The Best Offer – Das höchste Gebot

Für diesen von Giuseppe Tornatore großbürgerlich meisterhaft angerichteten Film das treffende Genre zu benennen, würde bedeuten, die Schlusspointe zu verraten. Deshalb werde ich das erst am Schluss tun mit einem minimalen Kommentar und zwar statt der Buchstaben mit Zahlen beginnend bei Z mit 1 bis A 26 und den ganzen Satz auch noch in umgekehrter Reihenfolge.

Der Film spielt in gehobenem Milieu, in welchem Auktionen an der Tagesordnung sind, Auktionen, bei denen es nicht ungewöhnlich ist bei 1’000 oder gar 10’000 oder gar 100’000 anzufangen, um in großen Schritten schnell in die Höhe zu eilen. Feine Gemälde und Möbel, so antik wie möglich, die Gemälde so berühmt wie möglich, wobei das Problem der Fälschung virulent werden kann, genau so wie beim Thema Liebe.

Geoffrey Rush spielt den Starauktionator Virgil Oldman, der in Wien wohnt (was nicht unbedingt stimmen muss, es gibt aber eine Szene, die auf Wien verweist), seine Auktionen aber weltweit durchführt, ein gefragter Mann, heute London, morgen New York, Paris. In London versteigert er bei Anfuse & Pickrock („Zündschnur & Felsdieb“?). Er selbst ist, das erfahren wir bald, leidenschaftlicher Sammler von Damenportraits aller kunstgeschichtlichen Strömungen von alt bis modern, von romantisch bis abstrakt. Er lebt allein, ergötzt sich in ruhigen Stunden an der Betrachtung seiner Gemälde, die er sich im Laufe der Jahre mit Hilfe eines Kompagnons ersteigert hat. Diese bewahrt er höchst professionell versteckt in einem hohen Raum in seiner großstädtischen Wohnung auf. Darin sitzt er in einem weiten, weißen Ledersessel inmitten seiner vollgehängten Wände. Behauptung von Glück.

Virgil Oldman trägt immer Handschuhe, meist schwarz. Dafür hat er eine eigens entworfene Schrankwand, in der die Handschuhe in vielen Reihen nebeneinander auf Glas ausgelegt sind wie in einer Vitrine. Dahinter verbergen sich im nicht zu vermutenden, kaum zu findenden Sicherheitsraum seine Gemälde-Schätze.

Sein Kompagnon heißt Billy Whistler, der Name ist nicht unbedingt vertrauenerweckend, man denke an Whistleblower. Den spielt undurchsichtig jovial Donald Sutherland mit langen Haaren und einem kuriosen Sehrohr, mit dem er die Schätze aus einer hinteren Reihe während der Auktionen begutachtet. So ein Auktionator hat Angestellte, zum Beispiel Mr. Lambert. Der wirkt seriös.

Mr. Oldman hat eine Tradition. An seinem Geburtstag nimmt er persönlich den ersten Anruf entgegen. An diesem Geburtstag ist es eine Anruferin, die er in der Leitung hat. Eine leicht vom Wind verwehte Frauenstimme, etwas in Not geraten, möchte unbedingt, dass Herr Oldman persönlich den von ihren Eltern vererbten Besitz besichtigt und evaluiert. Erst ziert Oldman sich, dann wird er doch neugierig, begibt sich höchstpersönlich als sein eigener Mitarbeiter zu der verwunschenen Stadtvilla.

Ein verrostetes Gittertor. Ein etwas aus der Form gegangener Hausmeister. Weit und breit keine Miss Ibbetson. Sie wird er wohl nie zu Gesicht bekommen. Denn sie leidet unter Agoraphobie. Sie macht ständig neue Termine. Trotz aller Abwehr und gegen seine gängige Vorsicht lässt Oldman sich immer mehr in die Sache hineinziehen, obwohl die Dame ihn ständig versetzt, ihn mit minimalsten Erfolgserlebnissen füttert.

Die Angelegenheit wird von mal zu mal dubioser. Erst nach mehreren Anläufen gelingt überhaupt eine Besichtigung. Eher Trödel denn Unikate, ein riesiges Haus. Aber der alte Spürhund Oldman findet ein sonderbares Räderwerk, genauer gesagt, nur ein Teil desselben. Schnell kombiniert er, recherchiert im großen Archiv seiner Erfahrungen und der Erfahrungen der Menschheitsgeschichte um zu ahnen, dass er einem großen Ding auf der Spur sei.

So einer wie Oldman hat sein Netzwerk an Dienstleistern, Handwerkern, die ihm beim Restaurieren, beim Säubern und Erkennen von Kunstwerken helfen. So auch Robert, ein Bastler, ein Tüftler, ein genialer Rekonstrukteur. Schnell findet dieser heraus, dass das Räderwerk von einem berühmten Erfinder stammen muss und falls er 80 Prozent von Oldman geliefert bekomme, würde er den Rest wiederherstellen können.

Bei jedem Besuch in der Villa findet Oldman ganz zufällig weitere Teile dieser Maschine, dieses Konstruktes, nie aber begegnet er der geheimnisvollen Mrs Ibbetson, die jedoch über alle seine Schritte bestens informiert scheint.

Mit dem Interesse am Räderwerk, was inzwischen einen Android-Mechanismus erwarten lässt, zieht es Mr. Oldman in dieses Gemäuer, dieses Mobiliar und vor allem in die Fänge der scheinbar Unsichtbaren hinein; er wird immer mehr Vorsichtsmaßnahmen über Bord werden; er verliebt sich, bis er die Schönheit eines Tages sogar zu sehen bekommt. Dass daraus eine Art Amour fou eines alten einsamen Bockes werden dürfte, wird wohl nicht zu viel verraten sein.

Schön, Geoffrey Rush zuzuschauen, wie er jeden seiner Schritte setzt, wie er geführt aufbrausend sein kann, wie er auch mal in eine Falle tappt, wie er die Welt nur mit Handschuhen berührt in unglaublicher Überlegenheit und Souveränität.

Ein Agoraphobiefilm, ein Spukfilm, ein Mystery Thriller, ein Auktionsfilm, ein Liebesfilm, ein Kunstmarktfilm, ein Mysterical, ein Spukfilm, (einmal wird Edgar Allan Poe erwähnt), ein Bessere-Gesellschaft-Film, gar ein Psycho-Thriller?

(13, 22, 19, 6, 19, 24, 8, 13, 22, 8, 8, 12, 9, 20, 6, 1, 13, 18, 22, 18, 23, 22, 12, 14, 12, 16, 9, 22, 13, 6, 26, 20.).

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