Jäger des Augenblicks

Österreichische Dokumentation eines professionellen Bergsteigerunternehmens von Christian Lonk, Philipp Manderla und Malte Röper, alle Regie und Philipp Manderla, Autor und Produzent.

Stefan Glowacz, Holger Heuber und Kurt Albert haben es auf den Mount Roraima im Grenzgebiet von Guyana, Venezuela und Brasilien abgesehen. Das Bergsteigerwesen ist inzwischen ein Leistungs- und Wettbewerbssport mit ganz genauen Vorschriften und Regeln, das lehrt uns der Film und das Presseheft. Unsere drei Protagonisten wollen den Mount Roraima nach der „Rotpunktbewegung“ besteigen. Deren Gründer war der Mitkletterer Kurt Albert. Es muss heißen „war“, denn der verstarb zwei Wochen bevor der zweite Anlauf zu dieser neuen Route im Freiklettern genommen wurde.

Der erste Anlauf musste nach einer Fussverletzung und schwierigen Wetterbedingungen abgebrochen werden. Der lädierte Stefan Glowacz ließ sich aus Vernunftsgründen und gegen die Regeln der Rotpunktbewegung mit dem Kamerateam und -equipment im Helikopter in die bewohnten Gegenden zurückfliegen.

Eine Rotpunktbegehung bedeutet, dass eine Seillänge, die vorher ausgesteckt worden sein kann, „ohne Sturz, Ausruhen im Seil oder Hochziehen am Haken in einem Zug durchstiegen werden muss“. Wer sich um solche Dinge kümmert, spürt, dass er Fachpublikum sein müsste, um den Film adäquat zu honorieren.

Die Aufnahmen vom beiden Aufstiegen, die sind atemberaubend. Begleitkletterer mit Kamera oder die Kamera auf dem Kletterhelm oder vom umkreisenden Helikopter aus.

Der Mount Roraima ist ein Tafelberg mitten im Amazonasgebiet, mehrere hundert Meter fast senkrecht bis überschüssig abfallend. Ein Wasserfall mitten aus der Wand sprüht je nach Windlage gewaltige Gischt über die halbe Wand. Im unteren Teil ist sie glitschig und moosig. Das alles hautnah mitzuerleben, hm, ja, verlangt dem eingefleischten Städter Respekt ab.

Das Leidige an dieser professionellen Extremkletterei ist allerdings, dass sie auf Sponsoren angewiesen ist. So knallen mitten in der schönsten Natur die plattesten Markennamen auf den Sportlerkleidungen auf die Leinwand. Man wähnt sich momentweise in einer Werbeveranstaltung.

Ständig wird die Tour auch unterbrochen mit Rück- und Seitenblenden. Hinweis auf einen Film von Werner Herzog von 1991 “Cerro Torre: Schrei aus Stein“, in welchem eine Sport-Talk-Show stattfindet. Rausspringen aus der Expedition, aus dem Abenteuer Steilwand in eine peinliche Sporttalkshow, in der es um Niederlagen geht. Bla, Bla. Schade. Oder ein Interview ab Tonband mit der Frau eines der Kletterer zu Expeditionsbildern. Oder wieder Besprechungen und Vorbereitungen zuhause. Oder historische Einblendungen von den ersten Klettermeisterschaften in den 80ern. Alles wild gemixt. So wild wie der Aufstieg.

Filmspannend und filmschön, wenn Stefan mitten in der senkrechten Wand von einem Biwak aus die nächsten Meter, die er klettern soll, absucht, mustert und mit den Händen seine Griffe wie mit einer Pantomime memoriert. Solche Szenen können Film einmalig machen. Leider sind davon nicht allzu viele hier vorhanden. Somit eher ein Film fürs Fachpublikum, das sich vor lauter Werbung wie auf einer Fachmesse vorkommen darf. Auch die Musik ist nicht dazu angetan, eine Abenteuergeschichte zu illustrieren, sie erinnert eher an das Gedudele in geschäftigen Messehallen.

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