschiedenen Stufen gelesen werden könnte. Schließlich schaffen wir unsere Gespenster, unsere Dämonen selber.