Beerland

In dieser nicht ganz todernsten Dokumentation macht sich der Amerikaner Matt Sweetwood quer durch Deutschlands Geographie und die Geschichte auf die Suche nach der Bierkultur. Wo es ihm gefällt, verweilt er, wo nicht, fasst er sich kürzer. Die Neugier wurde geweckt durch einen Besuch seiner Eltern.

Das Fazit seiner Reise: Bier schafft ein Vertrauen zu den Menschen, so dass sie intimste Details auszutauschen beginnen. Eine Szene an der Ostsee im Watt illustriert das. Zwei Paar Schuhe Schuhe flankieren die tiefstehende Kamera. In die Ferne gehen der Filmemacher und sein Biervertrauter. Und jetzt kommt sie, die intimste Frage, die man sonst nie stellen würde: welche Schuhgröße hast Du? Soviel zur Intimität, die Bier herzustellen in der Lage ist.

Matt bringt viele kulturunterschiedsrelevante Plaudereien. Denn in Amerika ist Bier erst ab 21 erlaubt, zumindest in Mississippi, wo er her kommt. Der Jugendliche, der Bier trinken will, macht sich dort strafbar.

Schon Tacitus, das erfährt Matt, hat sich über die Bierkultur der Germanen gewundert und sei zum Schluss gekommen, dass die Germanen am ehesten mit Bier zu besiegen seien.

Schwer zu lernen für Matt war, dass man beim Anstoßen sich in die Augen schauen muss. Am Ende wird er selbst in Wildeshausen in die Bier- und Schützengilde aufgenommen. Ein großer, kostümierter Tag in der Ortschaft. Es sind aber auch Pazifisten in der Gilde, die nach dem zweiten Weltkrieg gegründet worden ist, weil die Deutschen nicht mehr bewaffnet sein durften.

Es gibt Trouvaillen zu entdecken. Herr Buch im Fränkischen, der sein Leben lang Dioramen malte und Zinnfiguren herstellt, die einen Bezug zu Herstellung und Genuss von Bier haben. Die unzähligen Arten von Bier. Selbstbrauer. Ein Bierweg mit einer Karte zum Stempelsammeln an jeder Station. Das Thema Stammtisch und Karneval in Köln, da muss er lernen „Kammellen“ und „Sträußchen“ zu rufen. Oder das Oktoberfest, wo Matts Mutter sich zum ersten Mal im Leben vollkommen bedeutungslos vorkommt.

Bierkultur in Zinn. Oder das Rennen mit motorisierten Bierkisten. Der Bierkrieg in Dorfen, der jetzt als Theater aufgeführt wird. Bamberg, die Stadt mit der größten Brauereidichte der Welt, eine Brauerei auf 151 Einwohner. Der Brauereistern, ein Vorgänger des Judensterns.

Aufgelockert wird der Bericht durch animierte alte und neue Bierwerbung. Hopfenernte, Hopfenkönige, nebst Spargel- und Kartoffelkönigen. Wandervögel, die den Bierweg machen; überhaupt beeindruckt Matt das Singen im Zusammenhang mit dem Trinken, das allüberall vorkommt.

Eine wichtige Erkenntnis ganz nebenbei: Linde, was heute eine Weltfirma und führend in Kältetechnik ist, verdanke ihre Gründung Carl von Lindes Erfindung des Kühlschranks, um das Eis, was für den Brauprozess nötig ist, nicht mehr von unendlich weit her antransportieren zu müssen.

Ein Film, der zumindest jedem Biermuseum in Deutschland als Dauerschlaufe gut anstehen würde.

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