The Broken Circle

Ein merkwürdiger Kinomix aus Country-Sänger-Ballade und Kindertumorfilm, der vermutlich nicht so schnell Nachahmer finden dürfte, denn die beiden Elemente vertragen sich nur teilweise gut; als erschwerende Grundzutat kommt allerdings hinzu, dass der Film die Adaption eines monologlastigen Theaterstückes von Johan Heldenberg ist.

Genau dieser Moment im Film, wo unser Held Didier, ein Prachtsbild von sinnlichem, hengsthaftem, robustem Mann und auch Banjo-Spieler in einer Country-Band zugleich, zum großen Monolog über genetische Analysen von Kindern, Früherkennung und gegen die Schwangerschaftspolitik der katholischen Kirche anhebt, und das mitten in einem Konzert der erfolgreichen Band, da wirkt das vollkommen neben der Kappe, was es einerseits auch sein soll, aber auch als totaler Fremdkörper nicht nur im Konzert, sondern auch im Film.

Es gibt eine ähnliche Situation, wie sich das Paar, Didier und Elise wie auf dem Theater streiten. Anlass ist jedes Mal der unverdaute Tod ihres Kindes, das an Krebs gestorben ist, denn die Chemotherapie ist noch nicht so weit. Und der Wissenschaft sind bezüglich Experimenten die Hände gefesselt. Auch wegen der Kirche, daher der Ausbruch von Didier.

Dabei wurde unser Traumpaar so berührend, so sinnlich, so kinematographisch ergreifend geschildert. Wie er sie kennenlernt in ihrem Tattoo-Geschäft. Wie sie gleich preisgibt, welches Tattoo an welchen Liebhaber erinnert. Dass sie aber auch Namen wieder überschreiben könne.

Es funkt zwischen den beiden auf den ersten Blick. Er wohnt romantisch auf dem Land neben einem nicht mehr ganz intakten Haus in einem Wohnwagen. Er erzählt ihr, warum er ausgerechnet Banjo spielt. Bald schon singt sie in der Band als Lead-Sängerin. Auf ihrem Karriereweg kleiden sich die Musiker und die Sängerin eines Tages ganz in Weiß und füllen später im Film schon gewaltig große Hallen.

Das heftige, kaum zu bändigende Liebesleben von Didier und Elise zeitigt schnell Folgen. Ein Kind ist unterwegs. Maybell. Er ist nicht begeistert davon. Spielt trotzdem bald den kümmernden Vater und baut für die zu erwartende Familie das Haus aus und sogar eine Veranda. Die auf den ersten Blick Elise nicht gefällt. Er korrigiert sich und meint, das sei eben eine Terranda. Glück mit dem Kind.

Allerdings fliegen schwarze Vögel, Krähen oder Raben, immer wieder in die Scheibe. Nach einigen Jahren wird das Kind krank. Muss in den Spital. Kann nach Hause. Der Zustand verschlechtert sich wieder.

Nach etwa einer Filmstunde ist Maybell tot. Ein harter Schlag. Das macht Felix van Groeningen, der mit Carl Joos auch das Drehbuch geschrieben hat, so hart, dass man sich wirklich fragt, wie will er den Film, der bis jetzt schon diesen Mix aus Aktualität und Rückblende eingesetzt hat, noch aus seinem Country-Groove herauslotsen.

Aber der Geist des Zuschauers arbeitet mit. Wie würden solche Gemütsmenschen, als welcher vor allem Didier vorgestellt worden ist, mit so einem Todesfall, der ein Loch nicht nur in die Beziehung von Didier und Elise, sondern auch in den Film reißt, umgehen? Denn soviel ist klar und das stellen sie auch fest, weiter wie bisher, weiter mit lustig kann es nicht gehen. Statt nun aber eine konsequente Lösung zu suchen (die vermutlich über den Weg einer gründlicheren Analyse der Charaktere führen müsste) kapriziert sich der Filmemacher auf theatralisch und zu laut und zu künstlich vorgetragene Texte aus dem Theaterstück. Vermeidet so zwar die Kippe zum Melodram, es hätte ein wunderschönes werden können, aber kann mit diesem oben erwähnten Mix auch nicht recht befriedigen. Was vielleicht auch eine Konsequenz davon ist, dass Groeningen sich bei seiner Drehbuchbearbeitung nicht eindeutig für einen Protagonisten entscheiden konnte.

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